Schnell reagieren bei Verdacht auf Schlaganfall

In Deutschland erleiden jährlich mehr als 200.000 Menschen einen Schlaganfall, auch Apoplex genannt. Viele davon enden tödlich, Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs. Überlebende Patienten behalten häufig bleibende Schäden zurück, die bis zur dauerhaften Pflegebedürftigkeit gehen können. Damit sind  die Folgen eines Schlaganfalls nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen gravierend. 

Wichtig ist, dass ein Schlaganfall früh erkannt und in einer spezialisierten Akutklinik behandelt wird, denn damit steigen die Chancen, schwerwiegende Folgen zu reduzieren. Jeder sollte daher wissen, woran man einen Schlaganfall erkennt und was die ersten Anzeichen sind.

Typische Symptome eines Schlaganfalls sind plötzliche, meist schmerzlose Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Sehstörungen, herabhängende Mundwinkel und Sprachstörungen. Auch stechende Kopfschmerzen in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen können dazu kommen. Wer bei sich oder bei einem Mitmenschen diese Anzeichen erkennt, sollte unverzüglich die Notrufnummer 112 anrufen, denn nun zählt jede Minute. Sagen Sie schon am Telefon, dass Sie den Verdacht auf einen Schlaganfall haben. Scheuen Sie sich nicht, den Notarzt anzurufen, denn bei Symptomen, die auf einen Schlaganfall hinweisen können, gilt: lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Alarm schlagen.

In der Klinik werden umfassende Untersuchungen durchgeführt: Der Kopf wird mit bildgebenden modernen Verfahren durchleuchtet. Die hirnversorgenden Gefäße werden untersucht, zum Beispiel mit einem speziellen Ultraschall. Das Blut wird im Labor auf spezielle Werte untersucht, um einen Herzinfarkt auszuschließen. Auch das EKG gibt weiteren Aufschluss, um mögliche Herzrhythmusstörungen festzustellen. Mit diesen Untersuchungen soll festgestellt werden, ob es sich um einen Schlaganfall handelt und wenn ja, was genau den Schlaganfall hervorgerufen hat. Die häufigste Ursache ist eine Verschlusskrankheit von Blutgefäßen im Bereich des Gehirns. Das heißt, eine Blut zuführende Arterie ist „verstopft“. Dadurch stirbt der Bereich des Gehirns, der zuvor durch dieses Gefäß mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wurde, innerhalb kürzester Zeit ab. Man spricht hier auch von einem „Hirninfarkt“. 85 Prozent der Schlaganfälle haben diese Ursache.

Die Therapie muss dafür sorgen, das verstopfte Blutgefäß so schnell wie möglich wieder durchlässig zu machen.  Je schneller das passiert, umso weniger Nervenzellen gehen zugrunde. Oft ist eine Thrombose die Ursache der Verstopfung, dann muss das Blutgerinnsel aufgelöst werden. Dies geschieht entweder mit Medikamenten oder mit einem Eingriff direkt an der Verschlussstelle. Damit sich kein neues Blutgerinnsel bildet, werden Medikamente gegeben, die die Blutgerinnung hemmen.

Neben dieser Blutmangelversorgung als Ursache des Schlaganfalls gibt es auch das Gegenteil, nämlich die Hirnblutung, von der 15 Prozent der Patienten betroffen sind. Hier ist die Ursache ein Bluterguss in Folge eines geplatzten Gefäßes im Gehirn. In diesem Fall wird im Krankenhaus zunächst der Blutdruck gesenkt. Dann wird, wenn machbar, mit einer Operation die Blutung gestillt und der Bluterguss ausgeräumt.

In manchen Fällen sind die Symptome des Schlaganfalls nur gering ausgeprägt und verschwinden genauso schnell wieder, wie sie aufgetreten sind. Man spricht hier von einer Vorstufe des Schlaganfalls, der so genannten „Transitorisch Ischämischen Attacke“ (TIA),  einer flüchtigen Durchblutungsstörung des Gehirns. Anders als beim "großen" Schlaganfall ist das betroffene Hirngefäß nur vorübergehend verstopft, so dass die Schlaganfall-typischen Symptome wie Schwindel, Lähmungen und Sprachstörungen meist nach wenigen Minuten wieder abklingen. Trotzdem gilt: Nehmen Sie die Symptome ernst! Auch wenn eine TIA zunächst folgenlos bleibt,  sollten Sie reagieren und so schnell wie möglich eine Klinik aufsuchen. Hier werden gründliche ärztliche Untersuchungen erfolgen und eine präventive Therapie gegen Schlaganfall eingeleitet. Denn TIA-Patienten haben ein stark erhöhtes Risiko, dass beim nächsten Mal die Gefäßverstopfung nicht nur vorübergehend ist, so dass ein folgenschwerer ausgeprägter Schlaganfall droht. Mit rechtzeitiger Medikamentengabe kann man diese Gefahr verringern.

Ein Schlaganfall kann jeden Menschen treffen, unabhängig von Geschlecht und Alter. Allerdings steigt das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, je älter man wird. Wichtig ist natürlich auch, dass Sie die Risiken für einen Schlaganfall möglichst schon im Vorfeld verringern. Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist der Bluthochdruck. Man geht heute davon aus, dass ein Blutdruck, der dauerhaft bei oder über 140/90 mmHg liegt, behandlungsbedürftig ist. Andere beeinflussbare Risikofaktoren sind die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern), Rauchen und erhöhte Blutfettwerte. Auch ein großer Alkoholkonsum, starkes Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen die Anfälligkeit für einen Schlaganfall. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, darüber, was Sie tun können, um Ihr Schlaganfall-Risiko zu reduzieren.

„Time is brain“ heißt das Motto bei den ersten Anzeichen auf einen Schlaganfall: Schnelles Handeln schützt das Gehirn. Beherzigen Sie diesen Spruch und prägen Sie sich die Notfallnummer 112 ein, damit Sie im Verdachtsfall für sich und andere schnell Hilfe organisieren können.

Hier befinden sich Stroke Units, das heißt Schlaganfall-Zentren, in Rheinland-Pfalz: 
Alzey, Asbach, Bernkastel/Wittlich, Idar-Oberstein, Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Meisenheim, Trier und Worms. Auf der Homepage der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft unter www.dsg-info.de finden Sie unter dem  Menüpunkt „Stroke Unit“ die genauen Adressen.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 2069-0.

 

16.09. - 30.09.10

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl