Piercing – Modetrend und Körperbewusstsein

Ein beachtlicher Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen liebt Extreme, die Körper, Seele und Geist in Gefahr bringen können. Im physischen Bereich sind dies unterschiedlichste Formen des Körperkults, vor allem Tätowierungen und Piercings. In anderen Kulturen ist das Body Design eine uralte Form der Körperdarstellung, das meist einen rituellen Hintergrund besitzt.

In westlichen Ländern haben Body-Piercings und Tattoos das anfängliche soziale Schattendasein verlassen und sich zum Modetrend gewandelt. Ein Trend, den junge Menschen vielfach von Models, Schauspielern und Musikern, ihren Stars und Kultfiguren übernehmen.

Piercing bedeutet Durchbohren oder Durchstechen, das nach der Reinigung und Desinfektion der Hautstelle mit einer Hohlnadel erfolgt. Es werden Ringe oder Stäbe eingesetzt. Diese Materialien sollten aus Titan, 18-karätigem Gold, Platin, Chirurgen- beziehungsweise Implantatstahl sein; vor allem nickelfrei, da Nickel häufig Allergien oder andere überempfindliche Hautreaktionen hervorrufen kann.

Das Wort Tattoo stammt aus Tahiti und bedeutet soviel wie zeichnen oder malen. Mit Hilfe von Nadeln werden winzig kleine Farbpigmente in die Haut eingestochen. Ein Tattoo ist eine Entscheidung fürs Leben und sollte gut überlegt werden. Die Entfernung eines Tattoos gelingt meist nicht vollständig, ist außerdem extrem aufwendig, teuer und schmerzhaft.

Diese Kunst am Körper ist „in“, doch bei unsachgemäßer und unhygienischer Durchführung kann es zu Schädigungen des Gesamtorganismus kommen. So können unterschiedliche Risiken und Nebenwirkungen auftreten wie Allergien, Blutungen und Entzündungen, bis hin zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Infektionskrankheiten Hepatitis B, Hepatitis C und HIV, Nervenverletzungen und Lähmungen.

Aus diesen Gründen ist bei der Entscheidung für ein Piercing oder Tattoo die Wahl des Piercing- und Tattoo- Studios besonders wichtig. Das Studio muss einen Gewerbeschein vorlegen können. Neben der handwerklichen Tätigkeit eines Piercers oder Tätowierers ist der hygienische Standard des Studios entscheidend. Sterile Instrumente und saubere Arbeitsflächen müssen den Standards einer Arztpraxis entsprechen. Der Piercer beziehungsweise Tätowierer hat ausführlich über den Vorgang und die Nachsorge eines Piercings oder Tattoos zu informieren. Genau an dieser Informationsbereitschaft erkennen Sie schon oft die Qualität und Seriösität des Studios. Minderjährige benötigen für eine Behandlung die schriftliche Einverständniserklärung der Eltern. Gegebenenfalls sollte ein Elternteil mit in das Studio gehen und seine Einwilligung geben.

Die Nachsorge eines Piercings oder Tattoos bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Ein seriöses Studio sollte schriftliche Tipps zur Nachbehandlung mit auf den Weg geben. Allem voran geht es um sachgemäße und regelmäßige Reinigung. Der Schmuck oder das Tattoo sollte nicht ständig angefasst werden. Auch ist darauf zu achten, dass die Kleidung nicht am Piercing-Schmuck hängen bleibt und eine zugeheilte Wunde neu aufgerissen wird. Bis die Wunde verheilt ist, bitte nicht schwimmen oder sonnenbaden, keine Sauna, keine Sonnenbank und kein Leistungssport.

Die Abheilungszeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich lang und hängt von der Art des behandelten Körperteils ab. Bei länger anhaltenden Entzündungen, Schmerzen oder körperlichen Reaktionen sollten Sie sich jedenfalls an eine Ärztin oder einen Arzt oder das örtliche Gesundheitsamt wenden.

 

 16. bis 31. August 2001 Aktualisiert am 18.5.2011
© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl