Warum Diabetiker Sport treiben sollten

In Deutschland gibt es acht Millionen Diabetiker. Und es werden täglich mehr. Für das Jahr 2010 erwartet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits zehn Millionen Zuckerkranke. Woher kommt der Anstieg? Die Krankheit ist schließlich nicht ansteckend. Nein, Grund sind die Faktoren, die unser Lebensstil mit sich bringt. Dazu gehört vor allem auch: zuwenig Bewegung. Dies ist ein wichtiger Grund, warum bei einer erblich bedingten Anfälligkeit für Diabetes die Krankheit tatsächlich ausbricht.

 Warum das? Ein fitter Muskel hat die Fähigkeit, Zucker aus dem Blut schnell aufzunehmen. Schließlich will er daraus Energie für die Anstrengung gewinnen. Er hat außerdem die Fähigkeit, auf den Gebrauch von Fettsäuren umzuschalten, wenn der Zucker aus dem Blut aufgebraucht ist. Auf diese Weise können uns etwa die Beinmuskeln lange und zuverlässig tragen. Vier Millionen Jahre lang war diese Fähigkeit für die Menschen lebenswichtig. Aber in den letzten Jahrzehnten hat sich unser Lebensstil drastisch geändert. Und plötzlich ist die Ausdauer der Muskeln nicht mehr so gefragt, da wir uns so gut wie überallhin ohne Anstrengung bringen lassen können. Was aber nicht gebraucht und trainiert wird, das verkümmert. So z. B. die Insulinrezeptoren an den Muskelzellen. An diesen dockt das Insulin an, damit die Muskelzellen aufgeschlossen und Zucker hineintransportiert werden kann. Der Zucker schwimmt also weiter im Blut, er verzuckert und verklebt es. Die Bauchspeicheldrüse löst daraufhin den Befehl aus, noch mehr Insulin zu produzieren. Das Organ verausgabt sich dabei regelrecht und stellt irgendwann aus Erschöpfung die Insulinproduktion ein. Ab diesem Moment hat kein noch so kleines Zuckerteilchen eine Chance, auf natürlichem Wege in die Muskelzellen zu gelangen. Und der Mensch ist zum insulinpflichtigen Diabetiker geworden.

Doch das ist keine zwangsläufige Entwicklung. Bis es soweit kommt, hat jeder Mensch sein Schicksal zu einem großen Stück noch selbst in der Hand. Denn regelmäßige körperliche Betätigung kann das Auftreten des Typ-2-Diabetes verhindern, da bei trainierten Muskeln die eben beschriebene Entwicklung vermieden wird.

Sport, in Kombination mit einer gesunden und etwas sparsameren Ernährung, kann sogar eine schon ausgebrochene Zuckerkrankheit wieder zurückdrängen. Dies hat beispielsweise das Projekt „D-Run“ unter der fachlichen Leitung der Uniklinik Mainz gezeigt. Dabei trainierten zehn übergewichtige Diabetiker vier Monate lang mit Deutschlands erfolgreichstem Hürdenläufer, Dr. Harald Schmid. Zudem änderten sie unter Anleitung ihre Ernährung. Nach nur vier Monaten waren sie so fit, dass sie bei einer offiziellen Laufveranstaltung den Halbmarathon mitlaufen konnten. Und die Typ-2-Diabetiker hatten außerdem noch ihre Blutzuckerwerte deutlich verbessert.

Sport ist also ein wichtiger Faktor, um Diabetes vorzubeugen, bzw. um bereits überhöhte Blutzuckerwerte ganz ohne Medikamente und Insulin zu reduzieren. Dies funktioniert allerdings nur, solange die Bauchspeicheldrüse noch selbst Insulin produziert.

Allerdings ist Sport auch für Menschen segensreich, deren Bauchspeicheldrüse kein Insulin produziert, sei es bei einem späten Typ-2-Diabetes, oder bei einem Typ-1-Diabetes. Sie können mit Sport ihre Risiken für Langzeitfolgen wie etwa Augen- und Nierenprobleme verringern.

Und so lautet das etwas verallgemeinerte Motto: Treiben Sie Sport, weil Sie Diabetes Typ 2 haben. Und treiben Sie Sport, obwohl Sie Diabetes Typ 1 haben.

Beachten Sie dabei die folgenden Hinweise: 

  • Nutzen Sie jede Möglichkeit von Muskelarbeit, die sich Ihnen bietet. Nehmen Sie Treppen statt Aufzug, gehen Sie in der Stadt kürzere und auch längere Strecken zu Fuß, anstatt sich ins Auto zu setzen oder auf den Bus zu warten – auch bei schlechtem Wetter.
  • Wenn Sie mit Sport beginnen möchten, fragen Sie vorher Ihren Arzt. Er gibt Ihnen den Startschuss, nachdem er ein Belastungs-EKG gemacht hat. Auch auf die Füße und das Herz wird er achten. Wenn Sie grünes Licht erhalten, kann es losgehen mit dem Joggen, Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren. Mindestens zweimal in der Woche ein Ausdauertraining von je 30 Minuten sollte es sein.
  • Für Diabetiker mit blutzuckersenkenden Tabletten oder mit einer konventionellen Insulintherapie mit Mischinsulin gilt: Körperliche Bewegung senkt in der Regel den Blutzucker. Dies trifft auch für ganz alltägliche Dinge zu wie Hausputz, Gartenarbeit, Tanzen oder Kegeln. Essen Sie rechtzeitig „Sport-Broteinheiten (BE)“, bevor der Blutzucker absinkt. Auch Stunden nach dem Sport kann es noch zu einem Blutzuckerabfall kommen. Der Körper lernt allerdings, mit der Muskelarbeit umzugehen, und stellt auch während des Sports ausreichend Brennstoff zur Verfügung, indem er gespeicherten Zucker aus der Leber freisetzt.
  • Wie Ihr Körper genau auf den Sport reagieren wird, kann man vorab nicht sagen. Wichtig ist, dass Sie ein Gefühl für Ihre Blutzuckerwerte bekommen. Messen Sie daher regelmäßig den Blutzucker, wenn Sie mit Sport beginnen, und schreiben Sie die Werte auf. Moderne Geräte speichern sie auch selbständig. Auf diese Weise werden Sie zum Experten für sich selbst. 

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund! 

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl