Morbus Parkinson – Mehr als nur Zittern

Morbus Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des Gehirns. Etwa ein Prozent aller Menschen über 50 Jahren leiden darunter. Zu den typischen Symptomen zählen Störungen der Beweglichkeit und des Bewegungsablaufs. Dazu gehört der Tremor: die Hände und gelegentlich auch der Kiefer und die Beine zittern, vor allem im Ruhezustand. Es stellt sich ein Rigor ein: die Muskeln versteifen und verkrampfen sich anfallartig.

Die Körperbewegungen verlangsamen sich und es wird schwierig, eine beabsichtigte Bewegung in Gang zu setzen. Außerdem kann im Verlauf der Erkrankung eine verminderte Stabilität beim Stehen und Gehen mit Fallneigung auftreten. Diese „Bewegungs-Symptome“ treten meist etwa ab dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Neuerdings aber weisen Forscher, etwa des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, auf neue Zusammenhänge hin. Sie haben entdeckt, dass sich schon viel früher andere Symptome bilden, die sich in vier Bereiche einteilen lassen:

1) Symptome vor allem des vegetativen Nervensystems, das unbewusst die Körperorganisation, wie Atmung und Verdauung, organisiert,

2) Schmerzen und Missempfindungen, wie Taubheitsgefühle und Kribbeln,

3) Störungen der psychischen Stabilität und

4) Denkstörungen, vor allem im fortgeschrittenen Alter.

Das besondere daran: Diese Symptome entstehen oftmals anders als die Bewegungssymptome und müssen deshalb auch anders behandelt werden.

Bei den typischen Bewegungs-Symptomen des Morbus Parkinson handelt es sich um einen Verlust von Nervenzellen in einer bestimmten Region des Gehirns, der sogenannten „schwarzen Substanz“. Hier werden der Botenstoff Dopamin produziert und Bewegungsabläufe mit gesteuert. Nach neuropathologischen Untersuchungen der letzten Jahre ist Morbus Parkinson nicht nur auf den Untergang der „schwarzen Substanz“ zurückzuführen, sondern, oft früher, auch auf Störungen anderer Hirngebiete. So gibt es zwei Frühstadien, die die bekannten Bewegungs-Symptome einleiten: In einem ersten Frühstadium sind bestimmte Kerngebiete von Hirnnerven, die zum vegetativen Nervensystem gehören, sowie der Geruchsnerv betroffen. Schlechter Geruchssinn kann daher ein Früh-Warnzeichen für Parkinson sein. Im nächsten Frühstadium stellen sich Zellveränderungen im untersten Teil des Hirnstammes und in der benachbarten Brücke ein. Dies kann negative Auswirkungen auf den Schlaf haben: in einer Phase, in der die meisten Muskeln entspannt sein sollten, sind sie angespannt. Dies kann zu Sprechen, Schreien, Treten und Schlagen im Schlaf führen. Langzeituntersuchungen zeigten, dass der größte Teil dieser Patienten, welche solche Schlafstörung hatten, später auch Bewegungs-Symptome der Parkinson-Krankheit entwickelten.

Unabhängig von der Forschung ist für Sie als Betroffener wichtig: Mit der Parkinsonerkrankung können neben den Bewegungs-Symptomen viele weitere Beschwerden einhergehen. Diese lassen sich nicht immer mit dem typischen Parkinsonmedikament behandeln. Suchen Sie mit Ihrer Erkrankung nicht nur einen Neurologen auf, sondern zusätzlich andere Spezialisten, die Ihnen helfen können. Ihr behandelnder Neurologe kann Sie beraten.

Vor allem folgende Bereiche können betroffen sein: Herz- und Kreislauf, Magen-Darm-Regulation, Blasenfunktion, Sexualfunktion, Atmung, Wärmeregulation, Speichelfluss, Talgproduktion der Haut und Tränensekretion. Ein häufiges Symptom ist der niedrige Blutdruck, der etwa zu Schwindelgefühlen vor allem beim Aufstehen führen kann. Wenn Sie viel trinken, schaffen Sie hier eine leichte Abhilfe. Die chronische Verstopfung ist ein weiteres Grundsymptom der Krankheit. Ballaststoffreiche Ernährung, die Einnahme von Quellmitteln wie Weizenkleie oder Leinsamen und wiederum ausreichend Flüssigkeit können den Stuhlgang regulieren. Ein sehr häufiges und sehr störendes Symptom ist die gestörte Blasenfunktion. Es kommt oftmals zu einem häufigen Harndrang, der sich vor allem nachts einstellt. Lassen Sie sich vom Urologen untersuchen, Abhilfe schafft in vielen Fällen ein regulierendes Medikament. In besonders schwierigen Fällen ist ein Katheter, der durch die Bauchwand in die Blase eingeführt wird, vielleicht die bessere Alternative. Aufgrund der Muskelfunktionsstörungen leiden Parkinsonpatienten häufig an einer oberflächlichen Atmung. Dadurch werden die Lungenflügel nicht gut belüftet und es sammeln sich Krankheitserreger an, die gefährlich werden können. Atemübungen in einer logopädischen oder krankengymnastischen Praxis können helfen. Auch Schmerzen und Gefühlsstörungen sind auf Fehlfunktionen des vegetativen Nervensystems zurückzuführen, hier kann gegebenenfalls ein guter Schmerztherapeut helfen.

Anders als noch von dem Entdecker der Krankheit, James Parkinson, angenommen, stehen auch psychische Probleme im Vordergrund. Ein bis zwei Drittel der Parkinsonpatienten entwickeln eine Depression, oftmals auch schon Jahre vor der Parkinsondiagnose. Andererseits können unter der Medikation Halluzinationen insbesondere optischer Art auftreten, die eine Umstellung der Medikamente erfordern.

Mittlerweile hat sich die Wissenschaft der genannten Begleitsymptome angenommen. Eine individualisierte Therapie ist das Konzept, mit dem Sie die Chance haben, trotz Krankheit wieder zu mehr Lebensqualität zu finden. Da die Erkrankung langsam fortschreitet, kann es notwendig werden, die Therapie den Symptomen anzupassen. Wichtig ist, dass Sie sich auf eine – von einem auf Parkinson spezialisierten Facharzt oder Krankenhaus – individuell zugeschnittene Therapie festlegen und behandeln lassen.

 

1. bis 15. August 2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl-Rüther