Alkohol – ein Risiko für Herzerkrankungen

Mäßiger aber regelmäßiger Alkoholkonsum gilt in unserer Gesellschaft als völlig normal. Ein Glas Rotwein oder ein frisches Bier am Abend zur Entspannung, ein Glas Sekt tagsüber auf der Geburtstagsfeier im Büro, – wohl niemand wird sich dabei etwas denken. Allerdings, so ganz stimmt das nicht mehr: Neuerdings schlagen die Kardiologen Alarm. „Ein Drittel derjenigen, die regelmäßig Alkohol trinken, erkranken an einer lebensgefährlichen Herzmuskelschädigung“,  sagen sie.

Und dazu reicht schon das allgemein berühmte Viertele Wein regelmäßig pro Tag. Dies ist allerdings erst ein Erfahrungswert.

Doch durch Studien ist bewiesen, dass etwa 23 bis 43 Prozent der Herzmuskelschädigungen auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Dazu kommt es, wenn Männer über 5 Jahre hinweg über die Stränge schlagen und täglich 6 bis 7 sogenannte Standarddrinks zu sich nehmen. Das sind für Männer 6 bis 7 Flaschen Bier oder 6 bis 7 Gläser Wein oder 6 bis 7 Stamperl Schnaps.

Mit den Frauen ist die Natur in dieser Hinsicht weniger gnädig. Ihre Leber baut hormonell bedingt Alkohol wesentlich langsamer ab. Deswegen kursiert Alkohol länger im Körper von Frauen als von Männern und kann dementsprechend mehr Schaden anrichten. Die Faustregel lautet daher, dass bei Frauen alle Angaben zu Alkohol um ein Drittel niedriger sind. Bei ihnen stellt sich die herzschädigende Wirkung also schon bei 4 Standarddrinks ein. Das heißt, dass wenn Frauen 2 Gläser Sekt zur Geburtstagsfeier im Betrieb trinken, zum Abendessen ein Bier und vor dem Fernseher noch ein Glas Wein, haben sie das Limit – laut Studien – schon überschritten. Laut Erfahrungswert allerdings wie gesagt schon wesentlich eher!

Was passiert eigentlich bei einer Herzmuskelschädigung? Dabei kommt es, kurzgefasst, zu Veränderungen und dem Absterben von Herzmuskelzellen und damit zu mechanischen und/oder elektrischen Funktionsstörungen des Herzens. Dies führt zu einer unangemessenen Vergrößerung der Herzkammern. Daraus können sich dann gefährliche oder tödliche Herzkrankheiten wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Rhythmusstörungen oder Embolien in Herz oder Lunge entwickeln.

Wird jetzt immer noch weitergetrunken, ist die Überlebensprognose sehr schlecht.  Aber die gute Nachricht: eine solche alkoholische Herzmuskelstörung ist umkehrbar. Wie Untersuchungen zeigten, beginnen sich die Herzmuskelzellen bereits nach sechs Wochen Abstinenz langsam zu erholen. Dazu ist allerdings eine totale Alkoholabstinenz wichtig, d.h. ohne einen einzigen Tropfen Alkohol.

Bevor es aber soweit kommt, sollte man sich einmal fragen, ob man nicht früher schon herzfreundlicher leben kann. Denn schließlich haben wir nur ein Herz – und es ist ein Wunderwerk der Natur.

Ein Alkoholmissbrauch beginnt fast immer unspektakulär. Schließlich gehört Alkohol zu unserer Kultur. Es ist üblich, auf eine wichtige Entscheidung mit einem Glas Sekt anzustoßen, oder ein schönes Abendessen mit einem guten Wein noch romantischer zu machen. Alarmiert aber sollten Sie dann sein, wenn Sie regelmäßig Alkohol trinken, um alltägliche Anspannungen und Konflikte besser zu ertragen. Wer regelmäßig einen Piccolo öffnet, wenn er aus dem Büro heimkommt, oder sich jedes Mal einen Rotwein genehmigt, wenn die Kinder endlich im Bett sind, geht den ersten Schritt zu einem Alkoholmissbrauch. Der nächste Schritt wäre dann, dass Sie Alkohol brauchen, um sich einigermaßen wohl zu fühlen. Dann ist allerdings bereits die Schwelle zur Abhängigkeit erreicht.

Wenn Sie solche Anzeichen an sich spüren, sollten Sie wieder anfangen, bewusst zu trinken. Der erste Schritt in diese Richtung ist das Eingeständnis, dass es zuviel geworden ist mit dem Alkohol. Dann sollten Sie einmal eine sechswöchige alkoholfreie Zeit einlegen. Vielleicht bietet sich die kommende Fastenzeit dafür an? Falls Sie jetzt nicht ganz auf Alkohol verzichten möchten, sollten Sie zum kontrollierten Trinken übergehen. Die erlaubte Menge ist allerdings nicht besonders groß: Männer sollten am Tag nicht mehr als ein Glas Wein (250 ml) oder einen halben Liter Bier trinken. Bei Frauen ist es ein kleines Glas oder ein kleines Glas Bier. Gut ist es auch, zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen.

Berücksichtigen Sie auch die folgenden Tipps gegen einen zu hohen Alkoholkonsum:

  • Lagern Sie Ihren Vorrat im Keller und nicht in der Küche.
  • Lassen Sie keine geöffnete Weinflasche herumstehen, sondern schütten Sie den Rest von einem geselligen Abendessen weg. Sonst ist die Versuchung groß, dass Sie die Flasche am nächsten Abend doch noch leeren.
  • In vielen Supermärkten gibt es kleine Weinflaschen mit 0,25 Liter Inhalt. Für Alleinlebende eine Alternative zur normalen Flaschengröße.
  • Sorgen Sie immer für einen ausreichend großen Vorrat an alkoholfreien Getränken. Wenn Sie einen ganzen Kasten verschiedener leckerer Fruchtsäfte und außerdem noch alkoholfreies Bier haben, fällt Verzicht auf Alkohol leicht.

Diese Tipps helfen allerdings nur denen, die kein Suchtproblem mit dem Alkohol haben. Wer abhängig ist, der muss unbedingt die Finger ganz vom Alkohol lassen, am besten mit Hilfe von Gleichgesinnten wie den anonymen Alkoholikern oder geschulten Therapeuten.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

01. bis 15. Februar 2007