Schuppenflechte – Begleiterkrankungen nicht unterschätzen!

Gerötete und entzündete Stellen auf der Haut, an denen sich silbrig-weiße Schuppen bilden, manchmal  verbunden mit Juckreiz: Dies sind die Leitsymptome einer Hauterkrankung mit dem Namen Schuppenflechte, lateinisch Psoriasis. Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung, die nicht ansteckend ist. In Deutschland gibt es etwa zwei Millionen davon betroffene Patienten. Ursache ist meistens eine genetisch festgelegte Veranlagung.

Allerdings muss die Krankheit trotz Veranlagung nicht immer ausbrechen. Vielmehr ist das Vorhandensein verschiedener Risikofaktoren maßgeblich dafür, ob eine Schuppenflechte ausgelöst wird oder sich verschlechtert. Dazu zählen an erster Stelle starkes Rauchen, hoher Alkoholkonsum sowie stark ausgeprägter Stress, beispielsweise Konflikte in der Partnerschaft oder Mobbing im Beruf. Auch Medikamente können eine Psoriasis hervorrufen oder verstärken. Bekannt ist dies für unter anderem für  Beta-Blocker, Lithium und Mittel gegen Malaria.  Streptokokkeninfekte im Nasen-Rachenraum, die das Immunsystem stark fordern, etwa wiederholte Mandelentzündungen, sind weitere Psoriasis-Auslöser oder -Verstärker. Daneben können mechanische  Hautschädigungen bei vorhandener Veranlagung einen Schuppenflechtenherd entstehen lassen.

Schuppenflechte äußert sich darin, dass Hautzellen schneller als normal wachsen. Während sich die gesunde Haut alle vier Wochen erneuert, findet bei Schuppenflechte dieser Prozess beschleunigt statt, und zwar innerhalb von nur wenigen Tagen. Allerdings sterben die Hautzellen an der Oberfläche genauso schnell wieder ab wie sie sich erneuern. Dabei entstehen rieselnde Schuppen. Irgendwann ist die Haut überfordert und kann die vielen neu entstehenden Zellen nicht mehr abstoßen. Dann bildet sich an den betroffenen Hautstellen ein dicker silbrig-weißer Schuppenpanzer. Gleichzeitig entzünden sich die betroffenen und umgebenden Stellen, was sich in Form einer Hautrötung zeigt. Dies ist vor allem an den Ellenbögen, Knien und der Kopfhaut zu bemerken sowie um den Bauchnabel, am After, über dem Steißbein, an den Fingerknöcheln und unter den Ohrläppchen.

Die Schuppenflechte bleibt nicht ausschließlich auf Hautgebiete begrenzt, sondern kann auch andere Organe erfassen, vor allem Gelenke und die zugehörigen Bänder des Skelettsystems, aber auch das Gefäßsystem. Menschen mit Schuppenflechte haben deshalb vermutlich ein  höheres Risiko, Diabetes oder Gefäß- und Herzerkrankungen zu entwickeln. Dies ist das Ergebnis einer großanlegten dänischen Studie aus dem Jahr 2012. Sie zeigte, dass das Diabetes-Risiko bei Psoriasis-Betroffenen mit dem Schweregrad der Erkrankung steigt. Wer eine milde Form der Psoriasis hat, trägt ein um 50 Prozent höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken als Menschen ohne diese Hautkrankheit. Bei schweren Psoriasis-Formen steigt das Erkrankungsrisiko im Vergleich zu Gesunden sogar auf das Doppelte an. Wer unter Schuppenflechte leidet, sollte deshalb unbedingt einen Blutzuckertest machen, um diese häufige Begleiterkrankung frühzeitig zu erkennen.

Junge Patienten haben zudem oft eine schwere Bürde zu tragen. Ärzte aus den Niederlanden und den USA haben jüngst herausgefunden, dass über ein Drittel der jungen Psoriasis-Patienten deutlich übergewichtig sind. Die Medizin spricht von einer krankhaften Adipositas. Häufig sitzt der Speck im Taillenbereich, was für Herz und Kreislauf als besonders bedenklich gilt. Warum Kinder mit Psoriasis zu Übergewicht neigen, ist unklar. Es hat sich bewährt, bei ihnen eine Gewichtsabnahme durch bewusste kalorienarme Ernährung, gesünderes Essen und mehr Bewegung anzustreben. Mit diesen allgemein gesundheitserhaltenden Maßnahmen bessert sich manchmal auch die Schuppenflechte. Von erwachsenen Psoriasispatienten weiß man, dass sie ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Möglicherweise sind Entzündungsfaktoren in allen Fällen eine gemeinsame Ursache.

Wenn Sie unter Schuppenflechte leiden, suchen Sie also zunächst eine Hautarztpraxis auf, dort wird man Ihre Krankheit individuell einschätzen und Therapieempfehlungen geben. Um die lokalen Beschwerden auf der Haut zu reduzieren, wird Ihnen die Ärztin oder der Arzt empfehlen, die Schuppen von der Haut zu lösen. Dies ist durch Eincremen der betroffenen Stellen mit einem Salizylsäure-Vaseline-Gemisch oder mit einer Harnstoffsalbe möglich. Auch Sole- oder Ölbäder helfen dabei, die Schuppenkrusten zu entfernen. Danach können Cremes, Salben und weitere Therapien zur eigentlichen Entzündungsursache durchdringen. Je nach Ausprägungsgrad der Schuppenflechte kommen hierbei Wirkstoffe wie Dithranol, Vitamin-D3-Präparate, Vitamin-A-ähnliche Stoffe oder Kortison zum Einsatz. Manchmal ist auch eine Systemtherapie mit Medikamenten zum Einnehmen erforderlich. Eine weitere Therapieform ist die kontrollierte UV-Bestrahlung mit speziellen Wellenlängen, manchmal auch in Kombination mit Medikamenten. Sehr wichtig ist darüber hinaus, dass Sie die Risikofaktoren vermeiden, also das Rauchen einstellen, den Alkoholkonsum reduzieren und die Stressfaktoren in Ihrem Leben angehen. Auch ist es sinnvoll, Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt aufzusuchen. Sie oder er kann eventuelle Begleiterkrankungen frühzeitig feststellen und Sie gegebenenfalls an weitere Fachärzte überweisen.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker 

01. bis 15. April 2013