Die Milch macht's – Was tun bei Laktose-Unverträglichkeit?

Milch ist gesund, so heißt es. Aber: Viele Menschen können Milch nicht vertragen. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung hat Schwierigkeiten, Milchzucker – auch Laktose genannt – zu verdauen. Die Betroffenen leiden nach dem Genuss von Milchprodukten und Käse oft unter Blähungen, Bauchbeschwerden, Übelkeit und Durchfall. Milchzucker ist ein Kohlenhydrat, das generell in der Milch von Säugetieren vorkommt.

Daher führt ein Wechsel zu Ziegen- oder Schafsmilch nicht zu einer Besserung der Beschwerden.

Die Verdauung von Milchzucker findet im Dünndarm statt. Hier wird normalerweise das Enzym Laktase gebildet, das den Milchzucker in seine verwertbaren Bestandteile aufspaltet. Fehlt das Enzym teilweise oder ganz, wird der Milchzucker weitgehend ungespalten in den Dickdarm weiterbefördert. Dort wird er von Dickdarm-Bakterien verdaut, was allerdings mit Beschwerden verbunden ist. Es entstehen Gase, die schmerzhafte Blähungen und Krämpfe verursachen. Die Gase verändern außerdem das Säuregleichgewicht im Dickdarm. Dies führt zu wässrigem, schaumigem, sauer riechendem Durchfall. Diese Beschwerden treten bereits 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr von laktosehaltigen Produkten auf.

Wenn diese Symptome auftreten, sollte man sich an seinen Hausarzt wenden. Dieser kann anhand von Tests eine Milchzuckerunverträglichkeit feststellen. Eine Möglichkeit ist der „H2-Atemtest“. H2 ist Wasserstoff, der bei Vergärung von Milchzucker im Dickdarm entsteht und dann in der Atemluft vermehrt nachgewiesen werden kann. Für den Test trinkt der Patient ein großes Glas Wasser mit gelöstem Milchzucker. Anschließend wird die ausgeatmete Luft analysiert. Je mehr Wasserstoff in der Atemluft enthalten ist, desto schlechter wird der Milchzucker vertragen. 

Weiterhin gibt es zur  Diagnose die aufwändigere Möglichkeit der Dünndarmgewebeprobe. Hierzu wird über die Speiseröhre ein Schlauch in den Darm eingeführt, durch den eine Schleimhautprobe aus der Darmwand entnommen wird. An dieser kann direkt nachgewiesen werden, ob aktive milchzuckerspaltende Enzyme im Dünndarm vorhanden sind. Eine solche Untersuchung ist bei dem Verdacht sinnvoll, dass nicht Laktose-Unverträglichkeit, sondern eine Dünndarmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa die Beschwerden verursacht. Auch Zöliakie, bei der Weizenkleber – so genanntes Gluten – nicht vertragen wird, geht oft mit Milchzuckerunverträglichkeit einher. 

Die Unverträglichkeit kann zudem nach einer Magen- und Darmoperationen sowie nach der Einnahme von Antibiotika oder einer Chemotherapie auftreten. In den letztgenannten Fällen verschwinden die Durchfälle wieder, wenn die Antibiotika- oder Chemotherapie beendet ist.

Laktose-Unverträglichkeit ist nicht heilbar, man kann den Beschwerden jedoch vorbeugen:

  • Nehmen Sie nur noch ein Drittel der bisher üblichen Menge an Milchzucker zu sich. Diese Menge kann meistens noch gut abgebaut werden. Verringern Sie vor allem Milch und Sahne auf Ihrem Speiseplan.
  • Testen Sie, ob Sie Joghurt vertragen, was meist der Fall ist. Denn in ihm ist durch die Milchsäurebakterien eine gewisse Menge des Enzyms Laktase enthalten, das für die Milchzuckerspaltung gebraucht wird.
  • Reifer Käse wird meist besser vertragen. Er enthält in der Regel weit weniger Milchzucker als junger Käse, da die Milchsäurebakterien einen großen Teil der Laktose bereits verwertet haben. Hütten- und Frischkäse enthält weniger Milchzucker als zum Beispiel Milch und ist damit bedingt empfehlenswert.  
  • Lesen Sie die Zutatenliste bei verpackten Lebensmitteln und Medikamenten. Oft wird in industriell produzierten Lebensmitteln Milchzucker aus Herstellungsgründen zugegeben.
  • Greifen Sie im Supermarkt zu laktosefreien Milchprodukten. Bei ihnen liegt der Milchzucker bereits gespalten vor.
  • Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen: das Enzym Laktase ist auch in Apotheken oder Drogerien erhältlich. Bei zeitgleicher Einnahme mit milchzuckerhaltigen Produkten kann es bei der beschwerdefreien Verdauung helfen.

Um etwas anderes als Milchzuckerunverträglichkeit handelt es sich bei einer Milchallergie. Bei der Milchallergie findet eine allergische Abwehrreaktion auf verschiedene Bestandteile von Milcheiweiß statt. Besteht eine Allergie auf das Milcheiweiß, das zur Käseherstellung dient, müssen Sie auf Milch aller Tierarten verzichten. Bei einer Allergie auf den Bestandteil Molkeneiweiß kann man auf die Milch von Ziegen oder Schafen zurückgreifen. 

Gleiche Symptome können also mehrere Ursachen haben. Deshalb ist es wichtig, die genaue Ursache zu kennen. Nur so kann man Lebensmittel, die Beschwerden verursachen, vom Speiseplan streichen. Milchprodukte sind jedoch wichtig für die Knochengesundheit. Wenn Sie keine Milch vertragen, sollten Sie viel Grünes essen und – nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – auch Calciumtabletten einnehmen, um sich vor einer späteren Osteoporose zu schützen. 

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!



© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl-Rüther, Mail: bkahl(at)lzg-rlp.de 

16. bis 30. September 2011