Hämorrhoiden richtig erkennen und behandeln

16. Dezember 2015 bis 04. Januar 2016

Es juckt am Po, es brennt, nässt oder blutet sogar – und doch geht kaum jemand gerne deswegen zum Arzt. Zu groß ist oftmals die Scham vor der Untersuchung. Doch das, worüber betroffene Menschen nur ungern sprechen, stellt für die Ärztin oder den Arzt ein alltägliches Krankheitsbild dar: das Hämorrhoidalleiden.

Schließlich ist fast jeder Dritte über 30 Jahren und jeder zweite über 50 Jahren von der Erkrankung betroffen, so der Berufsverband der Deutschen Internisten.

Zunächst einmal handelt es sich bei Hämorrhoiden um eine normale anatomische Struktur, die bestimmte Funktionen erfüllt, und nicht um eine Krankheit. Diese Struktur besteht aus einem Polster aus Blutgefäßen, die sich hinter dem Schließmuskel im After befinden. Hier dichten sie den Enddarm nach außen ab und verhindern gemeinsam mit dem Schließmuskel, dass Stuhl austritt.

Vom Krankheitsbild Hämorrhoiden spricht man erst dann, wenn die Blutgefäßpolster quasi ausgeleiert sind. Dann schließen sie nicht mehr dicht, es dringt Flüssigkeit aus dem Darm, welche die Haut am After reizt. Die Haut beginnt zu brennen oder zu jucken. Ein solches Ausleiern geschieht, wenn auf die Blutgefäßpolster für längere Zeit Druck ausgeübt wird, zum Beispiel während eines starken Pressens auf der Toilette und bei langen Stuhlgangsitzungen. Ursächlich ist hierfür unter anderem ein harter Stuhl, der auf der Toilette mühsam herausgepresst werden muss.

Krankhafte Hämorrhoiden werden in vier Stadien eingeteilt. Zu Beginn, also in Stadium eins, sind die Gefäßpolster leicht vergrößert, was jedoch von außen nicht sichtbar ist. Gelegentlich können sie nach zu starkem Pressen hellrote Blutungen verursachen. Im zweiten Stadium sind die Hämorrhoiden bereits deutlich vergrößert. Sie sind mit dem Finger selbst tastbar. Beim Stuhlgang können sie aus dem After austreten, ziehen sich dann aber schnell wieder zurück. Weitere Beschwerden wie Brennen, Juckreiz und Blutungen treten jetzt regelmäßig auf. Im dritten Stadium können die Hämorrhoiden auch bei schwerer körperlicher Arbeit und längerem Laufen aus dem After herausrutschen. Jetzt verursachen die Hämorrhoiden andauernd brennende Schmerzen, denn sie wurden durch den Stuhlgang bereits wundgescheuert und nässen. Noch aber können die Hämorrhoiden mit den Fingern zurückgedrückt werden, der Arzt spricht von einem reponierbaren Zustand. Im vierten Stadium ist ein Zurückdrücken nicht mehr möglich. Zudem befindet sich auf der Oberfläche der Hämorrhoiden ein dauerhaftes Wundgeschwür, was schmerzhaft sein kann. Oft bestehen auch Probleme, den Stuhl zu halten.

Um es nicht zu einer solchen Krankheitsentwicklung kommen zu lassen, ist es wichtig, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Spätestens bei Blut im Stuhl sollte eine proktologische Praxis – das ist eine Fachpraxis für Enddarmerkrankungen –  aufgesucht werden. Denn von alleine gehen die vergrößerten Hämorrhoiden nicht mehr weg. Da Blut im Stuhl ebenfalls ein erstes Warnzeichen für Darmkrebs sein kann, ist der frühzeitige Arztbesuch auch zum Ausschluss dessen nötig.

Bei der Untersuchung tastet die Ärztin beziehungsweise der Arzt den Enddarm vorsichtig mit einem Finger aus, um knotige Veränderungen und Einengungen zu fühlen. Danach führt er ein Proktoskop in den Enddarm ein. Das ist ein dünnes Metallrohr mit Lichtquelle, mit dem die Ärztin oder der Arzt das Darminnere betrachten kann. Für diese Untersuchung ist es wichtig, dass die zu untersuchende Person vorher Stuhlgang hatte und ihren Analbereich gereinigt hat. Eine vorherige Darmspülung, etwa mit einem Klistier aus der Apotheke, ermöglicht eine genauere Untersuchung.

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Hämorrhoiden. Im Stadium eins kommt die sogenannte Verödung zum Einsatz. Hier wird ein Wirkstoff in die Hämorrhoiden hineingespritzt, der bewirkt, dass die Venen in dem ausgeleierten Blutpolster vernarben und sich schließen. Unterstützend können juckreizmindernde Salben verordnet werden, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Hamametum (Zaubernuss). Auch Zäpfchen und Salben mit dem lokalen Betäubungsmittel Lidocain sind wohltuend. Im Stadium zwei wird die sogenannte Gummibandligatur angewendet. Der Arzt stülpt einen winzigen Gummiring über die Hämorrhoiden. Das überschüssige Gewebe bekommt dann kein Blut mehr und fällt innerhalb der nächsten zwei Wochen ab. In den Stadien drei und vier werden die sich heraus wölbenden Hämorrhoiden operativ entfernt. Hier gibt es jedoch mittlerweile schonende Verfahren, die in einer sogenannten Tageschirurgie vorgenommen werden –  also eine ambulante Operation mit anschließender Beobachtung über einige Stunden. Die Patienten sind bereits am darauffolgenden Tag gesundheitlich kaum mehr beeinträchtigt.

Da ein Hämorrhoidalleiden allerdings wieder auftreten kann, ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass der Stuhlgang nicht mehr mit großem Drücken und Pressen heraus befördert werden muss. Durch eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse und Obst wird der Stuhl weicher. Eineinhalb bis zwei Liter Wasser Trinkmenge am Tag und regelmäßige Bewegung sind ebenfalls hilfreich.  

 

 © Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de,
Redaktion: Marielle Becker

 

Weiterführende Links zum Thema:

Eine etwas ausführlichere Darstellung des Krankheitsbildes mitsamt anschaulichen Skizzen bietet der Berufsverband Deutscher Internisten

Regionale Suche nach Darmspezialisten

Patienteninformation zur Früherkennung von Darmkrebs