Zivilisationskrankheit Fettleber

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Genau wie Herz, Gehirn, Lunge und Nieren so gehört auch sie zu den lebenswichtigen Organen: die Leber. Ohne Leber kann ein Mensch nur wenige Stunden überleben. Sie übernimmt verschiedene Funktionen und ist zum Beispiel unser wichtigstes Stoffwechselorgan – sie ist wesentlich mit an der Regulation des Fett- und Zuckerstoffwechsels, des Mineral- und Vitaminhaushalts beteiligt. Sie speichert aber auch Nährstoffe und Mineralien ein und filtert als Entgiftungszentrale Schadstoffe aus dem Blut.

Einlagerung von Fett in der Leber

20 bis 30 Prozent der Menschen in Europa weisen eine zu gut genährte Leber auf, sie haben eine nicht-alkoholische Fettleber. Während das Innere einer normalen Leber zu höchstens fünf Prozent aus Fett besteht, spricht man bei einem höheren Fettgehalt von einer Fettleber. Je nachdem wie ausgeprägt diese ist, kann sie sogar mehr als 50 bis hin zu 90 Prozent Fett enthalten. Denn bei einer Fettleber werden die Fette, die ihr zugeführt werden, eingelagert statt abgebaut. Die Auswirkungen dieses Prozesses sind zwar zunächst gutartig, doch der Weg hin zu einer gefährlichen Lebererkrankung ist gebahnt.

Fettleberentzündung

Bei jedem zehnten Betroffenen entwickelt sich aus der Fettleber eine Fettleberentzündung, auch Steatohepatitis genannt. Das ist eine Entzündung ohne Infektion, wie etwa durch Viren. In deren Folge kann es zu einer leberbedrohlichen Leberzirrhose kommen oder sogar zu einem Leberkrebs.

Wie entsteht eine Fettleber?

Wie eingangs erwähnt, erfüllt eine Leber verschiedene Funktionen. Ihre vier Hauptaufgaben sind: Schadstoffe entgiften, lebenswichtige Substanzen speichern, Fette verbrennen sowie Cholesterin und Gallensäure herstellen. Allerdings kann sie diese Aufgaben nicht gleichzeitig erfüllen. Nach einem fettreichen Essen, bei dem auch Alkohol getrunken wird, wird die Leber mittels zweier Enzyme den Alkohol abbauen, also entgiften, und dabei die Fette zwischenlagern. Das Gleiche passiert, wenn die Leber mit der Menge an anflutenden Fetten überfordert ist. Auch dann wird das Zuviel an Fett zunächst eingelagert. Setzt sich das so fort, folgt also Fettlieferung auf Fettlieferung, reichern sich die Leberzellen immer mehr mit Fett an. Eine Fettleber entsteht.

Leberschädliche Medikamente

Generell ist bei einer Fettleber deren Funktionstüchtigkeit eingeschränkt. Dies macht sich besonders dramatisch bei der Einnahme von leberschädlichen Medikamenten bemerkbar, allen voran von solchen, die den schmerzlindernden und fiebersenkenden Arzneistoff Paracetamol enthalten. Im schlimmsten Fall kann es durch die Einnahme von leberschädlichen Medikamenten zu einem akuten Leberversagen kommen. Dabei sterben die Leberzellen ab, die Leber fällt zusammen und versagt.

Ebenfalls schädlich: Zu viel Essen und zu wenig Bewegung

Die Hauptrisikofaktoren für eine nichtalkoholische Fettleber sind zu viel Essen und zu wenig Bewegung. Besonders leberschädigend ist übrigens Fast-Food. Denn selbst wenn kein Alkohol getrunken wird, lagert die Leber diese Fette ein statt sie abzubauen. Der Konsum von Alkohol und Medikamenten unterstützt die Einlagerung von Fett in der Leber, also die Bildung einer Fettleber, weil die Entgiftung von Alkohol und Medikamenten für die Leber immer Vorrang hat.

Risiko Herzinfarkt und Diabetes

Aus einer Fettleber resultieren zwei Risiken, die über das Organ hinausgehen: zum einen das Risiko eines Herzinfarktes. Zum anderen kann unter einer Fettleber leicht ein Diabetes entstehen. Hierbei entwickelt sich eine wechselseitige Abhängigkeit, der Diabetes unterstützt die Bildung einer Fettleber und die Fettleber unterstützt die Bildung eines Diabetes.

Diagnose der Fettleber

Die ersten Anzeichen für eine Fettleber sind erhöhte Leberwerte. Diese werden aber oft nicht ernst genommen, da eine Fettleber meist keine weiteren Symptome hervorruft. Betroffene Personen klagen höchstens über ein Druckgefühl im rechten Oberbauch und über ein Völlegefühl. Für eine weitere Diagnose wird die Ärztin oder der Arzt zunächst die Leber von außen ertasten. Sie oder er spürt es, wenn sie vergrößert ist. Eine Ultraschalluntersuchung gibt genaueren Aufschluss. Um zu erkennen, ob sich bereits eine Fettleberentzündung gebildet hat, wird unter örtlicher Betäubung eine Punktion durchgeführt und das entnommene Gewebe untersucht. Aktuell werden Biomarker erforscht, die künftig einen Test über eine Blutanalyse ermöglichen sollen. Auf eine Fettleberentzündung deuten weiterhin Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen und Gelbsucht hin. Auch kann der Bauch wie aufgebläht wirken, denn es kommt oft zu einer Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle, auch Aszites genannt.

Therapie: Gewichtsabnahme und Änderung des Lebensstils

Ist eine Fettleber diagnostiziert worden, ist es wichtig, schleunigst zu handeln, um einer Fettleberentzündung und den weiteren Folgen zuvorzukommen. Eine gesicherte medikamentöse Therapie gibt es noch nicht. Doch aktuelle Studien haben belegt, dass eine behutsam durchgeführte Gewichtsabnahme sehr erfolgversprechend ist. Diese kann sogar dazu führen, dass eine bereits begonnene Umwandlung in eine Fettleberentzündung rückgängig gemacht wird. Wer dann noch seine Leber durch eine gesunde Lebensweise schont, hat gute Chancen, wieder gesund zu werden. Das heißt: auf Alkohol verzichten, sich um den Diabetes kümmern und sich regelmäßig bewegen! Ärztlich verschriebene Medikamente helfen und können bei günstigem Verlauf sogar wieder abgesetzt werden. Auf den leberschädlichen Wirkstoff Paracetamol sollte verzichtet werden, in der ärztlichen Praxis oder in der Apotheke kann man sich eine Alternative empfehlen lassen. Wer nicht auf reichhaltiges Essen verzichten kann, dem sei unbedingt der Sport empfohlen, denn er verringert die Leberverfettung auch ohne Gewichtsreduktion.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
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Weiterführende Links

Deutsche Leberhilfe e. V.

Informationen der Deutschen Leberstiftung, auch mit Adressen von Selbsthilfegruppen

Weitere Aspekte zu leberschädlichen Medikamenten

 

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zum Thema „Neue Leitlinie zur Volkskrankheit Nicht-alkoholische Fettleber“ von Juli 201