Kaffee und Gesundheit

Der französische Dichter und Philosoph Voltaire soll täglich 50 Tassen Kaffee getrunken haben. Als ein Freund ihm vorhielt, er würde sich damit langsam, aber sicher vergiften, sagte er nur: "Ja, du hast Recht. Ich trinke ihn aber erst seit 65 Jahren." Bis heute ist es so geblieben: Die einen verteidigen vehement die guten Eigenschaften ihres Lieblingsgetränks, die anderen lasten ihm allerlei krankmachende Wirkungen an.

Für viele Menschen ist Kaffee ein Genussmittel und eine Lebenshilfe, auf die sie nicht verzichten möchten. Man sieht es in den Jahresstatistiken am hohen Verbrauch: der betrug 1998 pro Kopf der Bevölkerung in der Bundesrepublik etwa 160 l; das sind über 1000 Tassen. Da interessiert schon die Frage: "Was ist wirklich dran am Für und Wider?"

Um dies zu beantworten, muss man sich aber zunächst mit einer anderen Frage befassen, nämlich "Was ist drin im Kaffee?" Der bekannteste und beliebteste Bestandteil ist das Koffein. Je nach Kaffeesorte und Kaffeestärke enthält eine Tasse 50 - 150 mg Koffein. Hinzu kommen verschiedene Säuren und andere Stoffe, die beim Rösten entstehen, Eiweißstoffe und Mineralsalze, vor allem Kalium.

Das Gute am Kaffee: Koffein, aber auch ein Teil der Röststoffe, regen das Großhirn an und erleichtern die Gedankenarbeit. Beide Stoffgruppen erzeugen ein Gefühl größerer Leistungsfähigkeit und können bei manchen Menschen sogar dunkle Stimmungen aufhellen. Weil nicht nur das Koffein, sondern auch die Röststoffe des Kaffees anregend wirken, kann auch koffeinfreier Kaffee noch als Muntermacher wirken.

Die Verteidiger des Kaffees führen auch seinen Kaliumgehalt ins Feld. Kalium gilt bei der Blutdruckregulation als drucksenkender Gegenspieler des Hochdruck begünstigenden Kochsalzes. Doch müsste man etwa 5 Tassen mittelstarken Kaffee trinken, um so viel Kalium aufzunehmen wie mit einer großen Banane.

Eine angenehme Begleiterscheinung für manche Kaffeetrinkerin oder manchen Kaffeetrinker ist auch die abführende Wirkung des Kaffees, wohingegen seine harntreibende Wirkung manchmal eher lästig sein kann. Auch geht dem Körper durch die vermehrte Urin-Ausscheidung Calcium verloren, das als Baustein stabiler Knochen und Zähne wichtig ist.

Auf der anderen Seite gibt es Kaffee-Eigenschaften, die zu Beschwerden führen können. Koffein wirkt nicht nur anregend auf das Großhirn, es steigert auch die Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems und kann es - besonders bei labilen Personen - aus dem Gleichgewicht bringen. Manche Menschen spüren nach Kaffeegenuss eine unangenehme innere Unruhe oder leiden unter Rötungen des Gesichts; andere klagen über krampfartige Schmerzen im Magen, im Darm, in den Gallenwegen oder auch im Herzen.

Da Koffein die Pumpleistung des Herzens kurzfristig ankurbelt, kann Kaffee bei Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche, mit beschleunigtem Herzschlag und Herzrhythmusstörungen das vorgeschädigte Organ überfordern. Immer wieder ist zu hören, dass Koffein eine blutdrucksteigernde Wirkung habe. Diese Aussage ist aber nur bedingt richtig, denn Koffein kann auf der anderen Seite auch blutdrucksenkend wirken. Das bedeutet: Auf eine kurzfristige Steigerung des Blutdrucks folgt meist ein Blutdruckabfall. Deshalb ist Kaffee für Menschen mit niedrigem Blutdruck kein ideales Kreislaufmittel.

Auch die Röststoffe haben eine unangenehme Seite. Sie steigern die Säureproduktion im Magen; manche Menschen reagieren darauf mit Sodbrennen, Völlegefühl oder Übelkeit.
In der Schwangerschaft verlängert sich die Halbwertzeit von Koffein im Blut der Mutter von 2 auf 20 Stunden. Unter Halbwertzeit versteht man die Zeit, in der die halbe Dosis einer Substanz abgebaut ist. Koffein gelangt leicht in das Gehirn des ungeborenen Kindes und erhöht dort die Erregbarkeit.
Wie andere Genussmittel wird auch der Muntermacher Kaffee nicht selten missbraucht, um Schlaf- und Erholungspausen zu überspielen. Es ist jedoch eine Binsenweisheit, dass man auf die Dauer aus dem Organismus nicht mehr Kräfte herausholen kann, als er selbst aufbringt. Ein ständig überzogenes Kräftekonto ist die Wurzel für manche psychosomatische Erkrankung. Dieser Aspekt darf beim Thema "Kaffee" nicht unter den Tisch fallen. Ebenso wenig ist Kaffee geeignet, die Wirkung von Alkohol zu mildern oder gar aufzuheben.

Alles in allem gilt: Der tägliche Konsum von drei bis vier Tassen normal starken Bohnenkaffees wird von den meisten Menschen gut vertragen. Schwangere sollten versuchen, mit einer Tasse morgens und einer nachmittags auszukommen und auf andere Getränke ausweichen. Vegetativ labile Personen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen, mit überaktiver Schilddrüse oder mit Magen- und Darmgeschwüren müssen ausprobieren, ob und in welcher Menge sie Kaffee - mit oder ohne Koffein - vertragen. Bei Beschwerden sollten sie jedoch darauf verzichten und vielleicht auf den koffeinärmeren Tee umsteigen, der, anders als Kaffee, auch keine Röststoffe enthält.

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Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!