Asthma bei Kindern

Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, bei Kindern ist es sogar die häufigste überhaupt: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren und jedes achte Kind unter zehn Jahren ist betroffen. Bei Asthma handelt es sich um eine chronische Entzündung der Atemwege. Diese führt zu einer Verengung der Atemwege, hervorgerufen durch Anschwellen der Schleimhäute, einer vermehrten Bildung von zähem Schleim und einer Verkrampfung der Bronchien.

Alle drei Veränderungen führen schließlich zu Atemnot, wobei besonders das Ausatmen schwer fällt. Dieser Zustand kann sich anfallsweise verstärken, vor allem dann, wenn das betroffene Kind mit einem der Asthmaauslöser Kontakt hat. An erster Stelle sind dies Birke-, Haselnuss und Gräserpollen, Hunde- oder Katzenhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen und manchmal Nahrungsmittel. Grundsätzlich können alle Allergene, die Heuschnupfen verursachen, auch zu Asthma und Asthmaanfällen führen. Da die Bronchien generell überempfindlich geworden sind, vertragen sie oft zudem weder Kälte und Staub noch körperliche Anstrengungen – vor allem, wenn Maximalleistungen gefordert sind, wie etwa beim Sprinten oder Squash-Spielen. Auch überwältigende Emotionen, wie Angst, Ärger oder große Freude, sind dazu in der Lage, einen Anfall auszulösen.

Sie sehen, die Asthma-Auslöser sind ganz unterschiedlicher Art. Deshalb wird Asthma eingeteilt in "vorwiegend allergisch" und in "nicht allergisch". Diese Auslöser zu kennen, ist ganz wichtig, um Ihr Kind weitgehend davon fernzuhalten. Allerdings wird Ihnen die Ärztin oder der Arzt vorab nicht alle Auslöser und Gefahren nennen können, da Asthma eine komplexe Erkrankung ist, die sich unterschiedlich auswirkt. Genauso wichtig wie der ärztliche Rat ist es deswegen, dass Sie selbst zu Experten werden und lernen, den Zustand der Bronchien einzuschätzen. Das gilt für Sie als Eltern und gleichermaßen für Ihr asthmakrankes Kind. So kann es spüren, wie viel Belastung es verträgt und notfalls schnell die Gefahrenzone meiden. Dies gilt auch für den Sport. Lange Zeit wurden asthmakranke Kinder vom Sportunterricht befreit, um sie zu schonen. Nach heutigem Erkenntnisstand ist dies jedoch nicht der richtige Weg. Denn zum einen fühlen sich die Kinder ausgegrenzt und zum anderen wirkt sich eine gut dosierte körperliche Anstrengung positiv auf die Atemwege aus. Empfohlen wird daher, betroffene Kinder am Sportunterricht teilnehmen zu lassen. Geeignet sind viele Sportarten, insbesondere Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Fußballspielen. Sportarten mit kurzfristigen Höchstleistungen sollten allerdings vorsichtig angegangen werden. Ganz wichtig ist auch, dass das Kind immer sein Notfallspray dabei hat, sollte es zu plötzlicher Atemnot kommen. Generell muss die Sportlehrerin oder der Sportlehrer beziehungsweise die Trainerin oder der Trainer über die Krankheit Ihres Kindes informiert sein, damit es zwar gefordert, aber nicht überfordert wird.

Auch wenn sich die Fachmeinung zum Thema Sport geändert hat, in einem anderen Punkt, der besonders für Kinder wichtig ist, gibt es keine Entwarnung: bei Haustieren. Tiere mit Fell, die im Haus leben, sind für Kinder mit überwiegend allergischem Asthma tabu. Man kann zu nahezu 100 Prozent vorhersagen, dass Kinder mit Heuschnupfen oder einer Milbenallergie Asthma entwickeln, wenn ein solches Haustier zuhause einziehen würde. Hier müssen Sie leider als Eltern konsequent bleiben und sollten Ihrem Kind zuliebe die Haltung eines Haustieres nicht erlauben.

Möchten Sie Ihrem Kind eine möglichst unbeschwerte Kindheit ermöglichen, fällt Ihnen als Eltern ohnehin eine verantwortungsvolle Aufgabe zu. Höchst wahrscheinlich ist Ihr Kind verunsichert und hat permanent Angst vor einem Asthmaanfall. Hier ist von Ihnen viel Geduld und Einfühlungsvermögen gefordert, denn Ihr Kind braucht Sie, wenn es sich verzweifelt, ängstlich und mutlos fühlt. An anderen Tagen wird es vielleicht auch wütend sein und rebellieren, wenn es der Krankheit zuliebe wieder einmal auf etwas verzichten muss. Sie können Ihrem Kind sein Schicksal nicht ersparen, aber Sie können ihm helfen. Informieren Sie sich, denn je mehr Sie von dieser Krankheit wissen, desto berechenbarer wird sie und desto genauer können Sie ausloten, was Ihr Kind darf und verträgt. Das verringert das Risiko eines Anfalls und vermeidet unnötige Einschränkungen.

Nach den heutigen Kriterien wird Asthma übrigens nicht mehr nach Schweregraden eingeteilt, sondern nach Kontrollierbarkeit. Es gibt „kontrolliertes“, „teilweise kontrolliertes“ und „nicht kontrolliertes“ Asthma, abhängig davon, wie gut ein Patient auf eine Behandlung anspricht. Und natürlich auch abhängig davon, wie zuverlässig die Medikamente eingenommen werden oder ob eine Desensibilisierung durchgeführt werden kann. Die Desensibilisierung, auch Immuntherapie genannt, ist eine Art Impfung gegen die anfallauslösenden Allergene. Sie funktioniert heute auch ohne Spritze, und zwar ganz einfach oral mit Tropfen oder Tabletten. Sie ist ein wesentlicher Faktor, um Asthma kontrollierbarer zu machen. Auch der Welt-Asthma-Tag am 7. Mai 2013 macht unter dem Motto "You Can Controll Your Asthma" auf die Kontrollierbarkeit aufmerksam. Erklären Sie dies auch Ihrem Kind: Die Krankheit ist nicht heilbar, aber kontrollierbar! Und abgesehen davon bestehen gute Chancen, dass sich die Krankheit auswächst oder zumindest mit dem Älterwerden verbessert.

 

01. bis 15. Mai 2013

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker