Shisha rauchen – ein neuer Jugendtrend?

Jeder kennt wohl Bilder aus dem Orient, wo alte Männer bei einem süßen Tee beisammen sitzen, die Dominosteine klacken lassen und den dünnen Rauch der Wasserpfeife in die Luft blasen. Die Wasserpfeife – auch oft Shisha genannt – ist in vielen arabischen Ländern ein fester Bestandteil der Kultur; das gemeinsame Rauchen wird als Symbol der Gastfreundlichkeit angesehen.

Aber was in unserer Vorstellung ein so schönes Bild ergibt, weitet sich bei uns seit etwa sieben Jahren vor allem bei jungen Menschen zu einem gesundheitsgefährdenden Trend aus. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rauchen 14 Prozent der Jugendlichen in Deutschland mindestens ein Mal im Monat eine Wasserpfeife. Gesundheitsexperten warnen deshalb, das Shisharauchen zu verharmlosen oder romantisch zu verklären. Denn es gilt als mindestens genauso gefährlich wie das Zigarettenrauchen, wenn nicht sogar als gefährlicher. Zudem kann die gelegentliche Wasserpfeife Kindern und Jugendlichen zum Einstiegsmittel in den täglichen Zigarettenkonsum werden.

Zunächst einmal, wie funktioniert das Shisharauchen überhaupt?

Eine Shisha (gesprochen „Schischa“) besteht aus vier Teilen: dem Wassergefäß, dem Tabakkopf, der Rauchsäule und dem Schlauch inklusive Mundstück. Um sie zu rauchen, füllt man das Wassergefäß mit Wasser und schraubt die Rauchsäule auf die Öffnung. Das Rohr ragt in das Wasser hinein. Dann füllt man den Tabakkopf mit einem feuchten Wasserpfeifentabak und deckt diesen mit einem Metallsieb ab. Darauf legt man ein Stück glühende Wasserpfeifenkohle. Durch die glühende Kohle wird der Wasserpfeifentabak erhitzt. Die darin enthaltende Flüssigkeit verdampft und nimmt die Aromastoffe auf. Wenn man jetzt am Mundstück saugt, zieht man den Rauch durch das Wasser in die Lungen. Das Wasser hat jedoch keinen Filtereffekt für die Schadstoffe. Auch ist es durch die Abkühlung des Rauchs möglich, eine größere Menge zu inhalieren, wodurch tiefere Lungenregionen erreicht und geschädigt werden können.

Der Wasserpfeifentabak ist in der Regel mit Fruchtaromen versetzt, wie Apfel, Kirsche, Orange, Minze, Vanille. Dies alles mildert den scharfen Tabakgeschmack und erleichtert den Einstieg in das Rauchen. Doch der Wasserpfeifentabak hat es in sich und ist ganz und gar nicht ungefährlich. Die Substanzen, die im Rauch von Wasserpfeifen vorkommen, sind die gleichen wie im Zigarettenrauch, allerdings teilweise bedeutend höher konzentriert. So liegen die Werte insbesondere von toxischen Schwermetallen teilweise um ein Vielfaches höher als im Zigarettenrauch. Diese Stoffe leisten ihren Anteil an der Bildung von Krebs an den Atemwegen.

Teer ist ebenfalls im Shisharauch enthalten, und zwar mehr als in filterlosen Zigaretten. Dies gilt auch, wenn auf der Packung des Wasserpfeifentabaks steht, er sei teerfrei, denn Teer bildet sich erst durch das Erhitzen.

Der Kohlenmonoxidgehalt ist im Shisharauch zehnmal so hoch wie im Zigarettenrauch. Kohlenmonoxid entsteht durch das Verbrennen der Kohle. Es ist deshalb gefährlich, weil es die Aufnahme von Sauerstoff blockiert. In hohen Konzentrationen ist es tödlich, in geringerer Dosis kann es Herzkrankheiten verschlimmern.

Der Nikotingehalt ist zehnmal so hoch wie bei einer Zigarette und birgt ein starkes Abhängigkeitspotential.

Diese Angaben stammen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Sie sind Näherungswerte, weil es verschiedene Arten von Wasserpfeifentabak gibt, ebenso wie verschiedene Zigarettensorten. Von daher ist ein exakter Vergleich schwierig.  Grundsätzlich können Wasserpfeifen auch für den Konsum von Haschisch und Marihuana verwendet werden.

Ein Besonderheit noch birgt der Shisharauch: Er wird, damit er ausreichend feucht ist, mit Glycerin versetzt. Aus Glycerin aber bilden sich durch das Erhitzen mit der glühenden Kohle krebserregende Stoffe. Deshalb hat der Gesetzgeber den Anteil von Glycerin auf 5 Prozent reduziert. Damit der Tabak aber so richtig schön dampft, wäre ein höherer Gehalt sinnvoll. Deshalb ist es üblich, dass die Shisharaucher nachträglich den Tabak mit Glycerin anreichern, und damit ihr Gesundheitsrisiko selbst noch vergrößern.

Da das Wasser in der Wasserpfeife die kritischen Stoffe nicht herausfiltert, wundert es nicht, dass Wasserpfeifenraucher gehäuft unter Herzerkrankungen leiden, häufiger Krebs an den Lippen, in der Mundhöhle,  in den Lungen und in der Blase haben. Dies gilt übrigens nicht nur in Europa, sondern wird auch im Orient, China und Indien beobachtet. Und da die Shisha meist in der Gruppe geraucht wird, besteht durch die gemeinsame Nutzung auch die Gefahr der Übertragung von Infektionskrankheiten wie Herpes, Hepatitis, Tuberkulose oder Heliobacter-pylori-Infektion, welche Geschwüre im Magen-Darm-Trakt hervorrufen können. In  schlecht gereinigten Wasserpfeifen können auch Schimmelpilze wuchern, die unsichtbar sind und sich erst nach Jahrzehnten durch Krebsbildung bemerkbar machen.

Wenn bei Ihrem Kind also eine Wasserpfeife herumsteht, dann verharmlosen Sie dies nicht. Sprechen Sie realistisch mit Ihren Kinder über die Gesundheitsrisiken und mögliche Konsummotive des Shisharauchens.

Sie können die Broschüre „Elterninfo Shisha“ gegen ein Rückporto von 1,45 €  bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz, Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, bestellen – oder von der LZG-Homepage downloaden unter www.lzg-rlp.de/lzg-shop.

 

01. bis 15. März 2008

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl