Neue Wege mit Trauer umzugehen

Wenn es im November trüb und dunkel ist, werden viele Menschen in ihren Gedanken und Gefühlen wehmütiger. Besonders diejenigen, die einen Angehörigen oder Freud verloren haben. Diesen Menschen und ihrer Trauer ist das heutige Gesundheitstelefon gewidmet. Wenn jemand stirbt, ist das zunächst unfassbar. Deutlich haben wir die vielen Bilder vor dem geistigen Auge, die uns den Gestorbenen lebend zeigen.

Es erscheint nahezu unmöglich, sich das Leben ohne den geliebten Partner oder den verlorenen Menschen vorzustellen. Dieser erste Schock-zustand ist normal. Der einzige Gedanke, der im Innern vorherrscht ist: Das kann doch nicht wahr sein. Es fühlt sich so an, als sei auch das eigene Leben zum Stillstand gekommen. Dieser Zusammenbruch aber ist der Beginn einer langen und beschwerlichen "Reise", in der Sie die unterschiedlichsten Gefühle und Schwankungen kennen lernen werden. Auf dieser Reise werden Sie beginnen, den Verlust zu erfassen. Die Schockstarre löst sich auf und es kommt zu Sehnsucht und Verzweiflung, oft auch zu körperlichen Beschwerden. Dann setzt eine Akzeptanzphase ein. Auch jetzt werden Sie den Toten noch vermissen und viel an ihn denken, doch Sie werden auch lernen, den Verlust zu akzeptieren und wieder eine Zukunft zu planen. Diese Phasen sind übergangslos. Immer wieder kann Ihre Gefühlslage einbrechen, so dass der Schmerz erneut an die Oberfläche kommt. Das ist verunsichernd und Sie mögen befürchten, niemals mit Ihrem Verlust fertig zu werden. Doch die Schwankungen sind normal, jeder Trauerweg ist individuell. Wir möchten Ihnen heute dabei helfen, Ihren eigenen Weg zu finden, um mit der Trauer umzugehen.

An erster Stelle wird es Ihnen gut tun, Menschen zu finden, die Ihnen zuhören und Sie verstehen. In der Familie ist dies nicht immer möglich, denn Ihre Familienangehörigen trauern auch. Jeder versucht, den anderen zu schonen und nicht an dessen Schmerz zu rühren. Ein offenes Gespräch unter Familienangehörigen, noch dazu bei unterschiedlichen Beziehungsebenen, ist sehr schwierig. Während Sie vielleicht Ihren Partner / Ihre Partnerin und damit Ihren Lebensmittelpunkt verloren haben, vermisst das Enkelkind den Opa oder die Oma, die es alle paar Wochen einmal gesehen hat. Deswegen trauert jeder auf unterschiedliche Art um dieselbe Person. Die Nachbarin hingegen, die vor einigen Jahren ebenfalls den Ehemann verloren hat, kann Sie eventuell besser verstehen, obwohl sie Ihnen gar nicht so nahe steht.

Gut ist es deshalb, sich einem Trauerbegleiter oder einer Trauergruppe zu öffnen. Dort finden Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken. Immer wieder reden und „den Schmerz ausdrücken, der einen eindrückt“, das schafft Erleichterung und ist eine Verarbeitung der Trauer.

Das Sich-Ausdrücken muss nicht nur im Gespräch stattfinden. Viele finden einen Zugang zu ihrem Schmerz, indem sie Bilder malen. Für Andere ist es hilfreich, sich den Kummer von der Seele zu schreiben. Wenn der Tod Ihres Angehörigen plötzlich kam, dann gibt es viel Ungesagtes. Schreiben Sie dem Menschen, den Sie verloren haben, einen Brief und versuchen Sie alles auszudrücken, was Sie bewegt. Den Brief können Sie rituell vergraben oder als Erinnerung aufbewahren. Überhaupt ist das Thema Erinnerung sehr wichtig. Hierfür ist das geschriebene Wort eine gute Methode. Widmen Sie dem Angehörigen ein Erinnerungstagebuch, in das Sie alles schreiben, was Ihnen zu ihm oder ihr einfällt. Sie werden es später lesen können und froh über die Erinnerungen sein.

Die Trauer wird nicht immer so ablaufen, dass Sie den Verstorbenen nur vermissen. Es werden auch Gefühle hochkommen, die Sie erschrecken. Zum Beispiel Wut darüber, dass Sie verlassen worden sind, dass Sie nun alleine dastehen mit der ganzen Lebensorganisation. Doch alle Gefühle, die Sie in der Trauer haben, sind gut. Denn Ihr Partner fehlt Ihnen in vielen Lebenssituationen und deswegen sind auch Wut, Vorwürfe und Schuldgefühle normal. Viele Menschen beladen sich nach dem Tod eines Angehörigen mit Schuld: Warum nur habe ich den Arzt nicht gerufen? Warum bin ich nicht noch einmal ins Krankenhaus gegangen? Sie werden Ihre Gründe gehabt und richtig entschieden haben.

Sehr hilfreich sind Haustiere, vor allem Hund und Katze. Diese Tiere lassen eine Berührung zu, es findet ein Austausch auf besonderer Ebene statt. Vor allem bei einem Hund hat man das Gefühl, auf Verständnis zu stoßen. Neuerdings gibt es auch Reisen für Menschen in Verlustsituationen. Zum Beispiel eine Segelreise oder eine Wanderung in die Natur. Dabei sollen Sie Aufgaben erfüllen und wieder in einen Tagesablauf hineinfinden.

 

01. bis 16. November 2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl-Rüther