Unterstützung bei Schreib- oder Rechenschwäche

Kein Kind ist gerne schlecht in der Schule. Und doch sieht es bei manchen gerade nach dem Gegenteil aus. Man erklärt der Tochter, dem Sohn mit viel Mühe ihre Fehler beim Diktat und beim Rechnen, – und bei der nächsten Lernkontrolle ist das Schulheft wieder rot von all den Anmerkungen der Lehrer. Dahinter steckt oft weder mangelnde Intelligenz noch Faulheit, sondern eine medizinisch anerkannte Teilleistungsstörung des Gehirns. Nämlich die Legasthenie und die Dyskalkulie.

 Die Legasthenie wird als Lese-Rechtschreib-Störung bezeichnet. Dies kann zusammen auftreten, aber auch getrennt voneinander. D. h., jemand kann prima lesen, aber es hapert an der Rechtschreibung, und umgekehrt. Der Grund dafür liegt in den Genen, hat eine norwegische Forschungsgruppe herausgefunden. Um aber die genaue Ursache zu erkennen, muss man die Legasthenie in weitere Teilleistungsstörungen aufgliedern. Denn das Lesen und das Schreiben sind komplexe Aufgaben für das Gehirn. Es müssen Neuronen zusammenarbeiten, die für das Erkennen von Details sowie für größere Muster zuständig sind. Weiterhin wird das bildhafte Gedächtnis angestrengt, denn wir lesen ja nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern springen mit den Augen immer etappenweise vorwärts. Hinzu kommt der syntaktische Bereich, – in ihm wird der Satzbau analysiert. Weiterhin der lexikalische Bereich – hier wird die Bedeutung der einzelnen Wörter entschlüsselt. Und der semantische Bereich – hier geht es um den Sinnzusammenhang zwischen den einzelnen Wörtern. Und vieles mehr. Das Lesen und Schreiben ist eine so komplizierte Sache, weil dabei die rechte und linke Gehirnhälfte sehr eng zusammenarbeiten müssen, dass sie Hirnforschern wie ein Wunder vorkommt. 

Störungen können nun in verschiedenen Abschnitten – von der Bilderfassung auf der Netzhaut des Auges bis zu seiner Verarbeitung im Gehirn – auftreten. An der Münchener Universität wurde schon ein erstes allerdings kostenpflichtiges Computerprogramm erarbeitet, dass den verschiedenen Ursachen der Legasthenie Rechnung trägt (www.celeco.de).

Unabhängig davon gibt es einige grundsätzliche Regeln, wie Sie Ihrem Kind helfen können. Erst einmal ist es wichtig, dass Sie Ihrem Kind die Legasthenie erklären und ihm somit das Gefühl des Versagens nehmen. Die Kinder sind dann richtig froh, dass hinter ihren schlechten Rechtschreib- und Lesenoten – und natürlich auch hinter der Dyskalkulie –  eine Störung steckt, und nicht etwa eigenes Versagen.

Pauken und nochmals pauken hilft nicht. Lernen Sie spielerisch mit Ihrem Kind, z. B. mit Gesellschaftsspielen (Nomen-Memory, Scrabble, Wort-Kniffel). Im Internet ist die folgende Adresse gut: www.legakids.de.

Nutzen Sie beim Lernen alle Sinneskanäle: Sehen, Hören, Sprechen, Schreiben. So können Sie beim Schreibenlernen schwierige Wörter nach Silben betont sprechen und die Silben mit den Händen dirigieren, z. B. Son-nen-blu-me.

Nehmen Sie schwierige Wörter in einen Karteikasten auf und wiederholen Sie sie damit.

Setzen Sie die richtigen Prioritäten: Lesen ist wichtiger als Rechtschreiben! Lesen zu können ist beispielsweise auch für Textaufgaben in Mathematik wichtig. Konzentrieren Sie sich also vor allem darauf, dass Ihr Kind lesen und das Gelesene verstehen kann. Lassen Sie Ihr Kind zuerst wortweise, später satzweise laut lesen! Üben Sie auch das leise Lesen, und stellen Sie anschließend Fragen dazu.  Wichtig ist auch, dass Sie sich nicht nur auf die Schwäche konzentrieren, sondern andere Stärken Ihres Kindes gezielt fördern.

Kommen wir  jetzt zur Dyskalkulie. Diese bildet sich wahrscheinlich erst während der ersten Begegnung mit Zahlen heraus. Ein Grund dafür kann sein, dass einem Kind nicht schon von früh die Zahlen nahegebracht werden. Dies kann man aber prima beim Einkaufen machen, nach dem Motto: „Schau, jetzt haben wir zwei Flaschen, wir nehmen noch zwei, dann haben wir vier Flaschen.“ Auch mangelhaft anschaulicher Unterricht kann zu der Störung führen, ebenso wie soziale Probleme, etwa bei Scheidungskindern.

Wichtig: Eine schlechte Schulnote sagt wenig. Notwendig ist die Erstellung eines individuellen Fehlerprofils. Ein solcher Test kann z. B. beim mathematischen Institut zur Behandlung der Rechenschwäche (www.rechenschwaeche.de) durchgeführt werden.

Auch hier gilt: nicht schimpfen, nicht pauken. Versuchen Sie den falschen Rechenweg Ihres Kindes zu begreifen. Meist denken sich Kinder etwas beim Rechnen. Wenn Sie  den Rechenweg in Teilschritte aufgliedern lassen, entdecken Sie, dass viele Rechenschritte richtig sind, und vielleicht nur an einem ein logischer Fehler drinsteckt. Dahinter steckt oft eine Gesetzmäßigkeit. Diese müssen Sie finden, und dann den richtigen Rechenweg erklären.

Stellen Sie selbst Rechenaufgaben, oder nehmen Sie sie aus einem Buch, aber benoten Sie sie nach einem anderen Prinzip: Vergeben Sie so viele mögliche Punkte, wie es Rechenschritte gibt. So kann ein Kind bei Ihnen zuhause Punkte und damit Erfolg bekommen, auch wenn die Lösung am Ende falsch ist. Damit kommen Sie den ursächlichen Fehlern nah. Zu überlegen wäre auch, Ihr Kind in einem privaten Recheninstitut anzumelden. 

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

 

01. bis 15. April 2007