Beine wie eine Landkarte - Therapie bei Krampfadern

Es ist Sommer, aber viele Frauen trauen sich nicht, einen Rock zu tragen. Stattdessen verstecken sie trotz Hitze ihre Beine unter langen Hosen. Warum lieber schwitzen als Bein zeigen? Der Grund für dieses Verhalten liegt in einem Leiden, das viele Menschen plagt, aber besonders für Frauen ein Problem ist: Krampfadern, auch Varizen genannt.

Bei diesem Leiden, dessen Vorstufe die noch relativ unauffällig auftretenden sogenannten Besenreiser sind, sind die Beinvenen erweitert, so dass die oben liegenden Venen sich knotig hervorwölben und sich über die Hautoberfläche schlängeln wie Flüsse auf einer Landkarte. Krampfadern sind ein Anzeichen dafür, dass der Blutrückfluss gestört ist, denn eigentlich soll in den Venen das verbrauchte Blut zum Herzen zurück transportiert werden. Allerdings muss das venöse Blut gegen die Schwerkraft von den Füßen nach oben ins Herz gelangen. Und dies ist nicht so leicht. Das Herz leistet Schwerstarbeit, indem es das Blut sozusagen ansaugt. Die Wadenmuskulatur unterstützt den Rücktransport des Blutes, denn jedes Mal, wenn sie sich  infolge einer Bewegung zusammenzieht, werden die Venen zusammengedrückt und das Blut dadurch nach oben geschoben. Eingebaute Klappen in den Venen halten das Blut auf, wenn es wieder nach unten fließen will. Der Zustand der Venenwände entscheidet mit darüber, ob der Rückfluss des Blutes zum Herzen problemlos gelingt. Sind die Venenwände ausgeleiert, schließen die Klappen nicht mehr richtig, das Blut sackt nach unten ab und staut sich dort. Krampfadern sind eine weit verbreitete Erkrankung, deren Auftretenswahrscheinlichkeit mit fortschreitendem Alter steigt und Frauen ca. dreimal häufiger betrifft als Männer. Frauen besitzen oft eine ererbte Venenwandschwäche, die durch das weibliche Hormon Östrogen noch verstärkt wird.

Krampfadern sind ein kosmetisches Problem, aber auch ein gesundheitliches. Die Venenwände werden irgendwann durch das gestaute Blut undicht und lassen die wässrigen Bestandteile des Blutes durchsickern. Man merkt das daran, dass die Beine schwer werden und sich Wasser in den Füßen, um die Knöchel und im Unterschenkel ansammelt. Passiert das häufiger, sollte man abends regelmäßig die Füße hochlegen, um den Venen den Rücktransport des Blutes zu erleichtern. Es besteht trotzdem die Gefahr, dass sich die Venen entzünden und dann Blutgerinnsel entstehen. Dies ist ein Risikofaktor für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sticht es zuweilen in der Ader und treten nachts Krämpfe auf, können dies erste Zeichen einer beginnenden Entzündung sein. Dann wird die Haut nicht mehr richtig mit Blut versorgt und wird anfällig für ein blutiges Geschwür, auch Ulcus cruris genannt.

Sie haben die Möglichkeit, den Krampfadern durch Ihr Verhalten gegenzusteuern. An erster Stelle hilft, mit Bewegung die Venenpumpe zu aktivieren und so den Blutrückfluss zu befördern. Dies gelingt Ihnen am besten mit Radfahren, Walken, Schwimmen, Tanzen oder Skilanglauf. Im Alltag sollten Sie öfter einmal das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen oder die Treppe nehmen statt mit dem Aufzug zu fahren. Bei stehenden Berufen oder auf langen Flügen sollten Sie Kompressionsstrümpfe tragen, denn diese pressen die Venen durch den Druck von außen zusammen. Auch Wechselduschen wirken vorbeugend. Sie führen zu einem unwillkürlichen Zusammenziehen und Erweitern der Blutgefäße und trainieren somit die Venenwandmuskulatur. Lange Sonnenbäder sollten Sie besser vermeiden.

Weiterhin spielt das Gewicht eine große Rolle. Wer viel auf die Waage bringt, bei dem ist oft der Blutrückfluss erschwert. Dies ist auch in der Schwangerschaft der Fall. Aber während die Krampfadern nach der Schwangerschaft meist von alleine wieder verschwinden, müssen Betroffene beim Übergewicht selbst aktiv werden.

Haben Sie Krampfadern oder sind Ihre Beine am Abend schwer und geschwollen, sollten Sie sich von einem Venenarzt – auch Phlebologe genannt – untersuchen lassen. Er misst zuerst den Fußpuls am Innenknöchel und auf dem Fußrücken, um eine arterielle Durchblutungsstörung ausschließen. Dann checkt er die Venen mit einem speziellen Ultraschallgerät und misst Strömungsgeschwindigkeit und -richtung des Blutes. Damit beurteilt er, wie ausgeprägt die Krampfadern sind und ob sich auch tiefere, unsichtbare Krampfadern oder gar ein Blutpfropf gebildet haben.

Zur Therapie genügt oft eine Verödung: In die Venen wird ein spezielles Mittel oder ein Schaum gespritzt, der die Gefäßwand zerstört und zum Umbau in normales Bindegewebe führt. Muss operiert werden, dann ist das sogenannte „Stripping“ üblich. Dabei wird eine Spezialsonde in die Krampfader bis zu deren Ende vorgeschoben. Die Vene wird oben und unten durchtrennt und herausgezogen. Weiterhin gibt es die Radiowellen-Technik. Dabei wird in die Vene ein dünner Elektroden-Katheter eingeführt. Die Radiowellen erzeugen Wärme, diese lässt die Krampfader schrumpfen. Nach dem Eingriff können Sie sofort aufstehen. Bei der Chiva-Methode schließlich verbleibt die betroffene Vene im Bein. Über winzige Schnitte wird die Krampfader hervorgezogen, abgebunden und wieder zurückverlegt. Die Kassen zahlen das operative Strippen, sowie das Veröden, wenn es medizinisch notwendig ist und nicht nur kosmetische Gründe hat.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 2069-0.

In unserem nächsten Gesundheitstelefon, ab 1. August 2010, geht es weiter mit dem Thema: „Keine Angst vor Darmspiegelung – Darmkrebsvorsorge kann Leben retten“. Bis dahin wünschen wir Ihnen einen schönen Sommer, in dem Sie sich viel bewegen sollten, denn das wird nicht nur Ihren Krampfadern gut tun.

 

16. bis 31. Juli 2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl