Sexualität im Urlaub

Ende des Monats ist es wieder so weit. Der große Sommerurlaub steht vor der Tür und damit die Erholung vom anstrengenden Alltags- und Berufsleben. Ganz gleich, mit welchen Erwartungen man in den Urlaub startet, bestenfalls kann er auch das Liebesleben bereichern – ob von Paaren oder Singles. Für Paare ist die Achtsamkeit ein wichtiger Aspekt einer guten Beziehung. Darauf achten, was der andere und was man selbst möchte.

Hören Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner wirklich zu und lassen Sie die Worte nicht nur vorbei rauschen. Im Alltag fällt das oft schwer, aber der Urlaub ist eine gute Gelegenheit, die Achtsamkeit in Ihrer Beziehung wieder aufleben zu lassen. Dies wirkt stabilisierend und hat auch einen positiven Effekt auf einen anderen Aspekt der Beziehung: die Intimität und Sexualität. Auch dies leidet oft im Alltag. Doch wenn Sie sich einfach wieder einmal Zeit füreinander nehmen, entsteht die Lust auf den anderen fast wie von selbst. Ein Tipp: Für viele Paare ist die Sexualität tagsüber schöner als abends, weil man dann noch frisch, fit und phantasievoll ist. Nehmen Sie sich die Freiheit, im Urlaub dann Ihrem Verlangen nachzugehen, wenn es sich einstellt. Die Tageszeit und das Tageslicht helfen Ihnen, den Sex zu einem besonderen Erlebnis zu machen.

Auch Singles können das bestätigen. Schneller als zuhause findet man am Strand oder in der Hotelbar Anschluss an andere Menschen. Denn schließlich bringt jeder Zeit mit in die Urlaubswochen und möchte sich erholen und gut unterhalten. Urlaubslieben können besonders intensiv sein – leider gehen sie aber zuhause oft schnell wieder vorbei. Doch das ist ein anderes Thema.

Heute möchten wir auf einen Gesundheitsaspekt beim Thema Sexualität eingehen: die Übertragung von Geschlechtskrankheiten – die es nach wie vor gibt. Dies belegen Zahlen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2010. Die Gefahren von Geschlechtskrankheiten werden unterschätzt und Urlaubsbekanntschaften haben einen großen Anteil daran.

Zu den häufigsten Ansteckungen zählen in Deutschland die Chlamydien-Infektionen – wobei die Erhebung nur berücksichtigte, wo die Krankheiten festgestellt wurden, und nicht, wo die Ansteckung stattfand. Gerade bei Frauen stellen die Infektionen mit Chlamydien häufig ein Problem dar, denn sie können in bis zu 80 Prozent ohne Symptome verlaufen. Die Infektion bleibt oft zunächst unbemerkt. Trotzdem können schwerwiegende gesundheitliche Probleme entstehen, zum Beispiel Unterleibsinfektionen und Unfruchtbarkeit. Aus diesem Grunde wurde im Jahr 2008 für alle sexuell aktiven Frauen unter 25 Jahren ein nationales Chlamydien-Screeningprogramm eingeführt. Dabei wird im Labor der Urin getestet, auch wenn keine Krankheitsanzeichen vorhanden sind.

Die humanen Papillomaviren stehen an zweiter Stelle der Ansteckungsliste. Sie sind ebenfalls vor allem auf lange Sicht schädlich, denn sie sind die Hauptursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Deswegen wird für Mädchen vor dem ersten sexuellen Kontakt eine Impfung gegen bestimmte Arten von Papillomaviren von der ständigen Impfkommission – STIKO – empfohlen und von den Krankenkassen bezahlt. Generell sollten alle Frauen regelmäßig zur Krebsvoruntersuchung gehen. Denn die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs kann der Frauenarzt über einen harmlosen Gewebeabstrich frühzeitig erkennen und schnell mit einer Operation reagieren.

Die Infektionszahlen für die Krankheiten Syphilis und HIV sind ebenfalls besorgniserregend hoch und steigen derzeit leicht an. Betroffen sind insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben. Bei Syphilis handelt es sich um einen Befall von Bakterien, die dazu imstande sind, langfristig Organe und Nervensystem zu zerstören. Die Krankheit ist behandelbar – im Gegensatz zu HIV. Hier führt ein Befall mit den auslösenden Viren zu einer dauerhaften Krankheit, die das Immunsystem zerstört. HIV ist nicht heilbar, auch wenn es mittlerweile Menschen gibt, die schon Jahrzehnte mit dieser Krankheit leben. Hier treffen Sie die beste Vorsorge so: Sex nur mit Kondom! Das schützt auch vor den anderen bereits genannten Krankheiten. Und ebenfalls vor Gonorrhö, auch Tripper genannt, sowie vor Trichomonas, den beiden letzten der häufigen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Generell gilt, dass auch behandelbare Geschlechtskrankheiten einen langfristigen gesundheitlichen Schaden hinterlassen können, denn sie bahnen oftmals den Weg für eine Infektion mit HIV und / oder Syphilis. Wichtig ist also: Schützen Sie sich durch den Gebrauch eines Kondoms. Und gehen Sie bei unbekannten Anzeichen wie Ausfluss, Jucken, Schwellungen und Rötungen im Geschlechtsbereich zum Arzt.

Damit wollen wir diese Aspekte der Sexualität für heute beenden und uns noch einmal den schönen Gesichtspunkten zuwenden. Denn generell gilt, dass Sexualität gesundheitsfördernd ist und die Stimmung hebt. Es werden Glückshormone gebildet, die dafür sorgen, dass man sich entspannt und gut fühlt. Andere Substanzen bringen den Kreislauf und das Immunsystem in Schwung. Und schließlich sorgt das während des Orgasmus bei Mann und Frau ausgeschüttete Prolactin für besonders antidepressive Stimmungen. Insofern: Genießen Sie Ihren Urlaub mit all seinen Möglichkeiten.

 

01.-15. Juni 2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl