Sehschwäche - Früherkennung schützt

Von allen menschlichen Sinnen ist der Sehsinn der am stärksten ausgeprägte. Rund 50 Prozent der vom Gehirn zu verarbeitenden Sinneseindrücke gehen auf ihn zurück. Für uns Augenwesen ist es also sehr wichtig, dass wir möglichst lange möglichst gut sehen können. Dazu müssen Menschen vor allem in zwei Lebensaltern die Früherkennungsangebote von Augenärzten wahrnehmen: Kinder unter zwei Jahren und Erwachsene ab 40 Jahren.

Bei Kindern ist es wichtig, „Augenfehler“ möglichst früh zu erkennen, weil diese zu lebenslangen Sehstörungen führen können. Die Nervenbahnen, die die Sehimpulse vom Auge an das Gehirn leiten, sind nämlich noch nicht von Anfang an ausgereift. Die Reifung findet in den ersten sieben Lebensjahren statt. In dieser Zeit ist es wichtig, dass die Augen ständig normal beansprucht werden. Wenn aber „Augenfehler“ vorhanden sind, die das normale Sehen stören, kann man dies zeitlebens nicht wieder gutmachen. Solche „Augenfehler“ sind Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Schielen. Vor allem, wenn ein Auge stärker gestört ist als das andere, beginnt das Gehirn, das schlecht sehende Auge immer weniger am Sehvorgang zu beteiligen. Deshalb können die Nervenbahnen des schlecht sehenden Auges nicht reifen. Und dies kann nach dem siebten Lebensjahr auch nicht nachgeholt werden.

Wichtig ist es also für Sie als Eltern, auf kleine Anzeichen für schlechtes Sehen zu achten. Wenn Sie die folgenden sichtbare Auffälligkeiten entdecken, sollten Sie sofort mit Ihrem Kind zum Augenarzt gehen, egal wie alt es ist: Augenzittern, Fleck in der Pupille, Hängelid, große Augen, Lichtempfindlichkeit, Zukneifen eines Auges oder Silberblick. Im 6. bis 12. Lebensmonat sollten Sie zum Augenarzt, wenn es Augenerkrankungen in der Familie gibt, sowie eine Entwicklungsverzögerung oder eine Frühgeburt des Kindes. Bis zum zweiten Lebensjahr sollten alle Kinder einmal vom Augenarzt begutachtet worden sein.

Denn Schielen und Fehlsichtigkeit kann man beheben oder zumindest ausgleichen. Bei manchen Kindern genügt eine Brille, oft kombiniert mit einer „Okklusionsbehandlung“. Hier klebt man ein Pflaster auf das gesunde Auge. Dies trainiert das schlecht sehende oder schielende Auge, Bilder an das Gehirn weiterzuleiten.

Bei Erwachsenen können vor allem folgende Krankheiten durch die Früherkennung entdeckt und oftmals noch rechtzeitig gestoppt werden: Dies sind der grüne Star, die diabetische Retinopathie und die altersbedingte Makuladegeneration.

Beim grünen Star (Glaukom) handelt es sich um eine Gruppe von Augenkrankheiten, bei denen es zuerst zu Gesichtsfeldausfällen kommt und dann – unbehandelt – zu einer Erblindung. Ursache hierfür ist meist ein erhöhter Augeninnendruck, der die Nervenfasern des Sehnervs schädigt. Erst wenn schon ein Drittel des Sehnervs unwiderruflich zerstört wurde, machen sich die Seheinschränkungen bemerkbar. Nur der Augenarzt kann den grünen Star so früh erkennen, dass man rechtzeitig mit Medikamenten den Verlauf der Krankheit verlangsamen oder stoppen kann. Wenn bei Ihnen Familienmitglieder bereits den grünen Star haben, vor allem die Großeltern, sollten Sie ab 40 regelmäßig die Untersuchung machen lassen und auch selbst zahlen.

Bei der diabetischen Retinopathie handelt es sich um eine Erkrankung der Netzhaut, die durch Diabetes verursacht wird. Die Krankheit führt dazu, dass sich im Blut ein Überschuss an Zucker ansammelt. Dies verändert auch die kleinen Blutgefäße, wie sie sich in der Netzhaut befinden. Ein Teil der Gefäße stirbt ab, ein anderer wird für Blutbestandteile und Blut durchlässig. Es kommt zu Blutungen und Gefäßwucherungen. Bei zwei von drei Diabetikern treten solche Durchblutungsstörung der Netzhaut auf. Aber auch sie merken das nicht sofort. Deswegen ist es für Diabetiker wichtig, nach der Diagnose einen Augenarzt aufzusuchen. Sind noch keine Netzhautveränderungen sichtbar, sollten Sie einmal jährlich die Untersuchung wiederholen, bei Veränderungen der Netzhaut wesentlich öfter.

Die dritte Krankheit, die nur durch Früherkennung rechtzeitig erkannt wird, ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Hier macht sich von der Mitte des Auges her langsam eine Erblindung breit. Auch sieht man senkrecht und waagerecht verlaufende Linien plötzlich mit einer Delle an einer Stelle. Ablagerungen in die Netzhaut sind eine Hauptursache. Dies verläuft in den ersten Jahren unbemerkt, denn es ist dem Auge lange Zeit möglich, die ersten blinden Stellen auszugleichen. Entdeckt man die Seheinschränkungen, sind große Bereiche der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, meistens bereits unwiderruflich verloren. Bei 15 Prozent der Makulapatienten passiert es auch, dass sich diese trockene Form in eine feuchte Form wandelt. Hier beginnen neue Blutgefäße aus der Aderhaut herauszuwachsen, die zudem noch undicht sind.
Um eine Erblindung durch die AMD zu verhindern, ist eine frühe Diagnose und schnelle Behandlung notwendig. Deshalb sollten Sie ab 60 bis 65 die Augen regelmäßig, am besten jährlich untersuchen lassen.


1. bis 15. Januar 2007 Aktualisiert am 11.3.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl