Mobbing in der Schule

Mobbing? "Ist doch alles übertrieben", oder: "So etwas passiert meinem Kind doch nicht!" Viele Eltern denken so. Denn es ist oft schwer zu unterscheiden, ob es um kurzzeitige Konflikte, Streitereien, aggressive Auseinandersetzungen geht, oder aber um   systematisches Ausgrenzen eines einzelnen Schülers oder einer einzelnen Schülerin. Das Wort Mobbing leitet sich von "Mob", also der Gruppe ab.

Denn Mobbing findet in Gruppen statt, die über lange Zeit zusammengeschweißt sind, wie in einer Schulklasse. Es entwickeln sich Machtstrukturen. Diese können dazu führen, dass eine Gruppe von Tätern ein einzelnes unterlegenes Opfer regelmäßig und über eine längere Zeit schikaniert. Neben körperlicher Gewalt und Sachbeschädigung nutzen die Täter auch ausgeklügelte Methoden, die Eltern und Lehrer oft nicht mitbekommen. Dazu gehören Hänseleien, Bedrohungen und Erpressungen, üble Nachrede oder systematisches Ignorieren. Es scheint so zu sein, dass Mädchen eher versteckt mobben, indem sie ausgrenzen, lästern und - wie es im Jugendjargon heißt "dissen", also verbal angreifen und "distress" erzeugen. Jungs üben häufiger körperliche Gewalt aus. Pädagogen sprechen dann auch von Bullying. Das leitet sich vom englischen Wort "bully" für brutaler Kerl ab. Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig schikaniert werden, zwischen fünf und elf Prozent.

Typisch sind in einer Schulklasse, in der gemobbt wird, die folgenden Rollen: Es gibt die unmittelbaren Täter und das unmittelbare Opfer. Es gibt aber auch Assistenten, die den Tätern helfen und Verstärker, welche - vielleicht nur durch gutheißende Worte - die Taten weiter anfeuern. Weiterhin gibt es viele Zuschauer, die sich nicht aktiv beteiligen und sich aus allem heraushalten. Und manchmal sind glücklicherweise auch einige Kinder dabei, die mutig Partei für das gemobbte Opfer ergreifen.

Mobbing kann Kinder aus jeder Schicht treffen. Voraussetzung ist immer, dass das Opfer in eine Position der Schwäche gerät. Dazu reicht es aus, dass es irgendwie anders ist als die anderen Kinder, zum Beispiel einen Sprechfehler hat oder besonders schmächtig aussieht. Es können Schüler betroffen sein, die ängstlich oder überangepasst sind. Ein auffälliges oder andersartiges Aussehen, Ungeschicklichkeit, besondere Gutgläubigkeit oder Hilflosigkeit machen ein Kind ebenfalls leicht zum Opfer. 

Mobbing funktioniert deswegen, weil die Opfer lange Zeit mitspielen, indem sie das Problem bei sich selbst suchen. Nur selten informiert ein Schüler oder eine Schülerin die Eltern oder Lehrer. Das betroffene Kind hat es also doppelt schwer. Zuhause versucht es, sich nichts anmerken zu lassen. In der Schule versucht es, die Schikanen irgendwie zu überstehen. Die Folgen wirken sich auf die Persönlichkeit aus: Das Kind verliert sein Selbstvertrauen, womit es noch anfälliger für die Schikanen wird. Es fühlt sich isoliert und einsam. Und es hat Angst vor jedem Tag, an dem es wieder in die Schule muss. 

Auch zuhause ändert sich das Verhalten des Kindes. Es ist wichtig, dass Sie bei den folgenden Anzeichen aufmerksam werden:

  • Ihr Kind will nicht mehr in die Schule.
  • Es möchte gebracht und abgeholt werden.
  • Die schulische Leistung lässt nach.
  • Es verliert angeblich immer wieder Geld, Kleidung, Schuhe, Handy (das könnte heißen, dass es erpresst wird).
  • Die Kleidung ist häufig zerrissen und verschmutzt.
  • Ihr Kind hat immer wieder Verletzungen, Schürfungen, Prellungen, für die es keine vernünftige Erklärung geben kann.

Auch Stottern, Alpträume, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten sind Anzeichen dafür, dass in der Schule etwas nicht stimmt. Manche Opfer ziehen sich auch extrem zurück, verletzen sich selber oder unternehmen in ihrer Verzweiflung sogar einen Selbstmordversuch. 

Wenn Sie an Ihrem Kind derartige Anzeichen bemerken, dann braucht es Ihre Hilfe. Die Qualen eines gemobbten Kindes darf man auf keinen Fall unterschätzen. Machen Sie ihm zuallererst klar, dass Sie hinter ihm stehen und dass es sich auf Sie verlassen kann. Wenden Sie sich nicht vorschnell an die Täter, das könnte das Gegenteil des Gewünschten bewirken. Aber sprechen Sie mit den Lehrern, notfalls auch mit der Schulleitung, dem Elternbeirat oder mit einer Beratungsstelle.

Denn generell ist Mobbing ein Anzeichen für eine gestörte Kommunikation innerhalb der Klasse: Die Opfer werden isoliert, die Täter bekommen keine Rückmeldung über die Auswirkungen ihrer Schikane, und die passiven "Zuschauer" sind ratlos oder haben selbst Angst. In vielen Schulen gibt es mittlerweile auch "Streitschlichter", an die sich die Kinder als erste Anlaufstelle wenden können.

In vielen Städten werden deshalb für Schulklassen Gewaltpräventionsprogramme angeboten. Dies ist eine geleitete Gruppenarbeit, in der Rollenspiele unter pädagogischer Aufsicht durchgeführt werden. Sie sollen das "Wir-Gefühl" in einer Gruppe stärken. Sie sollen auch helfen, den zusehenden Mitschülern und möglichst auch den Tätern klar zu machen, welchen psychischen Schaden die gemobbten Kinder erleben. Oft ist das den anderen nämlich gar nicht so bewusst. Eine Aufgabe von Lehrern ist es zudem, in der Klasse klar Stellung zu beziehen, sowie Klassenregeln als vorsorgliche Maßnahmen gegen das Mobbing zu vereinbaren. Weitere Adressen und Informationen zu Hilfsangeboten finden Sie im Internet unterwww.gewalt-tut-weh.de

Diesen und weitere Texte finden Sie auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

01. bis 15. Juni 2009 
© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl