Abc-Schützen: Gut vorbereitet in den neuen Lebensabschnitt

01. bis 15. Februar 2016

Das eigene Kleinkind wird zum Schulkind und das Sprichwort „Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen“ lässt so manchen Erziehungsberechtigten mehr oder weniger sorgenvoll auf den Schulanfang blicken. Wird mein Kind mit Freude zur Schule gehen?

Wird es die Herausforderungen wie still sitzen, zuhören, sozialer Umgang mit anderen Kindern und Lehrkräften gut meistern? Wird es ohne große psychische Belastungen seinen Weg machen? Und werden wir das Kind ebenfalls unbelastet begleiten können? Damit der Schulanfang gut gelingt und ein solider Grundstein für eine einigermaßen sorgenfreie Schulzeit gelegt ist, ist eine behutsame und kontinuierliche Vorbereitung schon während der letzten Kindergartenmonate hilfreich. Denn ein psychisch starkes Kind lernt gut und erleichtert den Erziehungsberechtigten zudem, die Unterstützung zu geben, die es braucht.

Auch wenn es bis zur Einschulung noch ein paar Monate dauert: Die ersten Ranzenpartys haben in Rheinland-Pfalz schon stattgefunden, die nächsten folgen bald. Das neue Schulutensil steht nun unübersehbar im Kinderzimmer und wartet auf seinen Einsatz. Und es erinnert daran, dass bald ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ihr Kind ist gespannt und aufgeregt – und Sie als Elternteil oder erziehungsberechtigte Person sind es wahrscheinlich auch.

Dieses Gefühl ist auch berechtigt, denn mit Schulbeginn wird Ihr Kind einen großen Schritt in eine weitere Selbstständigkeit gehen. Es wird seinen eigenen Platz in der Klassengemeinschaft finden. Es wird neue Beziehungen knüpfen, eigene Erfolge und Misserfolge erleben. Es wird auch nicht einfach mal zuhause bleiben oder zu spät kommen können, sondern wird lernen, meist zur selben Zeit wie die anderen das gleiche zu tun, egal ob es dazu nun Lust hat oder nicht. Ganz schön viele Herausforderungen, die zum neuen Lernstoff noch hinzukommen.

Wie also können Sie Ihrem Kind helfen, sich auf die neue Situation vorzubereiten? Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie als Elternteil oder erziehungsberechtigte Person dem neuen Lebensabschnitt positiv gegenüber stehen. Wenn es einmal Diskussionen mit Ihrem Kind gibt, kommen Sie nicht in die Versuchung, ihm mit der Schule zu drohen – zum Beispiel nach dem Motto: „Warte nur, bis du in der Schule bist, da wirst du schon noch lernen stillzusitzen.“ Die beste Voraussetzung für das Neue ist vielmehr die Freude darauf! Blättern Sie mit Ihrem Kind Bücher durch, die den Schulalltag anschaulich zeigen. Erzählen Sie, was es alles lernen wird und wie toll es sein wird, wenn es Bücher selbst lesen kann. Natürlich sollten Sie den Schulalltag nicht unrealistisch ausmalen, sonst gibt es am ersten Tag vielleicht eine Enttäuschung.

Wichtig ist es auch, dass Ihr Kind Stärke und Selbstsicherheit entwickelt. Dies gelingt, wenn es Schritt für Schritt mehr Verantwortung übertragen bekommt. Es soll merken, dass es Aufgaben schon alleine bewältigen kann, wie etwa sich selbst an- und ausziehen, sich ein Frühstücksbrot schmieren oder sogar beim Bäcker um die Ecke ein Brot einkaufen. Erwarten Sie aber keine Perfektion. Vielleicht wird am Anfang der Mantel falsch geknöpft sein oder das Brot auf den Boden fallen. Sicher ginge es schneller, Ihrem Kind Mantel und Messer wieder aus der Hand zu nehmen und die Sache schnell selbst zu erledigen. Doch damit frustrieren Sie Ihr Kind. Ermuntern Sie es vielmehr, verschiedenes auszuprobieren!    

Helfen Sie nur dann, wenn es um Hilfe bittet oder wenn Sie merken, dass es gar nicht alleine geht. Menschen sind von Natur aus neugierig, Kinder insbesondere – und Neugierde ist eine gute Motivation zu lernen.

Eine der spannendsten Sachen, auf die sich Ihr Kind freut, ist das Schreiben lernen. Hier allerdings kann sich in der Schule eine Frustration einstellen – nämlich dann, wenn Ihr Kind den Stift in der Hand hält und merkt, wie anstrengend Schreibübungen sind. Das liegt an der noch nicht ausgeprägten Feinmotorik. Indem Ihr Kind alltägliche Handgriffe übernimmt, trainiert es automatisch auch seine Feinmotorik. Kneten, malen, puzzeln, basteln sind hierfür gute vorbereitende Tätigkeiten.

Wie bereits angesprochen, wird Ihr Kind sich an einen regelmäßigen Tagesablauf gewöhnen müssen. Dieser kann nicht einfach verändert werden, wenn es zum Beispiel morgens schlecht aus den Federn kommt. Geben Sie Ihrem Kind Zeit für diese Umgewöhnung – sie wird nicht von heute auf morgen stattfinden! Unterstützen Sie den Prozess, in dem Sie noch in der Kindergartenzeit regelmäßige und wahrscheinlich auch frühere Zu-Bett-Geh-Zeiten einführen. Wann Ihr Kind am besten zu Bett gehen sollte, lässt sich nicht pauschal sagen, weil die Schlafbedürfnisse unterschiedlich sind. In diesem Zusammenhang könnte Ihr Kind zudem damit beginnen, alles was es für den nächsten Tag braucht herzurichten. Im Kindergarten wird das neben der Kleidung noch nicht viel sein, doch in der Schulzeit ist es sehr hilfreich, wenn Turnbeutel und Schulranzen schon am Vorabend gepackt sind und herausgelegt werden.

Vielleicht überlegen Sie jetzt schon, was Ihr Schulkind in seiner Freizeit lernen soll. Tanzen, Fußball spielen, ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache erlernen – den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Genauso wichtig wie das Lernen ist aber auch, genügend Freizeit zu haben. Wenn ein Kind von der Schule kommt, wird es zunächst einmal erschöpft sein. Die neuen Eindrücke müssen verarbeitet werden und das lange Stillsitzen ist auch ungewohnt. Gönnen Sie Ihrem Kind daher genügend Zeit und Gelegenheit zum Herumtoben und für sportliche Tätigkeiten. Nur wenn Kinder sich viel bewegen, entwickeln sie sich angemessen. Denn Bewegung fördert die Koordination, die Wahrnehmung und die Gehirnentwicklung. Kinder, die sich gezielt bewegen können, lernen unter anderem Distanzen abzuschätzen und Geschwindigkeiten zu beurteilen. Dabei erstellen sie sich nach den äußeren Eindrücken eine innere Vorstellung ihrer Umgebung. Dieser innere Raum hilft ihnen beim Lernen. Rechnen zum Beispiel ist nichts anderes, als das Ordnen und Umordnen von Mengen in einem vorgestellten inneren Raum. Schreiben verlangt Orientierungsfähigkeit auf dem Blatt Papier. Das Wiedererkennen von Buchstaben verläuft ähnlich wie das Wiedererkennen von optischen Eindrücken in der Natur. Somit wird das Spiel in der Natur zu einer guten Vorbereitung zum Lernen in der Schule.

Zu guter Letzt möchten wir noch auf eine weitere Herausforderung eingehen, welche Ihr Kind erwartet: der Umgang mit den Klassenkameraden. Kinder orientieren sich nun zunehmend an der Gruppe. Sie als Elternteil oder Erziehungsberechtigte oder Erziehungsberechtigter sollten das, was gerade „in“ ist, soweit es geht respektieren. Denn kein Kind möchte Außenseiter sein oder verspottet werden. Wenn es Hänseleien unter den Kindern gibt, sollten Sie Ihrem Kind den Rücken stärken. Aussagen wie „dann wehr‘ dich doch“, helfen wenig. Doch Sie können zum Beispiel gemeinsam mit Ihrem Kind überlegen, wie es sich wehren könnte, zum Beispiel durch eine schlagfertige Antwort. Auch durch die Schaffung eines Klimas, in dem Auseinandersetzungen und unterschiedliche Meinungen erlaubt sind, können Sie Ihr Kind stärken. So lernt es, seine Meinung auszudrücken und zu vertreten. Und es lernt auch die Meinung anderer gelten zu lassen – eine wichtige Voraussetzung in einer gut funktionierenden sozialen Gemeinschaft.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de, Redaktion: Marielle Becker

Weiterführende Links zum Thema: 

31seitige Broschüre für Eltern junger Schulkinder als Download 

oder hier im LZG-Shop erhältlich

Tipps zum Ranzenkauf von der Ärzteschaft in Rheinland-Pfalz

Sicher zur Schule – Elternratgeber der Deutschen Verkehrswacht e.V. und der Verkehrswacht Medien & Service-Center GmbH