Ruhelose Beine? Das Restless-Legs-Syndrom

16. bis 31. August 2015

Es ist eine Qual: Kaum hat man es sich so richtig schön gemütlich gemacht, geht das große Kribbeln und Zucken los: Die Beine machen sich selbstständig und wollen sich bewegen. Damit gehen Missempfindungen einher: Es zieht, reißt, kribbelt, juckt, brennt oder bohrt. Bei einigen Betroffenen stellen sich zusätzlich unwillkürliche Zuckungen ein, die alle 20 bis 40 Sekunden auftreten.

Betroffen sind meist die Beine, das Syndrom kann sich auch auf die Arme oder die Brustwand erstrecken. Wie stark sich die Beschwerden bemerkbar machen, ist individuell unterschiedlich. Sie bessern sich erst mit dem Aufstehen und Umherlaufen. Doch was tun, wenn das Unruhegefühl im Theater oder Kino auftritt? Oder beim Autofahren? Oder nachts?

Das Restless-Legs-Syndrom, kurz auch als RLS bezeichnet, ist ein relativ häufiges Krankheitsbild, rund 10 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Lange Zeit galt es als bloße Befindlichkeitsstörung, doch mittlerweile wird es den Schlafstörungen zugeordnet, da vor allem das Ein- und Durchschlafen stark beeinträchtigt wird. Es tritt ausschließlich in Zeiten der körperlichen Ruhe auf, meist in den Abend- und Nachtstunden. Die Zuckungen führen zu kurzen Weckreaktionen. Dadurch verliert der Schlaf an Erholungsqualität. Auch Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, depressive Episoden und sogar Angsterscheinungen können im Gefolge der Krankheit auftreten.

Wer vom Restless-Legs-Syndrom betroffen ist, sollte eine Neurologin beziehungsweise einen Neurologen oder eine Praxis für Schlafmedizin aufsuchen. Oft kann schon alleine aus der Schilderung der Beschwerden die richtige Diagnose gestellt und die zutreffende Ursache gefunden werden.

Nach aktuellem Forschungsstand entsteht RLS durch eine Störung bei der Übertragung des Botenstoffs Dopamin in Gehirn und Rückenmark. Diese kann genetisch bedingt oder durch Eisenmangel und Nierenfunktionsstörungen verursacht sein. Auch bestimmte Medikamente wie beispielsweise einige Antidepressiva, Mittel gegen Übelkeit und Neuroleptika können diese Unruhe ausgelösen.

Wenn eine externe Ursache, wie Medikamente, die Symptome verursacht haben, verschwinden diese nach Ausschaltung dieses Faktors wieder. Lindernd wirken sich Massagen und kalte Fußbäder vor dem Schlafengehen aus. Steckt ein Eisenmangel dahinter, hören mittels Eiseninfusionen oder regelmäßiger Einnahme von Eisenpräparaten die Missempfindungen auf, denn der Körper benötigt Eisen, um Dopamin im Gehirn zu produzieren.

Wer in besonderen Situationen sicher stellen will, dass für gewisse Zeit keine Zuckungen oder Gefühlsstörungen auftreten, dem hilft die Substanz „Levodopa“, kurz „L-dopa“ genannt. Hierbei handelt es sich um einen Vorläufer des Botenstoffs Dopamin, dessen Wirkung vier bis fünf Stunden anhält. Bei schwereren Symptomen kann die tägliche Einnahme eines länger wirksamen Dopamin-Agonisten sinnvoll sein, das ist ein Medikament, das wie Dopamin wirkt. Helfen die Medikamente nicht, werden manchmal auch Opioide eingesetzt. Diese bewirken, dass der Körper generell wieder entspannt.

Trotz der guten Erfolge von Dopaminagonisten und Eisengaben gibt es immer wieder Patientinnen und Patienten, bei denen diese Therapien nicht helfen. Neuere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass dem RLS auch ganz andere Ursachen zugrunde liegen könnten. So hat eine finnische Studie aus dem Jahr 2014 gezeigt, dass eine gestörte Blutzirkulation in den unteren Extremitäten ebenfalls eine Ursache sein kann. Genau gesagt wird vermutet, dass auch die sogenannte Mikrozirkulation gestört ist, womit der Blutfluss im Unterhautfettgewebe und in der äußeren Muskulatur bezeichnet wird. Hier wird weiter geforscht.

Einen Sonderfall in der Behandlung stellen schwangere Frauen dar. Jede dritte bis vierte von ihnen leidet an einem RLS. Meist treten die Symptome im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Die Ursache konnte bisher nicht gefunden werden. Einige Forscher vermuten einen Eisenmangel. Andere sehen als Verursacher die weiblichen Hormone wie Prolaktin, Progesteron und Östrogen. Nach der Geburt kommt es in der Regel zu einer deutlichen Besserung oder zum vollständigen Verschwinden der Symptome. Um sicher zu gehen, dass hormonhaltige Medikamente gegen Beschwerden in den Wechseljahren das Restless-Legs-Syndrom nicht begünstigen, kann es ratsam sein, dass betroffene Frauen anschließend auf die Pille und später auf eine Hormonbehandlung verzichten.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de, Redaktion: Marielle Becker, Mail: mbecker(at)lzg-rlp.de

Weiterführende Links zum Thema:

Die  Deutsche Restless Legs Vereinigung klärt über das Syndrom, die Ursachen und mögliche Behandlungsmethoden auf.