Schritt für Schritt - die Heilkraft der Bewegung

Eigentlich liegt es auf der Hand. Unser Körper ist nicht dazu da, dass wir untätig und sitzend unser Leben verbringen, sondern dass wir in Bewegung sind. Unsere Gelenke, unser Knochengerüst, unser Gehirn, unser Blutsystem und fast alle Organe sind für einen Körper in Bewegung gemacht, und nicht für einen Körper in Passivität. Entsprechend fördert Bewegung die Vitalität, körperliche Gesundheit und Langlebigkeit und hat damit einen bedeutenden Einfluss auf die Lebensqualität.

Entscheidend für die Wirkung sind dabei nicht die Art und Intensität, sondern die Regelmäßigkeit und Freude (!) an der Bewegung. So bleiben Sie lange fit und leistungsfähig und beugen Krankheiten vor. Und diese „Heilkraft der Bewegung“ ist sogar dann noch wirksam, wenn wir bereits unter einer schweren Erkrankung leiden, wie wir im Folgenden hören werden.

Verengung von Herzkranzgefäßen und anderen Blutgefäßen

Bei dieser Erkrankung sind die Blutgefäße durch Ablagerungen, vor allem Blutfette, verengt und erstarrt. Das Blut kann dann aufgrund der Engpässe nicht mehr frei zirkulieren. Dadurch muss das Herz stärker pumpen, um das Blut durch die verengten Blutgefäße zu bekommen. So bildet sich ein Bluthochdruck. Die Organe und Gewebe werden schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Spielt sich das am Herzen ab, heißt die Erkrankung Herzkranzgefäßverengung; sie kann zum Herzinfarkt führen. Im Gehirn kann es zum Schlaganfall kommen. Regelmäßige Bewegung kann diesen Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen, kann aber auch das Fortschreiten bestehender Gefäßveränderungen aufhalten. Denn sie hat Einfluss auf den Bluthochdruck, sowie auf die Blutfette – und mindert somit die für die Blutgefäße belastenden Faktoren.

Diabetes Typ 2

Hier ist die Arbeit des Hormons Insulin gestört. Das bedeutet, dass die Zellen den Traubenzucker, der nach dem Essen im Blut schwimmt, nicht aufnehmen können. Der klebrige Zucker schwimmt dann im Blut und verpappt Blutgefäße und Organe von innen. Regelmäßige Bewegung aber verbessert die Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen. Das heißt, der Zucker kann wieder leichter in die Muskelzellen eingeschleust werden. Längst gilt daher körperliche Bewegung neben richtiger Ernährung und Insulinspritzen als die dritte Säule der Diabetestherapie. Sie hilft auch den Diabetikern, die noch kein Insulin spritzen: Diese brauchen mit Sport deutlich weniger Medikamente und tun zudem noch etwas für Herz und Kreislauf.

Brustkrebs

Brustkrebs ist eine Erkrankung, deren Ursachen auf viele Faktoren zurückzuführen sind. Zur Vorbeugung von Brustkrebs wird empfohlen, Rauchen und Übergewicht zu vermeiden und – regelmäßig Sport zu treiben. Denn moderater Ausdauersport und regelmäßige Bewegung regt das Immunsystem an. Dieses wird im Kampf gegen die Krebszellen gebraucht. Etwa vier Stunden Bewegungstraining pro Woche reichen aus, das Brustkrebsrisiko zu senken. Insbesondere gilt dies für die Frauen, bei denen die Gefahr des erblichen Brustkrebses besteht. Sie können mit Hilfe von Sport vielleicht nicht den Ausbruch der Erkrankung verhindern, den Erkrankungszeitpunkt aber nach hinten schieben. Auch wenn der Krebs schon da ist und auch schon gestreut hat, wird nach neueren Erkenntnissen das weitere Fortschreiten der Erkrankung deutlich herausgezögert. Allerdings sind dazu nicht alle Sportarten geeignet. Nach einer Brustkrebsbehandlung ist von den Sportarten abzuraten, die unkalkulierbare Belastungen für die Arme aufweisen. Darunter fallen viele Ball- und Kampfsportarten. Hingegen sind Schwimmen, Gymnastik, Wassergymnastik, Walking, Wandern und Joggen in der Regel ohne Probleme möglich und empfehlenswert.

Darmkrebs

Menschen mit guter körperlicher Fitness sterben 2,7 mal seltener an Krebs als ihre bewegungsarmen Zeitgenossen – dies bezieht sich insbesondere auch auf Darmkrebs. Regelmäßiges moderates Training senkt das Risiko um die Hälfte. Denn bei Darmkrebs kommt noch ein weiterer Aspekt zum Tragen: Das Risiko nimmt bei Männern um fast achtzig Prozent zu, wenn drei oder mehr der folgenden Faktoren zutreffen: Hoher Blutdruck, dicker Bauch, zuviel Blutfett, hohes Cholesterin und hoher Blutzucker. All diese Faktoren können Sie durch regelmäßigen Sport reduzieren. Zusätzlich denkbar ist auch die folgende Erklärung: Sport regt die natürlichen Darmbewegungen an, von daher wird bei aktiven Menschen der Darminhalt schneller nach außen befördert, als bei passiven. Auch dies hilft, das Darmkrebsrisiko zu senken. Zudem hat sich gezeigt, dass auch Personen, die schon Darmkrebs haben, vom Sport profitieren. Wenn sie sich viel bewegen und am Bauch nur wenig Fett ansetzen, ist ihre Chance, bei der Diagnose Dickdarmkrebs die nächsten fünf Jahre zu überleben, deutlich höher als bei unsportlichen Personen mit Bauchansatz.

Alterung der Zellen

Körperliche Aktivität hält nicht nur das Herz-Kreislauf-System und die Organe gesund, es bremst auch die Alterung der Zellen. Dies zeigt die Zwillingsforschung: Körperlich aktive Probanden haben im Vergleich zu nahezu unaktiven Studienteilnehmern eine längere Lebenserwartung von etwa zehn Jahren. Wie körperliche Aktivität den Alterungsprozess in der Zelle genau beeinflusst, wissen die Forscher jedoch noch nicht. Sport und Bewegung hemmen Entzündungsreaktionen und helfen dabei, oxidativen Stress in den Zellen abzubauen, vielleicht ist das eine mögliche Erklärung. So beschert uns Sport im optimalen Fall ein langes und gesundes Leben.

Darüber hinaus gibt regelmäßige Bewegung auch der Seele Kraft und stärkt die seelische Gesundheit, hilft bei der Stressbewältigung, fördert die soziale Integration und modelliert nicht zuletzt die Figur. Es ist also auf ganzer Linie nur empfehlenswert – und das in jedem Alter!

 

16. bis 29. Februar 2008 Aktualisiert am 22.2.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl