Die Schilddrüse – Kleines Organ mit großem Einfluss

1. bis 15. April 2015

Die Schilddrüse befindet sich im Bereich des Kehlkopfes, vor und zu beiden Seiten der Luftröhre. Sie besteht aus einem rechten und einem linken Seitenlappen. Da beide miteinander verbunden sind, spricht man auch von einem schmetterlingsförmigen Organ. Mit einem Normgewicht von nur 20 bis 30 Gramm bei einem gesunden Menschen ist sie ein winziges Organ – und dennoch lebenswichtig.

 

Erkrankungen der Schilddrüse sind häufig, werden aber leider oft unterschätzt. Das ist fatal, denn Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf nahezu den gesamten Stoffwechsel. Sie steuern die Geschwindigkeit der ablaufenden Funktionen. Versagt diese Steuerung – etwa durch eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse – kann dies Einfluss auf Gewicht, Wärmehaushalt, Sexualfunktionen und allgemeine Vitalität haben. Zudem besitzen Schilddrüsenhormone Eigenschaften, welche die psychische Grundstimmung verändern und zu deutlichen Wesensveränderungen führen können. Deshalb können Schilddrüsenerkrankungen möglicherweise die Ursache von Depressionen und Angstzuständen sein.

Die Hauptfunktion des Organs ist die Bildung jodhaltiger Schilddrüsenhormone. Diese Hormone sind Thyroxin – kurz T3 genannt – und Tetrajod-Thyronin – abgekürzt T4. Die Produktion von T3 und T4 wird mit Hilfe des Hormons TSH, welches von der Hirnanhangsdrüse gebildet wird, je nach Bedarf angefeuert oder gebremst.

Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone und der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Anzeichen hierfür können sein: Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Ruhelosigkeit, beschleunigter Puls, Zittern, Durchfälle, übermäßiges Schwitzen, Schlafstörungen oder Zyklusstörungen. Oft liegt der Überfunktion ein Jodmangel über längere Zeit zugrunde. Die Schilddrüse versucht nämlich dann, dieser Unterversorgung entgegenzuwirken. Sie bildet autonomes Gewebe, auch bezeichnet als „warmer“ beziehungsweise „heißer Knoten“, und vergrößert sich somit. Die Vergrößerung der Schilddrüse, der sogenannte Kropf, beginnt nun unkontrolliert damit, so viele Schilddrüsenhormone zu produzieren, wie er Jod als Betriebsstoff erhält. Wenn dem Körper plötzlich wieder vermehrt Jod zugeführt wird, können auch ganz unvermittelt die zuvor geschilderten Symptome auftreten.

Eine besonders ausgeprägte Form der Schilddrüsenüberfunktion ist Morbus Basedow. Bei dieser Krankheit produziert das Immunsystem Abwehrstoffe gegen Strukturen der Schilddrüse, wodurch sie dazu angeregt wird, immer mehr Hormone zu bilden. Kennzeichen sind neben einem Kropf auch das Hervortreten der Augäpfel sowie Herzjagen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion hingegen entsteht im Körper ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Sie ist oft schwer zu erkennen, denn die Symptome Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Desinteresse, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme können auch auf viele andere Ursachen hinweisen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist der Stoffwechsel verlangsamt, Grund dafür ist häufig eine chronische Entzündung. Eine besondere Form der chronischen Entzündung ist die Hashimoto-Thyreoiditis, die zu den Autoimmunerkrankungen gehört.

Wenn Sie also unklare Beschwerden haben, sollten Sie immer auch die Schilddrüse untersuchen lassen. Einige Hausärzte und Internisten haben sich darauf spezialisiert. Es gibt auch spezielle Schilddrüsenambulanzen oder Schwerpunktpraxen. Ersten Aufschluss über die Schilddrüsenfunktion liefern die Blutwerte. Bei einer Überfunktion ist das regulierende Hormon TSH erniedrigt, die Hormone T3 und T4 sind hingegen erhöht. Bei einer Unterfunktion hingegen ist der TSH-Wert erhöht, die Werte der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sind erniedrigt. Als Folge des verlangsamten Stoffwechsels bei einer Unterfunktion zeigen sich oft auch erhöhte Fett- und Cholesterinwerte.

Veränderungen  der Schilddrüse können zunächst mit einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Die Szintigraphie, eine nuklearmedizinische Methode, kann eine mögliche Fehlfunktion sichtbar machen. Dabei wird eine leicht radioaktive Substanz in die Blutbahn injiziert. Diese verteilt sich in der Schilddrüse und ermöglicht, die Jodkonzentration in einzelnen Bereichen bildlich darzustellen. Eine besonders aktive Stelle wird als „heißer Knoten“ bezeichnet, eine inaktive Stelle als „kalter Knoten“. Um darüber hinaus eine Autoimmunerkrankung zu erkennen, sind manchmal auch Gewebeproben nötig.

Die Therapie gestaltet sich je nach Art und Schwere der Erkrankung unterschiedlich. Bei einer Überfunktion werden zunächst oft sogenannte Schilddrüsenhormonhemmstoffe eingesetzt. Diese bremsen die Hormonproduktion schnell, können aber die Überfunktion nicht ursächlich beseitigen. Deswegen folgt oftmals entweder eine Radiojodtherapie oder eine Operation. Bei der Radiojodtherapie wird eine geringe Menge radioaktives Jod in einer Kapsel geschluckt. Über die Blutbahn erreicht das Jod die Schilddrüse, wird dort aufgenommen und zerstört überschüssige Schilddrüsenzellen. Damit beginnt die Schilddrüse zu schrumpfen. Der Erfolg dieser Therapiemethode kann einige Monate in Anspruch nehmen. Bei einem operativen Eingriff wird genau so viel von dem funktionsfähigen Schilddrüsengewebe entfernt, dass das verbleibende Gewebe nicht mehr in der Lage ist, den Körper mit Schilddrüsenhormonen zu überschwemmen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist es wichtig, kein zusätzliches Jod einzunehmen beziehungsweise sich genau an die ärztlichen Empfehlungen zu halten.

Bei einer Unterfunktion besteht die Therapie aus der Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Mit ihrer Hilfe werden der Stoffwechsel und alle vom Schilddrüsenhormon abhängigen Vorgänge wieder aktiviert.

Fazit: Schilddrüsenerkrankungen kommen häufig vor  und sind meist gut behandelbar. Gehen Sie deswegen rechtzeitig zu einer Internistin beziehungsweise einem Internisten oder suchen Sie gegebenenfalls eine Praxis für Endokrinologie auf.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de;
Redaktion: Marielle Becker

 

Weiterführende Links zum Thema:

Schilddrüsenliga Deutschland e.V.

Informationen zu Funktion und Erkrankungen der Schilddrüse

Schilddrüsenzentrum am Katholischen Klinikum Mainz

Klinischer Schwerpunkt Endokrinologie an der Uniklinik Mainz

Die Schmetterlinge e. V. Schilddrüsenbundesverband - Selbsthilfeorganisation