Warum wir bei Erkältungen oft nur Appetit auf warme Flüssigkeiten haben 

Gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit ist niemand dauerhaft gefeit. Mehr als 200 verschiedene Viren lösen Erkältungskrankheiten aus. Sie schwirren fast überall herum und können jeden erwischen, dessen Abwehrkräfte nicht fähig sind, sich erfolgreich zu wehren. Eine Unterkühlung allein löst das erste Kratzen im Hals nicht aus.

Doch wer sich einen Infekt „eingefangen“ hat, beginnt zu Frieren und zu Frösteln. Wenn wir erkältet sind, wird uns, wie der Name sagt, kalt – selbst im geheizten Zimmer. Es steigt das Bedürfnis nach Ruhe, warmen Räumen und heißen Getränken.

Die Medizin hat bislang kein wirksames Mittel gefunden, um die Dauer von Erkältungskrankheiten abzukürzen. Einen Schnupfen zu kurieren, so sagt ein Sprichwort, dauert mit Arzt eine Woche und ohne ihn sieben Tage. Allenfalls können die Symptome gelindert und die körpereigenen Abwehrreaktionen unterstützt werden. Eine dieser Reaktionen wirkt auf den ersten Blick paradox, denn sie macht uns zunächst einmal „schlapp“: Es ist die Appetitlosigkeit. Sie tritt ein, weil der Organismus bestrebt ist, die Viren auszuhungern. Das ist auch der Grund, warum er zusätzlich ganz gezielt noch Nährstoffe „wegsperrt“, die bereits im Blut sind. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen „Nutritional Immunity“. Es bewährt sich schon beim einfachen Schnupfen. Eine Untersuchung aus Norwegen zeigt, dass im Erkältungsfall beispielsweise ein Teil des Mineralstoffs Eisen aus dem Blut zu den Eisenspeichern des Körpers transportiert wird. Dort haben die Erkältungserreger, die dieses Mineral zur Vermehrung dringend bräuchten, keinen Zutritt.

Viele traditionelle Hausmittel unterstützen diese Strategie. Sie setzen an beim schluckweisen Trinken von viel heißem Tee aus Kräutern wie Salbei, Thymian oder Rosmarin, die wenig Nährstoffe liefern und überdies desinfizierend oder schleimlösend wirken – und gehen hin zur frisch gekochten Hühnersuppe, deren Rezept sie nebenan finden. Heiß gelöffelt lässt sie die Nasenschleimhäute abschwellen und das Nasensekret schneller abfließen. Darüber hinaus aktiviert sie die Abwehrkräfte. Amerikanische Forscher konnten nachweisen – bisher allerdings nur im Reagenzglas -, dass sie die Bildung weißer Blutkörperchen beeinflusst und so die Erkältungssymptome lindert. Hühnersuppe hat noch einen weiteren Vorteil: im Vergleich zur Brühe aus Rind- oder Schweinefleisch enthält sie weniger Mineralien, vor allem weniger Eisen. Geflügelfleisch hat nur halb so viel davon als Suppenfleisch vom Rind oder Schwein.

„Weniger“ an Nährstoffen kann bisweilen also deutlich „mehr“ sein. Dieses Bedürfnis des Körpers will gerade bei Erkältungskrankheiten ernst genommen werden. Dann verschwindet der Schnupfen bald – und der gesunde Appetit auf alle anderen köstlichen Speisen stellt sich schnell von selbst wieder ein.

Autorin: Brigitte Neumann