Behalten Sie schönen frischen Atem

Ein Tabu – Mundgeruch! Über Halitosis, wie unser Thema medizinisch heißt, spricht man nur ungerne. Umso schöner, dass Sie trotzdem angerufen haben. Denn um es gleich zu sagen: Von einem nicht frischen Atem kann man kuriert werden. Allerdings nur, wer weiß, dass er dieses Problem mit sich herumträgt. Es zu erkennen, ist jedoch gar nicht so einfach. Denn kaum ein Mitmensch wird es einem auf die Nase binden, wenn der Atem nicht neutral oder gut riecht.

Für das Problem gibt es sogar mindestens einen prominenten Leidensgenossen. Nämlich den Sonnenkönig Louis XIV. Er hatte schlechte Zähne, viele Zahnlücken, darin wohl viele Speisereste und entsprechende Gerüche. Sein Hofstaat wird es kaum gewagt haben, ihn darauf anzusprechen. Und als Betroffener merkt man es nicht. Das Phänomen heißt Adaption, oder Gewöhnung. Wir haben die Fähigkeit, uns mit der Zeit an üble Gerüche zu gewöhnen, vor allem wenn sie langsam entstehen oder wir ihnen permanent ausgesetzt sind. Bitten Sie deshalb einmal einen vertrauten Menschen, Ihnen zu sagen, wie Ihr Atem riecht. Machen Sie deutlich, dass Sie es wirklich wissen wollen. Kindern fällt es übrigens meist leichter, ehrlich zu sein.

Wenn Ihnen bescheinigt wird, dass Ihr Atem nicht neutral und nicht frisch riecht, dann besorgen Sie sich als erstes in einem Drogeriemarkt die folgende Ausstattung: Zungenbürste, Zahnseide und bei der Gelegenheit auch eine neue Zahnbürste. Nach dem gründlichen Zähneputzen nehmen Sie sich die Zahnzwischenräume vor, indem Sie sie mit der Zahnseide reinigen. Oft ist man erstaunt, was sich hier alles vor der Zahnbürste verbergen konnte. Durch die Bakterien, die sich natürlich auch in den Zahnzwischenräumen ungestört ansiedeln, kommt es zu Umwandlungsprozessen, die nicht unbedingt angenehm riechen. Anschließend nehmen Sie den Zungenreiniger und wenden ihn an Ihrer Zunge an. Er besitzt oft auf der einen Seite ein Bürstchen und auf der anderen Seite einen Schaber. Zuerst wird gebürstet und dann geschabt, immer von hinten nach vorne. Machen Sie dies mehrmals. Die Zunge sollte jetzt schön sauber und rot sein. Spülen Sie den Mund mit reinem Wasser durch. Mundwasser übrigens wird von Zahnärzten nur eingeschränkt empfohlen, weil es auch gute Mundbakterien tötet. Mit diesem Prozedere haben Sie schon die häufigsten Ursachen für Mundgeruch schnell und gefahrlos beseitigt.

Kann Ihnen nun Ihre vertraute Person immer noch nicht zu einem reinen Atem gratulieren, dann sind Ärzte gefragt: der Hals-Nasen-Ohrenarzt, Zahnarzt und Internist.

Der Hals-Nasen-Ohrenarzt, kurz HNO, schaut sich Hals und Nase vor allem auf Entzündungen an. Es kann eine Mandelentzündung vorliegen, eine Stirnhöhlenvereiterung, oder eine Entzündung im Mundraum, die durch Herpes-Viren verursacht wird. Im Einzelfall können auch Zysten oder Geschwulste da sein. Auf jeden Fall ist hier die Halitosis, ein Warnsignal. Wenn die dahinter stehende Krankheit geheilt wurde, ist auch der Atem wieder tadellos.

Gibt der HNO-Arzt grünes Licht, dann lassen Sie sich vom Zahnarzt Ihre Zähne betrachten. Er kann eventuell kariöse Stellen oder Zahnfleischentzündungen finden. Eventuell sind die bakteriellen Zersetzungen die Ursache der Halitosis. Es können auch Zahnfleischentzündungen oder abgestorbene Zähne sein. Nicht immer sieht man selbst so genau, was im eigenen Mund vor sich geht. Von daher ist ein regelmäßiger Zahnarztbesuch generell anzuraten.

Als Dritter auf Ihrer Ärzteliste steht der Internist. Früher dachte man, der schlechte Geruch würde generell aus dem Magen aufsteigen. Das stimmt nicht, aber ein Magengeschwür führt tatsächlich zu einem sauren Geruch. Da heute mit den neuen Medikamenten Magengeschwüre gut behandelt werden können, tritt diese Ursache nur noch selten auf. Häufigere internistische Ursachen sind Krankheiten an der Lunge oder auch eine Schädigung der Speiseröhre durch Sodbrennen. Dies alles aber erkennt Ihr Internist. Sollte er einen Acetongeruch feststellen, der an Nagellackentferner erinnert, kann er einen schlecht eingestellten oder nicht erkannten Diabetes vermuten.

Abgesehen von den genannten Ursachen gibt es auch Erklärungen in den Lebensgewohnheiten. Wenn Sie viel durch den Mund atmen oder schnarchen, sind Sie hier gefährdet. Denn dies trocknet die Mundschleimhaut aus, was einen Mundgeruch fördert. Ein reichlicher Speichelfluss ist daher in gewisser Weise auch ein Mittel für einen guten Atem.

Sehr oft sind auch Ernährungsgewohnheiten die Übeltäter, vor allem Knoblauch, Zwiebeln, Lauch, deftiger Käse. Und, was Raucher gar nicht gerne hören: Tabakrauch ruft einen speziellen Mundgeruch hervor, weil sich Tabakbestandteile auf den Schleimhäuten festsetzen. Viele haben dann die Idee, den Raucheratem mit einem Pfefferminzbonbon zu vertreiben. Doch die belegten Schleimhäute reichen die ganzen Atemwege bis in die Lungen hinunter, so weit reicht kein Pfefferminz.

Aber wie schon anfangs gesagt: Meist liegt die Ursache der Halitosis im Mundbereich: Reichliche Mundhygiene von Zähnen, Zahnzwischenräumen und Zunge löst in der Regel das Problem.

 

16. Mai - 31. Mai 2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl