Liebe und Sexualität in der Paarbeziehung

"Das verflixte 7. Jahr" – so lautet der Titel eines Filmes mit Marilyn Monroe. Ein mittlerweile geflügeltes Wort dafür, dass sich nach etwa sieben Jahren oft Krisen in einer Beziehung oder einer Ehe einstellen. Und tatsächlich finden die meisten Ehescheidungen in Deutschland nach vier bis acht Jahren Ehedauer statt, zeigt das statistische Bundesamt. Wenn man diese kritischen Jahre überstanden hat, dann stehen die Chancen gut, es noch ein weiteres Jahrzehnt zu schaffen.

Denn erst zwischen dem sechzehnten bis zwanzigsten Ehejahr gibt es wieder sehr viele Ehescheidungen. Dahinter steckt ein Prinzip der menschlichen Natur, das zunächst einmal von Hormonen gesteuert wird. Wenn man sich verliebt, stellt sich ein emotionaler Rauschzustand ein. Es werden Dopamin und andere stimmungsaufhellende Substanzen im Gehirn ausgeschüttet, die uns den anderen Menschen in einem ganz besonderen Licht erscheinen lässt. Die Zeit des Verliebtseins kann Monate bis Jahre dauern. Von der Natur aus ist sie dazu vorgesehen, dass sich zwei Menschen aneinander binden, um als Paar die Nachkommen aufzuziehen. Doch mit der Zeit lässt die Verliebtheit nach. Aus den zunächst überschwänglichen Gefühlen entsteht ein tiefes Gefühl der Verbundenheit und Geborgenheit, das ebenfalls hormonell gesteuert ist. Auch diese Phase gehört zum Programm der Natur: Ein Paar kann sich nun beständig und gefestigt um die Erziehung der Kinder kümmern. Die so genannten "Schmetterlinge im Bauch" brauchen keine Beachtung mehr. Obwohl wir also von Natur aus zu einer seriellen Monogamie angelegt sind, kann sich der Wunsch entwickeln, aus dem engen Korsett einer Beziehung auszubrechen und wieder etwas Neues zu erleben. Leidenschaft, starke Emotionen und Abenteuer erscheinen wieder begehrenswerter als Geborgenheit, Sicherheit und vernunftbetontes Denken.

Soweit unser Erbe aus der Steinzeit. Allerdings haben Menschen auch ein Stirnhirn, das uns erlaubt, zu planen und unser Leben zu gestalten. Und damit ist es möglich, eine spannende, erfüllende und glückliche Beziehung bis ins hohe Alter zu führen. Dies beginnt damit, dass Sie immer wieder versuchen sollten, die ehemalige Leidenschaft wiederaufleben zu lassen. Diese ist nämlich nie ganz gestorben. Momente, sich wieder neu in seinen alten Partner zu verlieben, entstehen dann, wenn Sie sich gemeinsam in aufregende Situationen begeben und wenn Sie ausgefallene Dinge unternehmen. Verbringen Sie Ihre Freizeit also nicht hauptsächlich vor dem Fernseher, sondern überlegen Sie sich immer wieder etwas Neues. Abwechslung stimuliert das Lustzentrum im Gehirn und hält die romantische Stimmung aufrecht. Wichtig ist zudem, dass Sie nicht jede freie Minute gemeinsam verbringen, sondern auch alleine interessante Sachen unternehmen, von denen Sie dem anderen dann berichten können. Verlieben und Erotik basieren auf dem Reiz des Neuen und des Unerwarteten – sich dessen bewusst zu sein, ist ein erster Schritt.

Entscheidend für das Gelingen einer Beziehung ist weiterhin, wie Sie im Alltag miteinander umgehen. Nehmen Sie den anderen wahr, oder sehen Sie ihn als selbstverständlich an? Lassen Sie Ihre schlechte Laune am Partner aus oder bemühen Sie sich, den anderen respektvoll zu behandeln? Dies fällt Ihnen schwer? Eine Beziehung bietet die Chance, dass Sie sich innerlich weiterentwickeln. Als Ko-Evolution, als Kunst des gemeinsamen Wachsens, hat es der Psychiater und Psychotherapeut Jürg Willi bezeichnet. Er vertritt die These, dass sich der Mensch von Geburt bis ins hohe Alter durch mitmenschliche Beziehungen weiterentwickelt. Bildet sich eine Ko-Evolution zwischen zwei Partnern, geht die Beziehung im Allgemeinen gut. Bildet sie sich nicht, leben zwei Menschen nur nebeneinander her und die Beziehung ist zum Scheitern verurteilt. Ein Schritt hin zu Ko-Evolution ist es, maßvoll zu reagieren und ruhig zu bleiben, wenn der andere aufgebracht ist oder in Angst verfällt. Die Beziehung selbst sollten Sie nie leichtfertig opfern. Die Chance von häufigen Streits in einer Beziehung liegt also darin, die Fähigkeit des maßvollen Reagierens auszubauen, ruhig zu bleiben und durch einen Streit keine Distanz zu schaffen. Lernen Sie, sich in die Lage des anderen zu versetzen, sich in ihn hinein zu fühlen. Dann verstehen Sie besser, warum der andere manchmal anders reagiert, als Sie erwartet haben. 

Eine große Rolle spielt auch die Sexualität. Eine abwechslungsreiche Sexualität hilft, das Feuer der Liebe lebendig zu halten. Deswegen: Bleiben Sie attraktiv für Ihren Partner und seien Sie offen für neue Erfahrungen. Äußern Sie Ihre sexuellen Bedürfnisse, egal, ob Sie mehr, weniger, oder etwas anderes möchten. Wenn die Wünsche stark auseinander driften, dann schließen Sie Kompromisse. Halten Sie dem Partner nicht immer wieder Verfehlungen aus der Vergangenheit vor. Nehmen Sie die Beziehung nie für selbstverständlich, sondern arbeiten Sie jeden Tag daran.

01. - 15. November 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker