Hautkrebsvorsorge – nicht nur im Sommer ein Thema

In Deutschland erkranken immer mehr Menschen an Hautkrebs. Laut Robert-Koch-Institut hat die Zahl der Neuerkrankungen an dem bösartigen Hautkrebs (Malignes Melanom) kontinuierlich zugenommmen. Während es im Jahr 1990 2.770 neuerkrankte Patienten gab, waren es zehn Jahre später bereits fast doppelt so viele, nämlich 5.160. Im Jahr 2006 sind es schon 7.360. Und so ergeben sich für 2010 hochgerechnet dann 7.690 Patienten.

 Dass die Zahl in den letzten Jahren extrem zugenommen hat, ist vor allem auf den veränderten Umgang mit der Sonne zurückzuführen. Immer noch gilt eine schöne Hautbräune als schick, gesund und erfolgreich. Dabei sind es vor allem die UV-Strahlen, welche gesunde Hautzellen in bösartige Krebszellen verwandeln. Dies machen sie auf drei verschiedenen Wegen. Sie verändern erstens die Erbsubstanz in den Zellen. Damit bilden sich von Anfang an entartete Zellen in der unteren Hautschicht. Zweitens sind die UV-Strahlen dazu in der Lage, einen Selbstzerstörungsmechanismus von defekten Hautzellen außer Gefecht zu setzen. So verhindern sie, dass die Hautzellen absterben dürfen, die alt und u. U. auch defekt geworden sind. Wenn der Selbstzerstörungsmechanismus nicht einsetzt, verwandeln sich solche bereits defekten Hautzellen in bösartige Krebszellen. Nun sollte eigentlich das Immunsystem auf den Plan gerufen werden und die Krebszellen bekämpfen. Und hier ist der dritte Ansatzpunkt für die Gefährlichkeit der Sonnenstrahlen. Sie können die Funktion des Immunsystems langfristig herabsetzen.

Besonders gefährdet sind helle Hauttypen. Eine häufige und lang anhaltende Sonnenbestrahlung in der Kindheit und Jugend, womöglich noch verbunden mit schweren Sonnenbränden in dieser Zeit, vergrößern das Krankheitsrisiko. Allerdings dauert es ungefähr 20 bis 30 Jahre – mal mehr, mal weniger, je nach Hautkrebsart und Personentyp – bis die Sonnenschädigung zu einer Krebsausbildung führt. Vor ungefähr 30 Jahren hat es allerdings auch angefangen, dass Fernreisen in die Sonne für Jedermann und Jedefrau erschwinglich wurden. Anstatt der Haut im Winter eine Ruhepause zu gönnen, begannen sich die Strände von Mallorca, Teneriffa und später auch Bali oder der Karibik mit europäischen Touristen zu füllen. Wem das nicht möglich war, der verschaffte sich zumindest durch das Solarium die so sehnlichst erwünschte braune Hautfarbe. Und das ist der Hauptgrund dafür, dass Hautkrebs-zahlen derzeit in die Höhe schnellen.

Allerdings gibt es nach all diesen beängstigenden Nachrichten auch eine gute Botschaft: Wenn ein Hautkrebs frühzeitig erkannt wird, ist die Chance gut, dass mit einer Operation, eventuell auch in Kombination mit einer Strahlentherapie, die Krebszellen entfernt werden können. Aus diesem Grunde gehört mittlerweile die Hautkrebs-Früherkennung zu den Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Denn Veränderungen auf der Haut lassen sich meist schon mit bloßem Auge sehen. 

Zudem gibt es seit dem 1. Juli 2008 ein flächendeckendes Hautkrebsscreening. Damit ist gemeint, dass sich jeder gesetzlich versicherte Bürger in Deutschland ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre auf Hautkrebs untersuchen lassen kann. Dies bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung. Man kann es sich aussuchen, ob man sich von seinem speziell geschulten Hausarzt oder von einem Hautarzt untersuchen lassen will. Es ist beides ohne Überweisungsschein möglich.

Wichtig ist allerdings auch die Vorsorge. Beherzigen Sie daher die folgenden Tipps:

Tragen Sie immer Sonnencremes mit ausreichendem Lichtschutzfaktor (UV-A und UV-B Filter) auf. Cremen Sie sich eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden mit der „Zwei-Finger-Methode“ ein: Auf den Zeige- und den Mittelfinger jeweils einen Streifen Sonnenmilch auftragen – und dies elfmal. Also für Kopf, Hals, Gesicht, jeden einzelnen Arm, sowie die obere und die untere Rückenpartie. Dann noch Bauch, Brust, jeder Oberschenkel bis zum Knie und die Unterschenkel mit Füßen.

Kleinkinder sollen keinen Sonnenbrand bekommen. Deshalb: Möglichst viel im Schatten spielen lassen, mit T-Shirt und Hütchen ausstatten, mit Sonnenschutz gegen UVA- und UVB-Strahlen eincremen und die Mittagssonne meiden.

Für den Strand gibt es auch Kleidungsstücke, die wie eine Sonnencreme funktionieren und einen hohen UV-Schutzfaktor haben. Mit neu entwickelten Faserarten sind sie trotzdem leicht und luftdurchlässig. Solche Textilien gibt es in Apotheken, Sporthäusern und teilweise sogar im Versand.

Neben dem Sonnenschutz von außen gibt es den Sonnenschutz von innen. Dafür sorgen die Carotinoide, die in Tomaten, Paprika und bestimmten Algen enthalten sind. Sie reichern sich in der Haut an und fangen zellschädigende freie Radikale ab, die während der Sonneneinstrahlung entstehen.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner,  Redaktion: Birgit Kahl 

01. bis 15. Juli 2008 Aktualisiert am 22.3.2011