Fit in den Winter

Bestimmt ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Es gibt einige Menschen, die sind – vor allem in Herbst und Winter – pausenlos erkältet. Anderen hingegen scheint das Wetter gar nichts anhaben zu können. Woran das liegt? Am Immunsystem! D. h., an den vielen Zellen und Organen, die alles Körpereigene schützen und alles Körperfremde angreifen und vernichten sollen.

Nur wenn unser Immunsystem stark ist, wenn die verschiedenen Immunzellen ihren Aufgaben im Blut, in der Lymphe und im Gewebe mit Power und mit Geschwindigkeit erledigen, können eindringende Krankheitserreger uns nichts anhaben. Ein starkes Immunsystem fällt uns aber nicht einfach in den Schoß, sondern muss trainiert werden.

Bevor wir aber anfangen, das Immunsystem aufzutrainieren, sollten wir einmal über die beiden Risiken im Klaren sein, mit denen wir es permanent schwächen. Die beiden Risiken heißen:

  • Unterforderung
  • Überforderung

Unterfordert wird das Immunsystem, wenn es gar nichts zu tun hat. Dies ist der Fall, wenn man vor lauter Angst vor einem Schnupfen jede Ansteckungsgefahr meidet und gar nicht mehr in die Öffentlichkeit geht. Oder wenn man die Tücken des Wetters fürchtet und sich nur noch entweder in geheizten oder in klimatisierten Räumen aufhält. Unterfordert wird das Immunsystem auch, wenn man Desinfektionsmittel im Haushalt im übertriebenen Maße anwendet und jedes kleine Bakterium sofort eliminiert.

Überfordert hingegen wird das Immunsystem, wenn Sie sich permanent im Stress befinden. Denn Stress setzt den Körper in Alarmbereitschaft. Dadurch werden alle Kräfte den Funktionen zugeleitet, die der Körper für ein schnelles Weglaufen oder ein schnelles Angreifen bräuchte. Alle anderen Körperreaktionen werden heruntergeschaltet, so auch das Immunsystem. Sind Sie im Dauerstress, kann sich das Immunsystem von seiner Schwächung gar nicht mehr erholen. Folgende Alltagssituationen führen zum permanenten negativen Stress: Arbeitslosigkeit, Ehekrach oder Scheidung, Frust und Schikane am Arbeitsplatz, generelle Unzufriedenheit und eine längere Trennung vom Partner. Hinzu kommen außergewöhnliche Ereignisse, wie den Tod des Partners oder eines Familienangehörigen, eine Gefängnishaft oder eine Krankheit.

Um sich fit für den Winter zu machen, sollten Sie zuerst einmal eine Unterforderung meiden und lernen, mit einer Überforderung gut umzugehen. Ein Tipp, mit dem Sie beiden Anforderungen gerecht werden, ist die regelmäßige Bewegung draußen. Richten Sie sich täglich zu einem fixen Zeitpunkt eine halbe Stunde ein, in der Sie einfach mal rausgehen, am besten zu einem strammen Spaziergang, einem Nordic-Walking-Marsch oder zu einer Joggingrunde. Regelmäßiger Ausdauersport für zu einer vermehrten Mobilisierung und Aktivierung von natürlichen Killerzellen und von Fresszellen – Grundbestandteile eines aktiven Immunsystems. Weiterhin kommen Sie draußen mit mehr Erregern in Berührung, wodurch Ihr Immunsystem Gelegenheit erhält, seine Abwehr zu trainieren und aufzubessern. Und schlussendlich bedeutet Ausdauertraining auch Entspannung und Ausgleich.

Wenn Sie sich den Sport oder die Bewegung richtig gönnen – nach dem Motto „ich will mir jetzt eine halbe Stunde lang etwas Gutes gönnen“, dann ist das Fitnesstraining für Körper und Geist. Allerdings muss man eines wissen: Nach dem Training wird die Immunabwehr für etwa 2 Stunden herabgesetzt, so dass in dieser Zeit Krankheitserreger, die z. B. durch harmloses Niesen von lieben Mitmenschen ausgestoßen werden, leichteres Spiel haben. Deshalb sollte man in diesen 2 Stunden größere Menschenmengen meiden, wo sich viele Erreger rumtreiben.

Kleiner Tipp: Große Studien haben gezeigt, dass Hundebesitzer einen niedrigeren Stressfaktor, weniger Herz-Kreislauf-Beschwerden und ein besseres Immunsystem haben. Sie werden eindeutig seltener krank als andere Menschen, denn der Hund braucht ein Leben lang täglichen Auslauf. 
Aber natürlich ist das tägliche Ausdauertraining – mit oder ohne Hund – nicht die einzige Möglichkeit, Ihr Immunsystem aufzubessern. Es darf zum Beispiel auch mal herzhaft gelacht werden. Das ist nach Meinung von Lachforschern – Gelotologen – immer noch die beste Medizin, um nicht krank zu werden. Der Körper schüttet sofort das köpereigene Hormon Gamma-Interferon aus, zuständig für das Immunsystem.

Immunstärkend wirkt eine Abhärtung mit kalt-warmen Wechselduschen, wobei man mit kalt aufhören sollte. Dies trainiert die Fähigkeit der Blutgefäße, sich auf wechselnde Temperaturen einzustellen. Das heißt sie lernen, sich schnell weit und eng zu stellen, somit ist immer eine gute Durchblutung gesichert und damit auch die ausreichende Versorgung mit unseren Abwehrtruppen, den weißen Blutkörperchen. Einen ähnlichen Effekt bewirkt auch der regelmäßige Saunagang. Damit unterstützen Sie das Klimatraining, welches auch ein Effekt Ihres täglichen Rausgehens ist.

Immununterstützend wirken weiterhin Vitamine (vor allem Vitamin C), Mineralstoffe (vor allem Zink) und Spurenelemente.

In diesem Jahr erwartet uns in Herbst und Winter übrigens nicht nur die übliche Erkältung, sondern möglicherweise auch eine besonders heftige Grippegefahr. Der Grippeerreger macht sich – im Gegensatz zu einer Erkältung – von einer Minute auf die andere mit Schüttelfrost und schweren Krankheitsgefühlen bemerkbar. Er fordert jedes Jahr allein in Deutschland 10.000 bis 30.000 Opfer. Das Land Rheinland-Pfalz hat deshalb – zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen – dieses Jahr den Grippeschutzimpfstoff kostenlos zur Verfügung gestellt. Das ist übrigens bundesweit fast einmalig, nur Baden-Württemberg hat eine ähnliche Aktion gestartet. Die Grippeschutzimpfung ist durchführbar bei jedem Hausarzt, und Sie müssen dafür noch nicht einmal die Praxisgebühr entrichten.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

16. bis 31. Oktober 2005