Vorsicht Vitamine?! Was es bei Vitaminpräparaten zu beachten gibt

Vitamine sind sozusagen in aller Munde. Gerade jetzt, wo uns der Winter wieder nasskalt im Griff hat, laufen die Empfehlungen auf Hochtouren, unser Immunsystem zu stärken. Viele Menschen wählen dazu künstliche Vitamine. Diese sollen die Vitalität steigern, die Blutfettwerte ausbalancieren, allgemein für Ausgeglichenheit sorgen oder einem vermeintlichen Vitaminmangel vorbeugen.

Fast ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland nimmt Vitaminpräparate ein. Über 900 Millionen Euro gaben sie im Jahr 2010 dafür aus. „Vitaminpräparate sind das Lebenselixier schlechthin“, sagen die einen. „Vitaminpräparate sind unnötig, aber zumindest harmlos“, sagen die anderen. Ärzte und Medizinexperten allerdings warnen seit Jahren, dass Vitamine, vor allem in hochdosierter Form, schädlich sind. 
Zunächst sind Vitamine in der Tat lebenserhaltend, wie es auch schon an der Silbe "Vita" – der lateinische Begriff für Leben – erkennbar ist. Vitamine sind essentielle Wirkstoffe, die vorwiegend von Pflanzen gebildet und nicht oder nicht ausreichend vom menschlichen Körper selbst hergestellt werden können. Wir müssen sie mit der Nahrung zuführen. Die bekannteste Auswirkung eines Vitaminmangels ist die Seefahrerkrankheit Skorbut. Durch einen Mangel an Vitamin C wird das menschliche Bindegewebe geschädigt, die möglichen Auswirkungen sind Blutungen, Zahnfleischrückgang und Entzündungen. Mit der Entdeckung, dass ein fehlendes Vitamin diese tödliche Krankheit verursacht, begann der Siegeszug der kleinen Helfer.

Trotz einiger Studien in den vergangen Jahren, die belegen, dass künstlich zugeführte Vitamine schädlich sind, hat sich diese Erkenntnis noch nicht allgemein durchgesetzt. Wir nennen Ihnen hier einige Beispiele, wann Vitaminpräparate schädlich sind:

  • Die Einnahme von Betacarotinen, die im Körper zu Vitamin A umgebaut werden, sollte Raucher vor Lungenkrebs schützen. Dies wurde mit der antioxidativen Wirkung begründet. Eine erste Studie dazu aber zeigte bereits 1994: Die Einnahme von Betacarotinen lässt die Fälle von Lungenkrebs um 18 Prozent ansteigen, und die Zahl der Todesfälle um acht Prozent. Heute ist die Einnahme von Betacarotin bei Rauchern kontraindiziert, das heißt, es wird davon abgeraten.
  • Gefährlich werden kann auch Vitamin E. Es wurde lange Zeit ebenfalls als Antikrebsmittel gehandelt. Aber auch dieses Vitamin lässt bei Rauchern und Nichtrauchern die Gefahr von Lungenkrebs steigen. Zudem haben Männer ab 55 Jahren, die Vitamin E regelmäßig einnehmen, ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.
  • Auch Vitamin D, als Heilmittel gegen Osteoporose entdeckt, weist Nachteile auf: In einer Studie mit Frauen über 70 Jahren bekamen die Teilnehmerinnen hochdosiertes Vitamin D zur Osteoporose-Vorsorge. Doch sie erlitten häufiger Knochenbrüche nach einem Sturz als diejenigen, die nur ein wirkungsloses Placebo erhalten hatten.

„Die Materie ist kompliziert“, meint Sanitätsrat und LZG-Vorsitzender Dr. Günter Gerhardt. „Unsere Bevölkerung leidet sicher nicht an einem Vitaminmangel, denn in unserer Nahrung sind meistens genügend Vitamine vorhanden. Wer sich sinnvoll ernährt, wird also ausreichend damit versorgt. Die Verschreibung von Vitaminen gehört in die Hände eines Arztes!" Generell hält er die unkontrollierte Einnahme der Vitamine ADEK – also A, D, E und K für gefährlich. Aber er weist darauf hin, dass es auch Mangelerscheinungen gibt, vor allem durch Vitamin D. Bei Beschwerden und einem im Blut nachgewiesenen Mangel muss dieses Vitamin zugeführt werden. Außerdem können einige Menschen die fettlöslichen Vitamine ADEK vom Darm schlecht ins Blut abgeben. Gerade nach der Diagnose einer solchen Resorptionsstörung müssen Vitamine gegeben werden, evtl. sogar als Spritze und in ausreichender Dosierung. Unbestritten wichtig ist es auch, dass Schwangere Folsäure einnehmen und dass Kleinkinder Vitamin D erhalten. Hingegen ist das als ungefährlich geltende Vitamin C beispielsweise für Menschen mit Niereninsuffizienz sehr wohl schädlich.

Und jetzt noch eine Empfehlung für diejenigen, die Vitamine vom Arzt verschrieben bekommen haben: Wer die Einnahme an einem Tag vergisst, darf nicht am nächsten Tag die doppelte Menge einnehmen. Ein Grund dafür ist, dass man nur eine bestimmte Menge an Vitaminen pro Tag auf-nehmen kann. Einen „gesunden“ Vitaminhaushalt haben Sie am ehesten, wenn Sie sich gesund und ausgewogen ernähren – in Form von bunten Mahlzeiten, mit vielen unterschiedlichen Obst-  und Gemüsesorten.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

 

01. bis 15. Februar 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker