Kaiserschnitt und natürliche Geburt

Spätestens nach den ersten Wochen einer Schwangerschaft beginnen Frauen, sich über die Geburt Gedanken zu machen. Wie soll mein Kind auf die Welt kommen? Per natürlicher Geburt, wie seit jeher? Oder per Kaiserschnitt? Bei einem Kaiserschnitt bekommt die werdende Mutter zunächst eine Spinalanästhesie, also eine Betäubungsspritze in die Wirbelsäule, so dass sie vom Bauchnabel an abwärts keine Schmerzen spürt.

Dann wird die Bauchdecke oberhalb der Schambehaarung mit einem zwölf bis vierzehn Zentimeter langen Schnitt geöffnet. Mit einem zweiten Schnitt öffnet der Gynäkologe die Gebärmutter und holt das Kind heraus. Nun werden Gebärmutter und Bauchdecke wieder verschlossen. Der Eingriff dauert 20 bis 30 Minuten. Eine natürliche Geburt hingegen dauert meist viele Stunden. Allerdings können nach einem Kaiserschnitt noch bis zu zehn Tage nach der Geburt Wundschmerzen auftreten und die Mütter sind beim Heben und Tragen von schweren Dingen zunächst eingeschränkt. Nach einer natürlichen Geburt sind Frauen meist schneller wieder einsatzfähig, sofern keine Komplikationen, wie etwa ein Dammriss, aufgetreten sind.

Trotzdem scheint der Kaiserschnitt zunächst einmal die einfachere und weniger schmerzreiche Möglichkeit zu sein, ein Kind auf die Welt zu bringen. Wohl deswegen entscheiden sich in Deutschland mittlerweile über 30 Prozent der Frauen für diesen Weg. Damit hat sich in den vergangenen 20 Jahren der Anteil an Kaiserschnittentbindungen mehr als verdoppelt, mit weiterhin steigender Tendenz, ergeben die Zählungen des Statistischen Bundesamtes. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass nur in zehn bis fünfzehn Prozent aller Schwangerschaften die medizinische Notwendigkeit für die Entbindung per Kaiserschnitt besteht. Eine Tendenz jedoch, die Gefahren mit sich bringt.

Die Hauptgefahr, die ein Kaiserschnitt für das Baby mit sich bringt, ist das Risiko von Atemstörungen. Denn bei einem Kaiserschnitt unterbleibt die Bildung von Stresshormonen, die aber wichtig sind, damit die Lungenbläschen des Kindes von Flüssigkeit befreit werden und es atmen kann. Bei einem Drittel der Babys, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen (und nur bei 3,7 Prozent der vaginal geborenen Kinder) kommt es zu Atemstörungen nach der Geburt. Diese verlaufen zwar meist milde, gefährliche Komplikationen sind aber trotzdem nicht auszuschließen.

Auch die natürliche Geburt bringt Risiken mit sich. Das größte Risiko ist ein möglicher Sauerstoffmangel beim Kind, etwa wenn sich die Nabelschnur verwickelt. Das führt in der Regel zu einem Notfall-Kaiserschnitt. Bei der Mutter kann es zu Verletzungen des Geburtskanals, beispielsweise zu einem Dammriss, kommen. Dieses Risiko scheint in den letzten Jahrzehnten zugenommen zu haben, da das Geburtsgewicht der Kinder immer weiter steigt und damit auch der Anteil der Kinder mit einem großem Kopfumfang. Das weibliche Becken konnte sich dieser raschen Entwicklung nicht anpassen. Bevor dann aber eine Geburtszange oder eine Saugglocke eingesetzt werden muss, ist ein Notfallkaiserschnitt meist die bessere Lösung. Für den Kaiserschnitt spricht auch, wenn der Mutterkuchen – die Plazenta – sich vorzeitig ablöst. Auch wenn das Kind falsch in der Gebärmutter liegt, also nicht mit dem Kopf nach unten, sondern in Quer- oder Beckenlage, ist ein Kaiserschnitt angeraten. Mehrlinge kommen oftmals sicherer mit Hilfe eines Kaiserschnitts auf die Welt. Ein Bauchschnitt ist auch dann erforderlich, wenn die Mutter unter Herzproblemen oder starkem Bluthochdruck leidet, oder wenn das Kind einen angeborenen Herzfehler hat.

Allerdings besteht nach Ansicht des Deutschen Hebammenverbands der Hauptgrund für die starke Zunahme von Kaiserschnittgeburten weniger in diesen medizinischen Gründen, sondern vor allem darin, dass die Angst vor der Geburt zugenommen hat. Eine Studie zeigt jedoch, dass Frauen, die mit Angst und Anspannung in den Kreißsaal gehen, mit einem zwei Stunden länger dauernden Geburtsvorgang zu rechnen haben.

Angst vor der Geburt ist jedoch völlig normal und betrifft alle schwangeren Frauen. Wer das erste Kind erwartet, hat vor allem Angst vor dem Schmerz und dem Ungewissen. Hier hilft ein Geburtsvorbereitungskurs, in dem Sie lernen, sich bewusst zu entspannen und richtig zu atmen. Auch Yoga oder Autogenes Training können hilfreich sein. Auf diese Weise lernen Sie, besser mit dem Schmerz umzugehen und fühlen sich weniger ausgeliefert. Denn trotz aller Risiken, die auch die natürliche Geburt mit sich bringt, scheint sie heutzutage immer noch sicherer als ein Wunschkaiserschnitt zu sein. Suchen Sie auf jeden Fall das vertrauensvolle Gespräch mit Ihrer Frauenärztin bzw. Ihrem Frauenarzt und auch frühzeitig mit Ihrer Hebamme. Sie werden sie gerne beraten.

 

01. bis 15. August 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker