Damit das Haustier nicht für die Katz‘ ist: Achten Sie auf Allergien!

Viele Menschen können sich ein Leben ohne Haustiere nicht vorstellen. Ihnen fehlt einfach etwas, wenn sich kein süßer Hund schwanzwedelnd auf sie freut oder die Katze schnurrend um ihre Beine streicht. Haustiere sind aus vielen weiteren Gründen zu begrüßen. Der entspannte Umgang mit ihnen hilft, Stress und Aggressionen abzubauen. Weil man sich um Haustiere kümmern muss, wird schon bei Kindern das Verantwortungsgefühl trainiert.

Auch die gesundheitlichen Parameter verbessern sich, insbesondere bei Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern. Denn es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als bei Wind und Wetter nach Draußen zu gehen – was dem Gewicht, dem Blutdruck und dem gesamten Stoffwechsel gut tut.

Doch nicht alle Menschen können unbeschwert mit einem Haustier zusammen leben. Sie reagieren mit allergischen Symptomen, wie Unwohlsein, Niesen, Husten bis hin zu Asthma, in seltenen Fällen auch mit Juckreiz oder Hautausschlag. Ihnen macht das von den Tieren abgesonderte Eiweiß zu schaffen, das sich in Haaren, Hautschuppen, Speichel oder Urin befindet. Meist gelangen diese Allergene in Staubform in unsere Atemwege. Am häufigsten reagieren wir auf die von Katzen stammenden Allergene. Die Allergene eines Pferdes oder kleiner Nagetiere, also Meerschweinchen und Co., wiederum wirken am stärksten. Eine Hundehaarallergie verläuft meist vergleichsweise glimpflich ab.

Bislang galt der strikte Leitsatz: Wer bemerkt, dass er unter einer Tierhaarallergie leidet sollte sich von seinem geliebten Haustier trennen und sich künftig von jeder Art von Haustier fernhalten. Hier findet allerdings gerade ein Umdenken statt. Denn es gilt abzuwägen, ob die durch Allergien erscheinenden Effekte tatsächlich imstande sind die ausbleibenden positiven Eigenschaften, die ein Haustier mit sich bringt, aufzuwiegen. Viele Allergologen, die selbst ein Haustier haben, ermuntern ihre Patientinnen und Patienten dazu, nach Wegen zu suchen, um gesund mit dem Tier zusammen leben zu können. Der erste Schritt bei neu auftretenden Symptomen sollte eine Testung in einer Hautarztpraxis sein. Bei einem Pricktest zum Beispiel werden standardisierte Allergenlösungen in Tropfenform auf die leicht angeritzte Haut aufgebracht. Aber auch ein Provokationstest oder eine spezielle Blutuntersuchung können Aussagen über eine Sensibilisierung gegen bestimmte Stoffe ermöglichen. Zu bedenken ist übrigens auch die Möglichkeit, dass Allergiesymptome nicht nur direkt durch den Kontakt zu einem Tier, sondern etwa durch Katzen- oder Vogelstreu oder Hundefutter ausgelöst werden können.

Wer gegen einen Hund allergisch ist, muss nicht zwangsläufig gegen alle Hunde allergisch sein. Jeder Hund produziert eine individuelle Eiweißmischung, auf die ein Mensch allergisch reagieren kann oder auch nicht. Dies hat auch weniger mit der Rasse der Tiere zu tun, zeigen Tests an männlichen und weiblichen Tieren von 34 Rassen. Ein Mensch kann daher gegen Dackel Waldi allergisch sein, während Dackel Struppi keine Symptome auslöst. Bei Katzen scheinen diese Unterschiede weniger ausgeprägt zu sein. Beobachtungen haben allerdings ergeben, dass vor allem unkastrierte Kater die meisten Allergene absondern. Nach dem Kastrieren der Kater oder bei weiblichen Katzen machen sich beim Menschen schwächere Symptome bemerkbar.

Bei nur schwach ausgeprägten Allergiesymptomen ist es auch hilfreich, den Depots der Allergene auf den Leib zu rücken, das heißt vor allem Textilien wenn möglich zu eliminieren oder zumindest regelmäßig zu reinigen. Anstelle von Teppichen oder Teppichböden sind Fliesen oder Laminat ein besserer Bodenbelag und Polstermöbel werden durch Leder- oder Kunstledermöbel ersetzt. Außerdem sollten regelmäßig Wände, Decken, Laken, Vorhänge und Kissen gereinigt werden. Aus dem Schlafzimmer sind Haustiere am besten zu verbannen. Empfehlenswert ist auch ein Staubsauger mit hoher Filterleistung, der die Allergene nicht wieder in die Luft wirbelt sondern aufsaugt. Ein Luftfilter kann helfen, die Luft von Allergenen zu säubern. Desweiteren ist zu beachten, dass betroffene Personen das Bürsten und Waschen des Haustieres einer anderen Person überlassen sollten, die nicht empfindlich reagiert. Nicht zuletzt gibt es Medikamente, die das Zusammenleben zwischen Tier und Mensch bei einer leichten Allergie angenehmer machen. Nasensprays oder Antihistaminika etwa können helfen und sollten vom Allergologen oder der Allergologin verordnet werden.

Gegen Katzenallergene gibt es mittlerweile eine Therapie in Form einer Hyposensibilisierung. Dabei bekommen betroffene Menschen über einen regelmäßigen Zeitraum hinweg eine Spritze mit einer kleinen Dosis des allergieauslösenden Stoffes verabreicht. Am Ende der Therapie sollte sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnt haben und nicht mehr überempfindlich reagieren. Ärzte raten allerdings, sich während einer Hyposensibilisierung von dem Stubentiger zu trennen. Zu vermeiden sind zudem andere Reizstoffe für die Atemwege, wie Tabakqualm oder Autoabgase.

Wenn Sie als Tierfreund oder Tierfreundin eine bekannte Veranlagung für Allergien haben und jetzt wieder Hoffnung schöpfen, mit einem Haustier zusammen leben zu können, so bitten wir Sie dennoch, sich vor Anschaffung eines Haustieres Rat bei Ihrem Allergologen beziehungsweise Ihrer Allergologin einzuholen. Denn nur er oder sie kann die Schwere Ihrer Krankheitssymptome richtig einschätzen.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Homepage des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. 

Beitrag einer Tierrechtsorganisation, der medizinische Studien zitiert.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker

01. bis 15. Februar 2015