Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Krampfartige Bauchschmerzen, häufige Durchfälle, eventuell sogar Blut im Stuhl. Wie schmerzhaft dies ist, kann jeder mitfühlen, der im Urlaub schon einmal fürchterlich unter Reisedurchfall zu leiden hatte. Es gibt aber Menschen, die ihr ganzes Leben lang mit diesem Problem leben müssen. Sie haben eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei der immer wieder schubartig Entzündungen der Darmwand auftreten, die zu den kräftezehrenden Symptomen führen.  

 Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden häufigsten dieser Krankheiten. Bei Morbus Crohn können alle Abschnitte des Verdauungstraktes betroffen sein. Besonders häufig ist es der letzte Abschnitt des Dünndarms, aber auch die Schleimhäute an Mund und After können sich entzünden. Etwas anders sieht es bei der Colitis ulcerosa aus. Hier handelt es sich um eine Dickdarmentzündung, die vernarbend abheilt, aber auch immer wieder von Neuem ausbrechen kann. Bei schweren Verläufen und langer Krankheitsdauer ist die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs erhöht. Mit einer Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Darm kann der Arzt oft präzise zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden. Mehr als 90 Prozent aller Morbus Crohn-Erkrankungen lassen sich außerdem per Ultraschall von außen erkennen. 

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa begleiten Betroffene ein Leben lang und gelten als unheilbar. Bisher gingen Forscher davon aus, dass dies Autoimmunerkrankungen seien, bei denen sich ein übereifriges Immunsystem gegen den Körper selbst statt gegen einen Krankheitserreger wendet. Doch heute gilt als sicher, dass diese Theorie nicht stimmt. „Neuere Studien beweisen, dass es sich um eine Schwäche der Darmabwehr gegen Bakterien handelt“, erklärt der Pharmakologe Dr. Jan Wehkamp aus Stuttgart, der dieses Prinzip mit entdeckt hat. Die Abwehrschwäche ist die Folge fehlender körpereigener Antibiotika in der Darmschleimhaut. Deswegen können Bakterien in die Schleimhaut eindringen und zur Deck- und Drüsengewebeschicht wandern, die normalerweise steril ist. Als Folge davon, und nicht als Ursache, kommt es zu einer Immunreaktion: Das Immunsystem erkennt, dass sich die Bakterien aus dem Darm nicht in der Schleimhaut befinden sollten und greift sie an. Die Entzündung ist also eine Folge der Schwäche der Darmabwehr. Zugleich ist sie auch Auslöser der klinischen Symptome wie Durchfall, Blut im Stuhl und Schmerzen. Insofern ist die klassische Behandlungsmethode bis auf weiteres nach wie vor richtig, sie wird nur wahrscheinlich in Zukunft ergänzt werden.  

Ziel der klassischen Therapie ist es, einerseits die Entzündung rasch abklingen zu lassen und andererseits beschwerdefreie Phasen möglichst lange zu erhalten. Dafür stehen unter anderem Kortison, entzündungshemmende Mittel oder Arzneistoffe, die das Immunsystem unterdrücken, zur Verfügung.  

In der Ruhephase zwischen zwei Schüben galt bislang eine spezielle Behandlung als nicht notwendig. Nach den neuen Erkenntnissen könnte es jedoch in dieser Zeit sinnvoll sein, das Immunsystem sogar zu stärken. Eine allgemeine Diätempfehlung gibt es nicht, Unverträglichkeiten z.B. gegen langfaseriges oder stark blähendes Gemüse, fette oder scharfe Speisen, Ballaststoffe oder Laktose sollten Sie selbst austesten. Ansonsten ist eine leichte Vollkost empfehlenswert, d. h. essen Sie gesund, naturbelassen und nicht zu fetthaltig. Durch die häufigen Durchfälle kann es zu Mangelerscheinungen im Schub kommen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob ein Mangel vor allem an Eiweiß, Eisen, Zink, sowie Vitaminen und Nährstoffen behandelt werden muss. 

Viele Betroffene machen die Erfahrung, dass es hilft, informiert zu sein. Sie können besser mit der Erkrankung umgehen und verloren geglaubte Lebensqualität zurück gewinnen. Die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) in Berlin vermittelt Kontakt zu regionalen Selbsthilfegruppen und Ärzten. Sie bietet auch Beratung und Informationen unter www.dccv.de an.  

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund! 

 

1. bis 15. Januar 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker