Schmerztherapie und Pallitativmedizin

Wenn wir zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, sehen wir meist nur die eine Seite der Medizin. Nämlich, dass Ärzte dazu da sind, den Menschen wieder gesund zu machen. Aber es gibt auch die andere Seite, wenn es zum Ende des Lebens hingeht und die Ärzte „nur“ noch dazu da sein können, Schmerzen zu lindern und einen würdevollen Übergang zum Tod zu unterstützen.

Dieser Bereich wird oft von uns ausgeklammert, denn der Tod ist ein Tabu in unserer Gesellschaft und wir wollen möglichst wenig mit ihm zu tun haben. Das geht nicht nur den Patienten und Angehörigen so, sondern auch den Ärzten, denn sie haben es naturgemäß verinnerlicht, den Tod als Gegner ihrer Heilkunst anzusehen. Trotzdem müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie es am Ende unseres Lebens aussieht. Denn wenn wir es nicht selbst tun, besteht die Gefahr, dass letztendlich andere Menschen über die Art unserer Behandlung entscheiden oder gar vor Gericht über den mutmaßlich letzten Willen streiten. Viele Menschen stellen sich folgende Fragen: Wie wird es mit mir zu Ende gehen? Werde ich einmal zu Hause sterben können oder wird man mich ins Krankenhaus bringen? Werden vertraute Menschen bei mir sein können? Werde ich unerträgliche Schmerzen haben? Wird alles Mögliche gegen meine Schmerzen unternommen? Oder werde ich ohne Bewusstsein vor mich hindämmern?

So schwer solche Fragen auch sind, so gut ist es auch, ihnen nicht auszuweichen. Denn Tod und die eigene Sterblichkeit gehören mit zum Leben.

Vor allem die Aussicht, dass man selbst irgendwann hilflos da liegen könnte und mit sich machen lassen müsste, was man nie gewollt hätte, wäre wohl für jeden von uns beklemmend. Sie können sich davor schützen, indem Sie so schnell wie möglich in einer Patientenverfügung festlegen, was mit Ihnen geschehen soll, wenn durch einen Unfall oder eine Krankheit bedingt keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht.

Es gibt etwas, was die Ärzte jetzt trotzdem noch tun können. Dies bezeichnet man als „Palliativmedizin“: Sie umfasst therapeutische Maßnahmen, die nicht auf die Heilung einer Erkrankung, sondern auf die Linderung der durch sie ausgelösten Beschwerden ausgerichtet sind. Im Gegensatz dazu bezeichnet man übrigens die auf Heilung ausgerichteten therapeutischen Ansätze als kurativ.

Palliativmedizinische Betreuung kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Seit der Eröffnung der ersten deutschen Palliativstation im Jahr 1983 ist es in den letzten Jahren zu einem deutlichen Zuwachs an stationären und ambulanten Einrichtungen gekommen.

Zuerst allerdings begegneten viele Menschen solchen Einrichtungen sehr skeptisch: „Das ist eine reine Sterbestation, wer hier einmal liegt, kommt nicht wieder lebendig raus“, so lauteten die anfänglichen Reaktionen auf diese Palliativstationen. Mittlerweile aber würde niemand mehr, der einmal einen Angehörigen auf eine Palliativstation gebracht hat, sich so äußern. Denn die Palliativmedizin hat als oberstes Ziel, die Lebensqualität des Erkrankten zu verbessern. Dazu gehören die Erhaltung der Würde des Menschen, eine angemessene Schmerztherapie und Linderung anderer Symptome (Atemnot, Übelkeit) sowie eine psychische und spirituelle Betreuung. Um das zu erreichen, ist in der Palliativmedizin einiges anders als auf einer normalen Station. Die Angehörigen dürfen jederzeit kommen, ihre Mithilfe und Unterstützung ist sogar erwünscht und wird nicht etwa als störend angesehen. Sie werden ausgiebig aufgeklärt und einbezogen. Kennzeichnend ist weiterhin die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen, z. B. von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Seelsorgern, Ärzten und Krankenpflegern. Die Anwendung von alternativen Therapiemethoden ist gang und gäbe, wenn diese helfen, die Beschwerden zu lindern. Für die Sinnfragen und Ängste sind unter anderem Hospizhelfer – d. h. Sterbebegleiter – vor allen Dingen da, wenn die Patienten nicht alleine bleiben wollen. Möglich ist das alles u. a. deshalb, weil auf einer Palliativstation der Pflegeschlüssel sehr hoch ist, sodass es mehr Krankenschwestern und -pfleger als auf einer normalen Station gibt, die sich auch Zeit nehmen und für den Patienten einfach da sein können.

Was aber nicht zu einer Palliativmedizin gehört, ist eine aktive Sterbehilfe. Denn die ist in Deutschland absolut und ohne Kompromisse verboten, und zwar für jeden. Eine sehr gute palliative und hospizliche Versorgung eines todkranken Menschen macht in der Regel den Wunsch nach aktiver Strebehilfe hinfällig.

Was sollten Sie jetzt also tun? Zuerst ist es wichtig, dass Sie das Kapitel „Lebensende“ im Kreise der Familie oder Freunde überhaupt einmal thematisieren. Ihre Angehörigen oder eine vertraute Person sollten Bescheid wissen, was Sie für sich im Falle einer schweren Krankheit wünschen. Überlegen Sie, ob Sie dieser Person eine Betreuungsverfügung aushändigen möchten. Damit kann die vertraute Person Sie z. B. ohne bürokratische Hindernisse auf eine Palliativstation einweisen lassen, auch wenn Sie selbst momentan verwirrt, bewusstlos oder gar komatös sind. Mit einer Patientenverfügung legen Sie fest, was mit Ihnen geschehen soll, wenn Sie todkrank sind, sich aber nicht mehr äußern können. Patienten- und Betreuungsverfügung erhalten Sie bei der Landesärztekammer. Entweder auf der Homepage der Landesärztekammer Rheinland-Pfalzhttp://www.laek-rlp.de/ unter „Service für Patienten“, oder schriftlich mit einem frankierten Rückumschlag unter Postfach 29 26, 55019 Mainz.

 

 01. bis 15. August 2007 aktualisiert am 3.5.2011

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Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl