Die Seele baumeln lassen – manchmal gar nicht so einfach

Beruf, Partner, Kinder, Haushalt, Alltag – die meisten von uns müssen mehrere Aufgaben gleichzeitig unter einen Hut bringen. Das geht oft nur, wenn man den Tag immer etwas zu voll packt. Auf der Strecke bleiben dabei die eigenen Bedürfnisse nach Erholung, Entspannung und dem besinnlichen Nichtstun. Wenn man aber ohne „Zeitoasen“ das ganze Jahr durchpowert, ist man irgendwann so richtig erledigt. Zum Glück steht endlich der Urlaub vor der Tür.

Endlich Zeit für sich haben, endlich Sport machen, endlich die Partnerschaft wieder pflegen, endlich für die Familie da sein, endlich die angefangenen Bücher fertig lesen.

Allerdings ist dieses Überstrapazieren auf der einen Seite und das Entspannen auf Knopfdruck auf der anderen Seite nicht besonders gut, weder für Ihre körperliche Gesundheit noch für Ihre innere Ausgeglichenheit. Denn jede Stressreaktion ist mit bestimmten Körpervorgängen verbunden: Der Stressnerv wird aktiviert, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Stoffwechsellage verändert sich. Damit werden körperliche Reserven mobilisiert, um bei einer Gefahr zu fliehen oder zu kämpfen.

Doch was macht man heute mit diesen körperlichen Stressreaktionen, wenn man bewegungslos mitten im Autostau oder in einem Meeting sitzt? Das ist eine rhetorische Frage, denn hier kann man die Hormone und Stoffwechselveränderungen nicht körperlich abreagieren. So beeinträchtigt Dauerstress zwangsläufig die Gesundheit: Organschädigungen, psychosomatische Erkrankungen, Störung der Immunabwehr und sogar noch Schlimmeres können eintreten, wenn man sich jahrelang immer zuviel zumutet oder zuviel arbeit: Bereits im Jahr 1990 hat das japanische Arbeitsministerium bestätigt, dass Arbeitssucht – das ist nichts anderes als Dauerstress ohne Erholung – lebensgefährlich sein kann. Die Japaner bezeichnen diese Krankheit als „Karoshi“, Tod durch Überarbeitung.

Damit es aber gar nicht erst zu all diesen Stressschädigungen kommt, ist es sowohl wichtig, den Alltag bewusst zu gestalten, als auch das Beste aus der Urlaubszeit zu machen.

Fangen wir einmal mit dem Urlaub an. Viele Menschen fahren nicht alleine weg, sondern mit der Partnerin/dem Partner oder der ganzen Familie. Hier ist es schon einmal wichtig, dass Sie sich im Vorfeld genau überlegen und besprechen, was Sie vom Urlaub erwarten. Der eine möchte vielleicht mehr Faulenzen und der andere ist eher auf dem Kulturtrip. Der eine möchte gerne viel alleine sein, der andere sucht die Geselligkeit. Hier alle Wünsche zu beachten und einen guten Kompromiss zu finden, ist die erste Voraussetzung für gelungene Ferien. Das gemeinsame Absprechen hat außerdem den Vorteil, dass nicht einer alleine die Verantwortung für das Gelingen bzw. Nichtgelingen des Urlaubs trägt.

Trotzdem „kracht“ es oft bei Paaren und in Familien, sobald sie am Urlaubsort angekommen sind. Denn plötzlich entsteht eine räumliche und mentale Nähe, an die sich viele erst wieder gewöhnen müssen. So gibt es im Urlaub einfach öfter Gelegenheit, sich über Eigenarten des anderen aufzuregen. Vor allem bei schlechtem Wetter vermehrt sich das „Streitvirus“ rasant. Und schon haben die Menschen neuen Stress anstatt der wohlverdienten Erholung. Was tun? Besprechen Sie vorab, ob und wann jeder Partner sich auch einmal alleine beschäftigen möchte. Nutzen Sie die Urlaubszeit aber auch, um wieder einmal die guten Seiten des Partners neu zu entdecken, anstatt immer nur für das Augen zu haben, was in Ihrer Beziehung alles fehlt. Dies ist übrigens auch ein guter Tipp für den Alltag.

Überhaupt ist es wichtig, auch in der Arbeitszeit immer wieder für kleine Ruhe- und Erholungsphasen zu sorgen. Ein Mensch ist nur dann topp leistungsfähig, wenn er auch einmal abschalten kann. In dieser Zeit gewinnt er nämlich einen kleinen Abstand zu all seinen Aufgaben. Und plötzlich fällt es leichter, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu entscheiden. Auch fallen kreative Prozesse leichter, wenn man ausgeruht ist. Stressforscher empfehlen daher, sich jeden Tag einmal, und sei es auch nur kurz, Zeit für sich selbst zu nehmen und dann nur das zu tun, was Ihnen auch gefällt. Z. B. ein paar Musikstücke bewusst anzuhören, oder eine Joggingrunde zu drehen oder einfach nur bewusst und genussvoll ein Eis zu essen. Probieren Sie es aus!

Gut ist es auch, abends eine „Erledigungsliste“ für den nächsten Tag schreiben. So hat man die Aufgaben sicher auf dem Papier und muss sie nicht die ganze Zeit in Gedanken mit sich tragen.

Generell kommt es darauf an, den Tag zu entschleunigen. Das geht, indem Sie direkt heute damit beginnen, in der Gegenwart zu leben. Das klingt so einfach. Aber wie oft quälen wir uns mit Vergangenem, oder machen uns Sorgen um die Zukunft? Denken Sie daran: Jetzt ist genau der Moment, den Sie leben. Nehmen Sie ihn an und leben Sie ihn bewusst. Das Leben setzt sich nur aus solchen Momenten zusammen.

Für den Abend gibt es eine weitere gute Methode, um vom Stress runterzukommen: Holen Sie sich vor dem Einschlafen noch einmal die Bilder des Tages vor Ihr geistiges Auge. Das hilft, dass Sie sich in der Gegenwart verankern können und nicht das Gefühl bekommen, die Zeit fliegt so schnell davon. Es ist außerdem ein gutes Gedächtnistraining.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

16. bis 30. Juni 2008

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl