Achtung Allergiker: Die Pflanze Ambrosia breitet sich aus!

Herbstzeit ist Gartenzeit: Während wir uns bei herbstlichem Sonnenschein oder einigermaßen angenehmen Temperaturen draußen aufhalten, nutzen die meisten auch die Gelegenheit, ihren Garten winterfest zu machen. Wenn wir die Beete durchjäten, damit das Unkraut nicht aussamt, kann es gut sein, dass uns eine fremde und eigentlich sehr schöne Pflanze begegnet, die im Spätsommer und Herbst blüht: die Ambrosia, korrekt als Beifußblättriges Traubenkraut oder Ambrosia artemisiifolia bezeichnet.

Und so schön sie auch ist – sie ist auch gefährlich! Denn die Pollen des Traubenkrauts gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern überhaupt.

Bereits ein Viertel bis ein Zehntel der sonst üblichen Pollenzahl reicht aus, um bei sensibilisierten Menschen Heuschnupfensymptome hervor zu rufen – wie etwa Fließschnupfen oder Bindehautentzündung bis hin zu Asthma. Die Pollen der Ambrosia sind auch dazu in der Lage, bei den Menschen allergische Reaktionen hervorzurufen, die bislang davon verschont geblieben sind. Wenn Sie also jetzt im Herbst plötzlich mit Heuschnupfensymptomen zu kämpfen haben, sollten Sie auch an die Ambrosia denken.

Die Pflanze hat ihre Heimat in Nordamerika. Doch seit Anfang der 1990-er Jahre werden zunehmend Bestände in Deutschland gemeldet. Offenbar gelangt der Samen mit verunreinigtem Vogelfutter zu uns und ist daher im Umkreis von Vogelfutterplätzen verbreitet. Optimale Lebensbedingungen findet die Ambrosia auch auf Brachland, sie fühlt sich zudem auf Feldern mit Mais oder Sonnenblumen wohl. Das rheinland-pfälzische Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung informiert auf seiner Homepage, dass sich die Pflanze seit einigen Jahren in Deutschland immer weiter ausbreitet. Einer der Gründe könnte demnach in den klimatischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und der damit einhergehenden milderen Witterung liegen. Im Zuge des Klimawandels könnte sich die Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie noch deutlich verstärken. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten in Rheinland-Pfalz hat im Internet ein Melderegister eingerichtet, in welches Bürgerinnen und Bürger ihre Fundorte selbst eintragen können. Das Melderegister dient dazu, die Ambrosia-Bestände möglichst sofort zu bekämpfen, bevor sie sich in einer Region weiter ausbreiten und eine Entfernung dann nur noch schwer möglich ist. Den Link zum Melderegister finden Sie unten in der  Linkliste an zweiter Stelle.

Damit Sie die Pflanze erkennen können, beschreiben wir sie hiermit kurz: Die Ambrosia besitzt zwei verschiedene Arten von Blüten. Die männlichen Blüten befinden sich an einer aufrechten Ähre von fünf bis zehn cm Länge, also wie bei einem Getreide. An der Ambrosia-Ähre aber hängen Gebilde wie kleine Glöckchen, an denen grün-gelbliche Blüten sitzen. Die weiblichen Blüten sind versteckter, sie bilden knubbelartige Häufchen an den Blattachseln. Die Blätter sind grün, sie sitzen an langen Stilen, sind doppelt bis dreifach eingerissen und nicht behaart. Die Wuchshöhe variiert meist zwischen zehn und 90 Zentimetern. Dies sind jetzt sehr anschauliche Beschreibungen, da wahrscheinlich den wenigsten von Ihnen die botanischen Begriffe geläufig sein dürften.

Wenn Sie eine solche Pflanze in Ihrem Garten bemerken, entfernen Sie sie bitte! Reißen Sie jede der Pflanzen mitsamt Wurzel aus. Wenn Sie Allergiker sind, bitten Sie jemand anderen darum. Tragen Sie Handschuhe und in der Blütezeit einen Mund- und Nasenschutz, damit Sie die Pollen nicht einatmen. Die Pflanze gehört nicht auf den Kompost, sondern in einer Tüte in den Hausmüll. Sinnvoll ist es, den Garten regelmäßig auf Ambrosia zu kontrollieren. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund rät zudem, kein Vogelfutter zu kaufen, das Ambrosia-Samen enthält. Es gibt zwar noch kein Siegel „ambrosiafrei“, wenn man jedoch Vogelfutter aus deutschem Anbau kauft, ist die Gefahr der Verseuchung recht gering.

Wer unter einer Ambrosia-Allergie leidet, sollte – wie andere Pollenallergiker – mit modernen, nicht müde machenden Antihistaminika und bei Bedarf mit Kortikoid-Nasensprays behandelt werden. Zusätzlich ist auch eine Desensibilisierung möglich.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund.

Und nun zum Abschluss noch ein paar hilfreiche Links:

Arten-Porträt Beifußblättriges Traubenkraut auf der Seite von Pollichia e.V.: www.flora-rlp.de

ArtenFinder Service-Portal, hier können Sie nach Einrichtung eines Accounts Ihre Ambrosia-Funde eingeben: www.artenfinder.rlp.de oder per E-Mail melden an ambrosia(at)flora-rlp.de.

Online-Plattform des Ministeriums

Vorkommen der Ambrosia in Rheinland-Pfalz

Deutscher Asthma- und Allergikerbundhttp://www.daab.de/

Ambrosia-Infos für Allergiker

Info-Broschüre aus NRW zur Pflanze

Weitere Info-Seite Beifuß Ambrosie

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner  
Redaktion: Marielle Becker

 

16. bis 31. Oktober 2014

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Fotos zu Ambrosia (Beifußblättriges Traubenkraut): 
(Quelle: Pollichia e.V. / O. Röller)