Was bei Fruktose-Unverträglichkeit hilft

16. bis 31. Januar 2015

Es rumort in Bauch und Darm, vor allem nach dem Essen. Da liegt es nahe, an eine Lebensmittelunverträglichkeit zu denken. Unverträglichkeiten können bei vielen Lebensmitteln auftreten, besonders häufig sind sie bei Milch, Weizen oder Obst. Bei einer Laktose-Unverträglichkeit, beispielsweise, ist der Milchzucker der Auslöser.

Bei Glutenintoleranz werden Produkte aus Weizenmehl, wie Nudeln oder Brot nicht gut vertragen. Bei einer Fruktose-Unverträglichkeit ist es der Fruchtzucker der Bauchschmerzen bereitet. Fruchtzucker – auch Fruktose genannt – kommt in der Natur vor, hauptsächlich in Obst, einigen Gemüsesorten sowie in Honig, Haushaltszucker und Rohrzucker. Fruktose wird über die Nahrung aufgenommen, im Darm resorbiert und dann in der Leber in den Kohlenhydratstoffwechsel eingebracht.

Aus medizinischer Sicht gibt es zwei Formen von Fruktose-Unverträglichkeit. Das ist zum einen die erbliche Fruktose-Intoleranz, die sich schon im Säuglingsalter bemerkbar macht. Zum anderen ist es die Fruktose-Aufnahmestörung, die meist erst später erworben wird. Die beiden Erkrankungen äußern sich unterschiedlich, obwohl sie beide unter dem allgemeinen Begriff „Unverträglichkeit“ zusammengefasst werden.

Schauen wir uns zunächst die erbliche Form an. Hier führt eine Genveränderung dazu, dass ein bestimmtes Enzym (die so genannte Fruktose-1-Phosphat-Aldolase) weniger aktiv ist. Dieses aber wird im Darm für die Aufspaltung und Verstoffwechselung von Fruktose gebraucht. In Folge wird die über die Nahrung aufgenommene Fruktose nicht in ausreichendem Maße abgebaut und reichert sich in einer leicht veränderten Form vor allem in Leber, Nieren und Dünndarm an. Das bedeutet, dass die Fruktose dort fehlt, wo sie gebraucht wird, nämlich im Stoffwechsel. Es kommt zu Unterzuckerungen, die sich durch Zittern, Blässe, Schweißausbrüche, Lethargie oder Krampfanfälle äußern können. Da diese Symptome der erblichen Fruktose-Unverträglichkeit schon im Säuglingsalter auftreten – nämlich dann, wenn von Muttermilch auf Folgemilch, Früchte und Säfte umgestellt wird – sollte das Kind sofort einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin vorgestellt werden. Bestätigt sich der Verdacht, muss das Kind von nun an jede Form von Fruktose vermeiden. Dies ist die einzige Möglichkeit der Behandlung, da es keine medikamentöse Therapie gibt. Wird die Fruktose-Diät nicht strengstens eingehalten, drohen Wachstumsstörungen oder schwere Leber- und Nierenschädigungen.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es eine Liste mit fruktosehaltigen Nahrungsmitteln. Darunter fallen Obst, Beeren, einige Gemüsesorten, sowie Getreideprodukte. Auch in Fertigprodukten, Haushaltszucker, in Zuckerersatzstoffen oder in Honig ist Fruktose enthalten. Zuckerhaltige Lebensmittel sind also tabu, darunter auch Mayonnaise, Ketchup und Fertigsoßen. Darüber hinaus müssen auch mit Sorbit hergestellte „Diabetiker-Nahrungsmittel“ vermieden werden. Erlaubt sind Brokkoli, Spargel, Spinat, Kopfsalat, Feldsalat, Gurken, Radieschen und Tomaten. Auch Pilze, Zitronen und Kartoffeln dürfen in Maßen gegessen werden. Milch, mageres Fleisch, Fisch und Eier können ebenfalls auf dem Speiseplan bleiben. Unser Tipp: Wenn Sie betroffen sind, suchen Sie einen Ernährungsberater oder eine Ernährungsberaterin auf, der oder die Ihnen einen individuellen Ernährungsplan zusammenstellt. Denn wichtig ist nicht nur der Verzicht auf Fruktose, sondern auch die gezielte Zufuhr von Ballaststoffen und Vitamin C.

Häufiger und meist weniger dramatisch verläuft die Fruktose-Aufnahmestörung, die nicht angeboren ist und meist erst im Laufe der Jahre erworben wird. Hier ist der Fruktosetransport in die Zellen des Dünndarms gestört. Der Fruchtzucker wird somit im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen, gelangt in den Dickdarm und wird dort von Bakterien abgebaut. Dabei entstehen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, breiige, zum Teil übel riechende Stühle und Durchfall. Während der Zuckeraustauschstoff Sorbit die Beschwerden verstärkt, wird Haushaltszucker meist gut vertragen. Bei einer Fruktose-Aufnahmestörung müssen Betroffene nicht so streng auf Fruktose verzichten, wie bei der erblichen Form. Wie viel Fruktose vertragen wird, kann ein Ernährungsmediziner individuell ermitteln. Dazu führt er nach der Aufnahme von Fruktose einen Wasserstoff-Atemtest durch und misst über die Ausatemluft, ob Darmgase, die beim Mensch nur bei bakterieller Zersetzung entstehen, enthalten sind. Eine andere Diagnosemöglichkeit ist die Vermeidungsdiät. Betroffenen wird es bei Vermeidung von Fruktose besser gehen. Auch kann ein Provokationstest durchgeführt werden – nach der Aufnahme von hoch dosierter Fruktose verstärken sich die Symptome massiv. Als Hausnummer kann ein Fruktosegehalt von 1 bis 5 g pro 100 g Lebensmittel noch als verträglich bezeichnet werden. Bei manchen Betroffenen reicht es sogar aus, auf besonders fruktosehaltige Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Trauben oder Pflaumen zu verzichten. Die Angst, dem Körper zu wenig Vitamine zuzuführen ist meist unbegründet, da es genügend fruktosearme Obst- und Gemüsesorten gibt, wie zum Beispiel Bananen, Avocados, Paprika, Auberginen, Tomaten und Zucchini. Es geht also bei einer Fruktose-Aufnahmestörung nicht darum insgesamt weniger, sondern anderes Obst oder Gemüse zu essen.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de;
Redaktion: Marielle Becker

Links 

Listen mit dem Fruktose- beziehungsweise Sorbitgehalt verschiedener Nahrungsmittel
zusammengestellt von dem Deutschen Ernährungsberatungs- und informationsnetz.

Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) „Essen und Trinken bei Fructosemalabsorption“. Erhältlich gegen geringes Entgelt unter: www.dge-medien-service.de, Telefon 0228 90926-26.