Leben mit Herzrhythmusstörungen

Vom Herzen ist man es gewohnt, dass es unauffällig und regelmäßig seinen Dienst tut und bestenfalls bei Aufregung, Sport oder Liebeskummer zu spüren ist. Deswegen sind Herzrhythmusstörungen auch etwas Unangenehmes. Denn plötzlich schlägt das Herz unregelmäßig oder zu schnell oder zu langsam. Und wenn man empfindet, dass es einmal inne hält oder bis zum Hals schlägt, stellt man sich vor:

„Was, wenn es nun ganz stehenbleibt? Hoffentlich fängt es wieder an zu schlagen.“ Es wird einem schlagartig klar, wie abhängig das Leben vom regelmäßigen Schlag des Herzens ist.

Herzrhythmusstörungen können zunächst einmal etwas völlig Normales sein. Praktisch jeder Mensch hat irgendwann einmal in seinem Leben einen unregelmäßigen Herzschlag, auch wenn er es nicht merkt. Dies sind sozusagen Fehlzündungen eines normalen Herzens. Weiterhin gibt es Herzrhythmusstörungen, die durch eine Erkrankung der elektrischen Impulsgeber hervorgerufen werden. Dies wird dann als AV-Block oder als Sinusknoten-Syndrom bezeichnet. Weiterhin gibt es Herzrhythmusstörungen, die durch Erkrankungen des Herzens und durch andere Erkrankungen, wie etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, hervorgerufen werden. Auch Medikamente oder die Ernährung können eine Herzrhythmusstörung auslösen. Besonders dann, wenn ein Einfluss auf die Zusammensetzung der Blutsalze vorliegt, also ein Magnesiummangel oder ein Mangel oder zu hoher Spiegel an Kalium. Diesen Punkt sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, wenn Sie Entwässerungsmittel – so genannte Diuretika – einnehmen. Aber auch andere Medikamente, sowie Genussgifte wie Alkohol, Nikotin und Koffein können zu Herzrhythmusstörungen führen, genauso wie Schlafmangel.

Herzrhythmusstörungen haben also verschiedene Ursachen. Sie alle können auf die elektrischen Taktgeber im Herzen einwirken. Bei manchen Herzkrankheiten ist es zudem auch möglich, dass es im Herzmuskel selbst zu elektrischen Impulsen kommt, was die gewohnten Erregungsabläufe im Herzen durcheinander bringen kann. So kommt es zu Störungen, Fehlzündungen, oder einer Verlangsamung oder Beschleunigung.

Um die Herzrhythmusstörung zu therapieren, muss also zunächst einmal die Ursache gefunden werden. Liegt sie außerhalb des Herzens, kann sie oft einfach behandelt werden. In solchen Fällen hilft meist eine „kurative“ Therapie, also die Behandlung der Schilddrüse oder eine Überprüfung von Medikamenten auf unerwünschte Nebenwirkungen beziehungsweise eine Umstellung von Medikamenten. Ein vielversprechender Ansatz besteht auch darin, die erwähnten Genussgifte zu reduzieren oder wegzulassen. Wichtig ist auch, einen hohen Blutdruck zu behandeln. Wird er auf 140 zu 90 mmHG gesenkt, kann in vielen Fällen die am häufigsten vorkommende Herzrhythmusstörung mit unregelmäßiger und meist hoher Frequenz, das Vorhofflimmern, gebessert werden – gibt die Deutsche Herzstiftung bekannt.

Was aber ist zu tun, wenn die Ursache im Herzen selbst verborgen liegt? Noch vor einigen Jahren hat man Herzrhythmusstörungen mit Medikamenten behandelt. Diese haben aber zum Teil selbst Unregelmäßigkeiten ausgelöst und damit zu einer Verstärkung der Herzrhythmusstörungen geführt. Deswegen werden beim Stolperherzen rhythmusregulierende Medikamente heute nur noch selten eingesetzt. Eine Ausnahme ist in letzter Zeit der neue Wirkstoff Dronedaron. Er wird bei Vorhofflimmern eingesetzt, vermindert hier die Beschwerden und reduziert die Häufigkeit der Flimmeranfälle. Ihr Arzt muss Sie aber genau untersuchen, denn bei schwerer Herzschwäche, schwerer Niereninsuffizienz oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion darf er Ihnen das Rhythmus-Medikament nicht verschreiben.

Medikamentös kann in vielen Fällen auch das Herzrasen gebremst werden, und zwar durch Wirkstoffe wie Digitalis, Betarezeptorenblocker und Kalziumkanalantagonisten. Wichtig sind auch gerinnungshemmende Medikamente. Denn die größte Gefahr bei Herzrhythmusstörungen besteht in der Bildung von Blutgerinnseln und deren „Verschleppung“ in die Blutbahn. Folgen sind Embolien, die zu einem Schlaganfall, Gefäßverschluss oder zu Sehstörungen führen können. Aber auch hier gibt es neue medikamentöse Entwicklungen, speziell für Patienten mit Herzrhythmusstörungen.

Wichtig ist es in jedem Fall, bei Herzrhythmusstörungen möglichst ruhig zu bleiben und eine Diagnose von einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt Ihres Vertrauens stellen zu lassen.

 

01. bis 15. September 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker