Unterstützen Sie Ihr Kind beim "Gesunden Hören!"

Vieleicht ermahnen Sie Ihr Kind auch hin und wieder mit den Worten "Kannst Du denn nicht hören?", oder "Bei Dir geht wohl alles zum einen Ohr rein und zum anderen raus?". Wahrscheinlich ist die vermeintliche Schwerhörigkeit Ihres Kindes den normalen kindlichen Entwicklungsphasen zuzuordnen. Noch. Aber das kann sich schnell ändern. Immer mehr HNO-Ärzte warnen nämlich davor, dass die Schwerhörigkeit bei Kindern und Jugendlichen zunimmt.

Subjektiv wahrnehmbar ist das noch nicht, wohl aber mit audiologischen Tests nachweisbar.

Experten rechnen damit, dass sich bei etwa zehn Prozent aller Jugendlichen ein Hörverlust abzeichnet. Der Grund: Sie setzen sich zu lange und zu lauten Lärmpegeln aus. Dabei sterben Sinneszellen im Innenohr ab. Und das ist irrreparabel.

Das Ohr ist nämlich eigentlich ein Organ der Stille. Es ist dazu geschaffen, leise Geräusche wahrzunehmen. Und das macht es auf höchst elegante Weise. Zuerst einmal werden die Geräusche, vielmehr ihre Schallwellen, von der Ohrmuschel eingefangen. Von hier werden sie über den Gehörgang bis an das Trommelfell geleitet. Das setzen sie in Schwingungen, von hier aus werden die Schwingungen auf die Gehörknöchelchen im Mittelohr übertragen und verstärkt. Von dort aus werden die jetzt verstärkten Schwingungen zu den Sinneszellen weitergeleitet, welche aus ihnen elektrische Signale machen, dies sie an den Hörnerv weitergeben, der sie dann ins Gehirn weiterleitet. Die anspruchsvollste Arbeit beim Hören, neben der Verarbeitung der Signale im Gehirn, wird also von den Sinneszellen geleistet. Man sollte sie also schonen und nicht überfordern.

Leider überfordern wir die Sinneszellen aber permanent. Dies beginnt schon mit der ständigen Geräuschkulisse, die durch Radio, Fernseher, Straßengeräusche, Lärm in der Schule und auf der Arbeit, Kaufhausberieselung im Kaufhaus. Dadurch können sich die Sinneszellen gar nicht mehr richtig erholen. Kommen dann noch sehr laute Musik hinzu, werden die Sinneszellen völlig überlastet.

Gefährlich für die Ohren wird es ab 80 Dezibel! Hörschäden sind zu erwarten, wenn ein sehr lautes Geräusch für Minuten, ein überlautes Knallgeräusch für Sekundenbruchteile auf die Ohren einwirkt, oder laute Musik über mehrere Stunden, ohne dass dem Ohr Ruhepausen gegönnt werden.

Laute Musik, das wissen Sie, haben Ihre Kinder und Jugendlichen mehr als genug. Discos, Konzerte, tragbare Musikgeräte wie der I-Pod oder ein Discman. In einer Diskothek beträgt der durchschnittliche Dauerschallpegel 103 Dezibel. Diese Schalldosis entspricht der Belastung, die mach ein Arbeitnehmer an einem lauten Arbeitsplatz innerhalb einer ganzen Woche enthält.

Auch Kinder, die noch keine laute Musik hören, sind nicht geschützt vor lärmbedingt erworbenen Hörschäden. Eine Trööttrompete hat schon Spitzenwerte von 116 Dezibel, eine Trillerpfeife 127 Dezibel und der Knall einer Spielzeugwaffe 160 bis 175 Dezibel. Solche einzelnen Lärmschocks, zu denen auch Feuerwerkskörper gehören, die direkt am Ohr abgefeuert werden, können in Sekundenbruchteilen das Gehör für ein ganzes Leben schädigen.

Was können Sie tun, um Ihren Kindern einen späteren Hörschaden zu ersparen?

Klären Sie sie darüber auf, dass Lärm das Gehör schädigen kann. Eine Hilfe könnte Ihnen die Broschüre "Ganz Ohr" von der LZG geben. Die Bestellmöglichkeit erfahren Sie am Ende des Textes.

Empfehlen Sie Ihren Kindern behutsam mit ihrem Gehör umzugehen! Eine Möglichkeit wäre beispielsweise mit Ohrstöpseln in ein Konzert oder die Disco zu gehen. Für solche Anlässe gibt es sogar einen Profihörschutz, der individuell angepasst wird und der die Musik nicht verzerrt. Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie dann schon noch etwas hören, nur aber leiser. Das wäre doch auch ein gutes Geburtstagsgeschenk?

Erklären Sie den Kindern, dass es auch in einer Disco und auf einem Konzert unterschiedliche Lautstärken gibt. Die gefährlichsten Schallspitzen werden direkt neben den Lautsprechern abgestrahlt, so dass dieser Platz gemieden werden sollte.

Ermuntern Sie die Kinder, ihren Ohren auch eine Ruhepause zu gönnen. Denn es ist ja, wie gesagt, nicht nur die Schallhöhe sondern auch die Schalldauer ausschlaggebend.

Haben Sie aber Verständnis, wenn die Kinder antworten, nur laute Musik sei gut zum Abreagieren. Erfahrungsgemäß sind Kinder und Jugendliche vernünftigen Argumenten auch zugänglich. Wichtig ist jedoch, dass Sie als Eltern laute Musik nicht per se verdammen. Dann fühlen sich nämlich gerade die Jugendlichen zu einer Protesthaltung herausgefordert und drehen den Regler extra hoch. Aber Sie können ja einen Kompromiss vereinbaren, dass es nicht nur laute Musik sein muss.

Die Broschüre "Ganz Ohr" können Sie gegen ein Rückporto von 1,45 € bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz anfordern.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

01. bis 15. April 2006