Was man gegen Liebeskummer und Trennungsschmerz tun kann

Am Anfang ist es die große Liebe und dann auf einmal ist es aus und vorbei. Eine Trennung ist manchmal nicht zu vermeiden. Und wie man es dreht und wendet: Sie ist für Menschen jedes Alters ein schmerzhafter Prozess, denn man verabschiedet sich von einer gemein-samen Zukunft, von gemeinsamen Hoffnungen und Träumen. Auch wenn die Gründe, die zur Trennung geführt haben, vom Kopf her nachvollziehbar sind, so lehnt sich das Herz oftmals noch lange dagegen auf.

Wir haben Rachegefühle, Depressionen, Wut, Verzweiflung, Eifersucht, Weinanfälle – ein richtiges Gefühlschaos eben. Im einen Moment verflucht man den Ex-Partner/die Ex-Partnerin noch, im nächsten Moment schwelgt man in romantischen Rückkehrphantasien.

Aber warum ist das alles so? Betrachten wir die Liebe doch einmal von der hormonellen Seite. Hormone bewirken den anfänglichen Rausch des Verliebtseins. Dann sorgen sie für das Gefühl von Glück und Zufriedenheit in einer dauerhaften Beziehung. Wenn wir verlassen werden, verflüchtigen sich mit einem Mal die Liebeshormone und wir leiden unter Entzugs-erscheinungen. Dies bewirkt die Gefühle wie Trauer, Depression und Verzweiflung. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, werden zudem Aufputschhormone ausgeschüttet. Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin sorgen für Wut und Aggression, lösen aber auch wieder Begehren aus. Dann gibt es noch das Stresshormon Cortisol. Dies macht uns unruhig und schlaflos. Unser Hormonhaushalt befindet sich also im Ausnahmezustand, dies ist die biologische Erklärung für Liebeskummer. „Ja aber was nützt mir das?“, werden Sie sich fragen. Die Antwort ist: Sehr viel! Denn wenn Liebeskummer als Hormonachterbahnfahrt gesehen werden kann, dann ist es – biologisch gesehen – nur eine Frage der Zeit, bis sich wieder ein stabiler Hormonzustand einpendelt. Und tatsächlich zeigt auch die Lebenserfahrung, dass die Zeit alle Wunden heilt. Allerdings dauert diese Zeit bei dem einen länger und bei dem anderen kürzer. Doch Sie können einiges dazu tun, um den Liebeskummer nicht dauernd wieder von neuem anzufachen. So ist es beispielsweise hilfreich zu wissen, dass eine Trennung bei allen Menschen in mehreren Phasen verläuft.

Phase 1: Das Nicht-Wahrhaben-Wollen

Die vertraute Welt bricht mit einem Mal plötzlich und nachhaltig auseinander. Wie bei einem Unfall ist man erst einmal schockiert. Mit den Konsequenzen will man sich noch nicht auseinander setzen. So gibt man sich der Hoffnung hin, es sei nur ein Missverständnis oder eine vorübergehende Erscheinung. Denn eigentlich gehört man doch zusammen.

Phase 2: Die schmerzhaften Gefühle

Das Leugnen wird meist durch Trauer, Verzweiflung, Wut, Aggression oder Hilflosigkeit abgelöst. Diese schmerzhaften Gefühle können so schlimm sein, dass sie einen fast zu begraben scheinen. Männer reagieren in dieser Phase übrigens anders als Frauen. Männer können ihre Gefühle oft schwer vor sich selbst eingestehen. Auch anderen können sie nicht zeigen, dass es ihnen schlecht geht. Sie stürzen sich lieber in ihre Arbeit, oder sie werden beispielsweise anfällig für Alkohol. Der Versuch, Selbstkontrolle und Haltung zu bewahren, kann Männer kräftemäßig bis zum Zusammenbruch treiben. Dies zeigt sich dann in gesundheitlichen Folgen.

Frauen reagieren eine Trennung gefühlsmäßiger ab. Sie weinen, schreien, verzweifeln. Und dass sich ihr Ex-Partner so gefühlskalt zeigt und ihn das alles offenbar nicht berührt, macht es noch einmal schmerzvoller. Frauen tendieren dazu, sich in ihr Leiden zu vergraben.

Phase 3: Die Zeit der Verarbeitung

Es ist ein positives Zeichen, wenn Frischgetrennte wieder dazu in der Lage sind, mit Freunden darüber zu reden. Diese Freunde sind jetzt ein große Stütze in der Zeit, in der innerlich alles zusammengebrochen ist. Sie geben das Gefühl, dass man nicht alleine dasteht. Sie sind auch eine große Hilfe im Erkennen von Fehlern und Kritikpunkten. Denn meist sind tragen beide Partner ihren Anteil am Zusammenbruch. Diese Erkenntnis ist die Voraussetzung für die nächste Phase.

Phase 4: Die Akzeptanz

Jetzt beginnt die endgültige Loslösung. Es beginnt die Zeit der Neuorientierung. Denn eine bewältigte Trennung birgt auch die Chance einer positiven persönlichen Veränderung.

Generell gilt: Nach einer intensiven Liebesbeziehung dauert die Verarbeitung noch mal etwa halb so lang wie die Beziehungszeit. Wichtig sind noch die folgenden Anregungen:

  • Inszenieren Sie den Verlust nicht immer wieder neu. Denn das reißt alte Wunden auf.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Realität und stellen Sie sich nicht träumerisch vor, wie schön jetzt gerade dieser Moment mit Ihrem Expartner wäre.
  • Entscheiden Sie sich zu leben, – und nicht zu leiden. Sie haben die Wahl: Sie können daran, dass Ihr Partner Sie verlassen hat, verzweifeln und dies zu Ihrer Lebenseinstellung machen. Dann aber blockieren Sie sich innerlich und wiederholen immer die gleichen Vorwürfe. Oder Sie finden sich damit ab, dass im Leben auch Leid, Schmerz und Ungerechtigkeit vorkommen und versuchen trotzdem, schöne Momente zu schaffen und zu genießen.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

01. bis 15. Oktober 2008

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl