Gluten-Unverträglichkeit. Wenn Brot krank macht

„Unser täglich Brot gib uns heute“ – so heißt es in einem Gebet. Brot ist ein Synonym für Ernährung und vom täglichen Speiseplan fast nicht mehr wegzudenken. Doch immer mehr Menschen müssen ohne Brot auskommen. Sie vertragen einen Bestandteil nicht, der in allen gängigen Sorten enthalten ist: das Gluten. 

 Gluten ist ein Sammelbegriff für Klebereiweiße im Getreide, die dem Brotgetreide seine Backfähigkeit geben. Sie sind in allen Brotgetreidearten enthalten, allerdings in unterschiedlichen Mengen und Zusammensetzungen, weshalb verschiedene Brotarten unterschiedlich gut vertragen werden. Verträgt man Gluten nicht, wird dies als "Glutenunverträglichkeit" bezeichnet. Kommt es zu einem richtigen Krankheitsbild spricht man von "Zöliakie". Zudem gibt es noch den älteren Begriff „einheimische Sprue“, der meist für die Erkrankung bei Kindern benutzt wird.

Die Glutenunverträglichkeit beginnt damit, dass bestimmte Enzyme im Magen und Zwölffingerdarm die Glutenbestandteile nicht aufspalten können. Diese gelangen zu großen Teilen unverdaut in den Dünndarm, wo sie Immunreaktionen und Entzündungsprozesse hervor rufen, was zu einer Schädigung der Darmschleimhaut führt. Im Laufe der Zeit bilden sich die Darmzotten zurück und die Verdauungsenzyme werden weniger – wie etwa die Laktase, die zur Spaltung von Milchzucker gebraucht wird. Unbehandelte Zöliakiepatienten leiden fast immer auch unter einer Milchzucker-Unverträglichkeit, auch Laktose-Unverträglichkeit genannt.

Bei einer Zöliakie wird die Aufnahmefläche für Nahrungsbestandteile kleiner. Es drohen Mangelerscheinungen, wie etwa durch zu wenig Eisen. Die sogenannte Blutarmut oder Eisenmangelanämie kann also ihre Ursache in einer Glutenunverträglichkeit haben. Vitamin B12, Folsäure, Vitamin K, Magnesium und Zink werden meist schlechter aufgenommen, ebenso Nährstoffe wie Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Oft kommt es zu Blähungen und einem aufgetriebenen Bauch, weil im Darm verbleibendes Eiweiß anfängt, zu faulen. Durchfall, Erbrechen und Appetitlosigkeit sind weitere Anzeichen , ebenso wie Müdigkeit, Leistungsabfall und Stimmungsschwankungen. Schäden an Herz, Schilddrüse und Bauchspeicheldrüse können ebenfalls mit der Zöliakie einhergehen. So sieht man die Zöliakie heute als „systemische Erkrankung“ und nicht mehr nur als chronische Darmentzündung.

Die Ursache der Glutenunverträglichkeit liegt wahrscheinlich in einer genetischen Veranlagung. Beim Ausbruch der Krankheit spielen höchstwahrscheinlich Infektionen eine Rolle, so etwa eine Pilzerkrankung mit dem Erreger Candida albicans, eine Erkrankung der Atemwege oder bestimmte virusbedingte Durchfallerkrankungen. Durchschnittlich dauert es zehn Jahre, bis bei einem Erwachsenen Zöliakie diagnostiziert wird. Zwar ist sie den Kinderärzten als typische Kindererkrankung gut bekannt, vor allem, da sie bei Wachstumsstörungen und Durchfällen zur Routineabklärung gehört. Mit der Pubertät wächst sie sich in manchen Fällen aus –  trotzdem gibt es genügend erwachsene Betroffene.  

Zur Diagnose dient ein Antikörperbluttest, zur Absicherung folgen Gewebeentnahmen aus dem Zwölffingerdarm, die mittels einer Kamerasonde über Mund, Speiseröhre und Magen vorgenommen werden. Der Eingriff ist ungefährlich und dauert ca. 10 bis 15 Minuten. 

Wenn Sie die Diagnose Zöliakie erhalten, sind folgende Tipps für Sie ganz wichtig:

  • Beginnen Sie mit einer glutenfreien Ernährung. Vor allem Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste sind nicht erlaubt. Ihr Arzt wird Ihnen mitteilen, was Sie essen dürfen. Hafer ist für viele Betroffene recht gut verträglich, eine generelle Empfehlung dafür gibt es jedoch nicht. 
  • Wenn Sie unter einer milderen Form der Glutenunvertäglichkeit leiden kann es sein, dass Sie in geringen Mengen weiterhin Brot essen dürfen. Meiden Sie in diesem Fall lockeres luftiges Brot, dem meist zusätzliches Gluten beigegeben wurde. 
  • Nach wenigen Tagen glutenfreier Ernährung tritt meist eine Besserung ein, die Zeit bis zur Beschwerdefreiheit ist jedoch unterschiedlich. Wichtig ist auch dann: Brechen Sie die glutenfreie oder glutenreduzierte Ernährung nicht ab! 
  • In Reformhäusern und auch in Supermärkten gibt es glutenfreies Brot. 
  •  Auch Bier – der sogenannte Gerstensaft – enthält Gluten, weshalb Sie es meiden sollten.
  • Achtung vor Kosmetika. Auch eine Bodylotion kann Gluten enthalten, das über die Haut aufgenommen wird und nach dem Eincremen zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann.
  • Ist nach drei bis sechs Monaten glutenfreier Ernährung keine eindeutige Besserung eingetreten, sollten Sie sich auf zusätzliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder andere Darmerkrankungen untersuchen lassen. 

Viele Tipps erhalten Sie von der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie in Stuttgart: Telefon: 0711 459981-0, Internet: www.dzg-online.de.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl-Rüther

 

01.-15. Dezember 2011