Nichtrauchen - (k)ein Thema für Jugendliche?!

Wenn wir Sie heute hier am Telefon begrüßen können, dann vielleicht deshalb, weil Ihr Kind raucht, oder weil Sie Angst haben, dass es mit dem Rauchen beginnen könnte. Und tatsächlich, diese Angst ist nicht unbegründet: Rund 40 Prozent der 12- bis 25-Jährigen rauchen regelmäßig oder gelegentlich – mit steigender Tendenz. Dies meldet das Deutsche Krebsforschungsinstitut. Drei Viertel der Raucher in Deutschland haben bereits vor dem 18. Lebensjahr damit begonnen.

Als Kind oder Jugendlicher mit dem Rauchen zu beginnen, ist besonders gefährlich. Denn in diesem Alter stellen sich sowohl die Gewohnheiten als auch die Nerven im Gehirn noch besonders bereitwillig auf den blauen Dunst ein. Eine Abhängigkeit bildet sich im jungen Alter schnell heraus. Anders gesagt: „Wenn jemand als Kind und Jugendlicher mit dem Rauchen beginnt, hat er es schwerer davon loszukommen, als wenn er als Erwachsener damit beginnt.“ Die Zigarettenindustrie hat zudem einen besonderen Geschmack für die „Kinder-Zigaretten“ entwickelt. Diese „Kinderzigaretten“ schmecken süß und lecker nach Lakritz und nicht nach starkem Tabak. Sie enthalten auch mehr Menthol, um das ansonsten schmerzhafte Inhalieren zu erleichtern.

Eines mal vorneweg: Abschreckung hilft nicht. Es beeindruckt keinen zwölfjährigen, wenn Sie ihm sagen, dass er durch das Rauchen dann mit 40 vielleicht Asthma, Lungenkrebs, Durchblutungsstörungen oder Herzprobleme bekommen könnte. Denn für jedes Kind, jeden Jugendlichen sind alle über 40 Jahre „uralt“. Dass sie selbst auch einmal so „uralt“ werden, liegt einfach jenseits ihrer Vorstellungskraft.

Um also Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, muss man verstehen, warum sie überhaupt damit beginnen. Hier gibt eine Umfrage des Schweizer Bundesgesundheitsamtes Aufschluss. Demnach machen die meisten Jugendlichen ihre ersten Rauchererfahrungen gemeinsam mit Freundinnen und Kollegen oder an einem Fest. Nur wenige greifen allein für sich zur ersten Zigarette. Auf die Frage nach den Gründen für das Rauchen antworteten die Befragten am häufigsten damit, dass auch die Freunde rauchen, und dass die Zigarette schmeckt.

Werden die Gründe nach dem Alter aufgeschlüsselt, unterscheiden sich diese zum Teil deutlich:

  • 13- bis 16-jährige zünden hauptsächlich eine Zigarette an, weil die anderen rauchen oder weil Rauchen cool ist.
  • 17- bis 19-jährige rauchen öfter aus Gewohnheit, zur Entspannung oder weil sie nicht mehr aufhörten können. Das heißt, bereits nach wenigen Jahren tritt in den Antworten klar die Abhängigkeit von Nikotin zutage. Viele suchen nun die beruhigende Wirkung des Nikotins.


Interessant ist auch noch, dass die meisten Jugendlichen denken, sie könnten jederzeit wieder mit Rauchen aufhören. Kaum jemand von ihnen plant eine so genannte Raucherkarriere. Sie stellen sich vor, dass sie jetzt rauchen, solange es cool und angesagt ist, dass sie aber irgendwann wieder damit aufhören. 
Dass sie jederzeit wieder davon lassen, das ist in dem Moment, in dem sie es sagen, ernst gemeint und auch vorstellbar. Die folgenden Jahre sind dann geprägt von angenehmen Gefühlen unter dem Nikotineinfluss. Ganz unbemerkt aber beginnen sie mehr zu Rauchen, weil eine Gewöhnung eintritt. Der Nikotinkick wird immer flacher, der Rausch immer kürzer, und das Verlangen nach der Zigarette stellt sich immer schneller ein. Bis die Jugendlichen bemerkt haben, dass es ohne Zigarette gar nicht mehr geht, sind sie voll drin in der Sucht. Und jetzt kommen sie nicht mehr ohne weiteres heraus.

Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind über dessen Rauchverhalten ins Gespräch kommen. Dazu müssen Sie sich zuerst einmal klar darüber werden, dass es für sie leichter ist, auch zu rauchen, als nicht zu rauchen. Denn wenn jeder in der Clique raucht, gehört schon eine gute Portion Selbstbewusstsein dazu, „nein“ zur Zigarette zu sagen. Dass zu tun, was nur wenige machen, dazu gehört Mut. Aber genau hier können Sie Ihre Kinder auch packen: Drehen Sie die Argumentation um. Fragen Sie sie, ob es denn wirklich cool ist, das zu nachzumachen, was alle machen? Oder ist es nicht viel cooler, viel individueller, wenn Ihr Kind sagen kann, „ich laufe nicht den anderen nach, sondern mache, was ich will! Ich bin schließlich kein Herdenvieh“.

Gut ist es, Verträge zu schließen. Ein Vertrag kann so aussehen, dass Sie Ihr Kind belohnen, wenn es bis 18 nicht raucht. Machen Sie selbst es sich dabei immer klar, dass es von einer starken Persönlichkeitsstruktur zeugt, nicht mitzurauchen, sondern vielleicht mit einer Freundin, einem Freund eine eigene Clique zu bilden, die Nichtraucherclique. Solange Sie Einfluss auf Ihr Kind haben, sollten Sie diesen auch einsetzen. Denn wie anfangs erwähnt, kommt ein Erwachsener, der mit dem Rauchen beginnt, leichter wieder davon los, als wenn ein Kind damit beginnt.

Auch die LZG will ihren Einfluss wahrnehmen. In dem Projekt „Be smart – don’t start“ werden Verträge mit Schulklassen abgeschlossen. Wenn eine ganze Klasse sechs Monate nicht raucht, nimmt sie an einer Verlosung mit attraktiven Geld- und Sachpreisen teil.

Weitere Informationen, die auch für junge Menschen interessant sind, finden Sie zusammengestellt auf unserer Internetseite www.bestrong-beclean-feelgood.de.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

 

1. bis 15. November 2005