Wenn mein Kind nicht schlafen will

Seit einer Stunde schon liegt das Kind im Bett und soll schlafen. Doch an Schlaf ist nicht zu denken, immer wieder ruft es nach seinen Eltern. Die sind schon genervt, schließlich wollten sie eigentlich einfach mal die Beine hochlegen und gemütlich den Spielfilm anschauen. Eine Situation, die wohl jede Mutter und jeder Vater kennt, egal wie alt der Sprössling ist. Auch ein häufiges nächtliches Erwachen kann für Kind und Eltern belastend sein.

Die Gründe für solche Schlafstörungen sind sehr vielfältig, sie sind abhängig vom Alter, vom Schlaftyp, von der Psyche und vom Gesundheitszustand des Kindes. Doch die meisten Kinder sind körperlich und psychisch gesund. Der häufigste Grund für kindliche Schlafstörungen sind falsche Erwartungen der Eltern, die deswegen entstehen, weil sie die Bedürfnisse und Eigenheiten ihrer Kinder nicht genau kennen.

So ist es beispielsweise normal, dass ein einjähriges Kind nachts zwölf Stunden schläft. Aber welches Kind ist schon in der Norm? Einige Einjährige schlafen 13 bis 14 Stunden und andere kommen mit 9 bis 10 Stunden aus. Wenn Eltern ein Kind, das nur wenig Schlaf braucht, länger als nötig im Bett behalten, dann ist die Schlafstörung vorprogrammiert. Es hat abends Mühe mit dem Einschlafen, wacht nachts auf und / oder ist morgens schon wieder in aller Herrgottsfrühe wach. Der Schlafbedarf ist nämlich eine feste Größe. Daher ist auch der Mittagsschlaf einzurechnen. Wenn ein Kind tagsüber viel schläft, braucht es nachts weniger. Sie können den Mittagsschlaf Ihres Kindes aber verkürzen. Dazu brauchen Sie Geduld und müssen Ihr Kind während 7 bis 14 Tage konsequent auf einen kürzeren Mittagsschlaf umstellen.

Ebenso wie die Schlafdauer von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, ist es der Schlaftyp. Da gibt es die Morgenmenschen-Kinder: Sie wollen abends freiwillig ins Bett, sind aber dafür in früher Stunde wieder putzmunter. Dann gibt es die Nachtmenschen-Kinder. Sie neigen dazu, abends länger aufzubleiben, weil sie sich noch nicht müde fühlen. Für Eltern kann das Zubettbringen ein Problem werden. Wenn sie aber immer wieder nachgeben, gehen solche Kinder immer später ins Bett, schlafen am Morgen entsprechend länger, was dazu führt, dass sie am nächsten Abend noch später müde werden. Hier sollten die Eltern versuchen, die Kinder konsequent zu immer der gleichen Uhrzeit zu Bett zu bringen. Nur so können die Kinder auch einen inneren Tagesrhythmus aufbauen. Umerziehen können Sie Ihr Kind jedoch nicht. Denn der Schlaftyp und das Schlafbedürfnis sind vererbte Eigenschaften. Sie sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt.

Die Schlafeigenschaften verändern sich allerdings im Laufe des Lebens. In den ersten zwei bis vier Lebenswochen sind Schlaf- und Wachperioden gleichmäßig über den Tag verteilt. Langsam beginnt der Säugling, sich auf einen Tag-Nacht-Wechsel einzustellen. Das Schlafverhalten wird gleichmäßiger. Etwa ab dem dritten Monat beginnen Kinder durchzuschlafen, oder nur einmal aufzuwachen. Dies hängt vom Reifungsgrad des Gehirns ab. Man kann das Einschlafen aber unterstützen, indem Gute-Nacht-Rituale eingeführt werden. Auch ein regelmäßiger Tagesablauf mit geordneten Zeiten für die Mahlzeit, das Spazieren gehen und das Schlafen sind dem Kind wie Taktgeber, sie helfen ihm seinen Rhythmus zu finden und damit auch durchzuschlafen. Das Signal für den nächtlichen Schlaf kann man über Gute-Nacht-Rituale setzen: Sie können schon Babys abends etwas vorlesen, vorsingen oder vorbeten, dann das Licht ausschalten und vielleicht die Spieluhr anmachen.

Aber wie soll man sich verhalten, wenn man alles richtig gemacht hat und das Kind trotzdem schreit? Wichtig ist es für die Eltern, zu erkennen, warum ihr Kind schreit. Hat es Hunger? Will es Zuwendung? Hat es Schmerzen? Dies sind die drei entscheidenden Fragen, meint Kinderarzt Dr. Seidel aus Worms, der auch schon für das Projekt „Viva familia – Servicestelle für lokale Bündnisse“ in der LZG den besorgten Eltern beratend zur Seite stand.

Wenn man das Kind hochnimmt und es sich dabei rasch beruhigen lässt, dann kann das ein wichtiger Hinweis sein, dass ein Kind Zuwendung braucht. Wenn man ein Kind immer wieder beruhigen kann, dann kann man auch dazu übergehen, es etwas länger schreien zu lassen, und nicht immer bei jedem Pieps sofort zu kommen.

Wenn das Kind sich nicht beruhigen lässt, kann ein medizinischer Grund dahinter stehen. Normal sind hier die „Dreimonatskoliken“, die die Säuglinge über ein paar Monate hinweg Tag und Nacht quälen können. Normal ist auch, dass ein Kind schreit, wenn ein neuer Zahn durchbricht. Das dauert aber normalerweise nur ein bis wenige Tage. Normal sind auch Virusinfekte der oberen Luftwege im ersten Lebensjahr. Atemnot, Ohrenschmerzen, Bauchweh lassen Kinder oftmals nachts aufwachen. Nehmen Sie das kranke Kind am besten zu sich ins Bett, wenn es leidet.

Auch ältere Kinder können infektbedingt nachts aufwachen. Aber auch vergrößerte Rachenmandeln und Polypen können Atemprobleme und damit eine Schlafstörung verursachen. Bei vielen Kindern erkennt man dies am Schnarchen. Die Atemprobleme können bis zu einer Schlafapnoe reichen, bei der das Kind sekundenlang aufhört zu atmen und dann plötzlich aus dem Schlaf aufschreckt. Gehen Sie zum Kinderarzt, wenn Ihr Kind wochenlang nachts immer wieder aufwacht, oder wenn es schnarcht.

Bei Schulkindern ist es dann vermehrt die Psyche, die zu Schlafstörungen führen kann. Die Reizüberflutung mit Fernsehen, Computer und Playstation steht an erster Stelle. Auch hier gilt, dass Ruhe in der letzten Abendstunde sowie Einschlafrituale beim Einschlafen helfen.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0. 

 

01. bis 15. Januar 2006