Haarausfall - was tun?

Die eigene Haarpracht ist wichtig für das Selbstbewusstsein. Werden die Haare weniger, leiden die meisten Menschen, insbesondere Frauen. Oft ist der anlagebedingte Haarausfall die Ursache. Bei Frauen kann es dadurch während und nach den Wechseljahren zu verstärktem Haarverlust kommen. Zunächst bildet sich ein breiter Mittelscheitel und anstelle von kräftigen Haaren wächst hier ein weicher Flaum. Dann fallen Haare auf dem gesamten  Kopf verteilt aus.

Dies führt zu schütterem Haar, einer diffusen Ausdünnung der Haarpracht. Bei Männern setzt der anlagebedingte Haarausfall wesentlich stärker und auch bedeutend früher ein, manchmal schon in der Jugend. Er beginnt mit Geheimratsecken und kahlen Stellen am Hinterkopf und breitet sich im Laufe der Zeit zu einer Glatze aus, bis nur noch ein resistenter Haarkranz übrig ist. Diese Männer haben besonders empfindliche Haarfollikel, die auf Androgene, die männlichen Geschlechtshormone, reagieren.

Bei anlagebedingtem Haarausfall gibt es gut wirksame Hilfen für Männer und Frauen. Es ist zum einen der Wirkstoff Minoxidil, der als zweiprozentige Lösung für Frauen und als fünfprozentige Lösung für Männer zweimal täglich direkt auf die betroffenen Haarstellen aufgetragen wird. Die Mediziner gehen davon aus, dass der Wirkstoff, mit dem seit langem Bluthochdruck therapiert wird, die feinen Blutgefäße rund um den Haarfollikel erweitert. Des Weiteren gibt es für Männer noch den Wirkstoff Finasterid, der in Tablettenform täglich eingenommen wird. Finasterid hemmt ein bestimmtes Enzym, das normalerweise das männliche Hormon Testosteron in das haarwurzelschädigende Dihydrotestosteron, kurz DHT genannt, umwandelt. Mit beiden Mitteln wird der Haarausfall gestoppt oder verlangsamt sowie der Nachwuchs von mehr und kräftigerem Haar gefördert. Weitere wirksame Haarwuchswirkstoffe gibt es derzeit nicht, auch wenn in Internet und Drogerien viele verheißungsvoll klingende Wundermittel angeboten werden. Auch die beiden erwähnten Arzneistoffe wirken nur dann, wenn noch dünnere Haare oder zumindest Flaum auf den gelichteten Stellen zu sehen ist. Allerdings lässt die Wirkung sofort nach, wenn die Medikamente nicht mehr genommen werden. Da die Medikamente von den Krankenkassen nicht bezahlt werden, verzichten Männer ab einem gewissen Alter oftmals darauf und stehen zu ihrem veränderten Aussehen. Junge Männer allerdings sowie Frauen fällt es meist schwerer, sich mit dem Verlust ihrer Haare abzufinden. Sie sollten sich allerdings vor einer medikamentösen Behandlung vom Hautarzt untersuchen lassen, ob es sich tatsächlich um den anlagebedingten Haarausfall handelt und nicht um eine krankheitsbedingte Form. Denn Schilddrüsenerkrankungen und manche Infektionen wie Herpes Zoster oder Pilzerkrankungen können ebenfalls zu einem Haarausfall führen. Wichtig: Hier ist der Haarausfall nur das Symptom, nicht die Krankheit. Wird die dahinter liegende Krankheit erkannt und behandelt, wachsen die Haare wieder nach. Allerdings können auch einige Medikamente, wie Betablocker gegen Bluthochdruck, einige Blutfettsenker, Medikamente bei Schilddrüsenunter- oder -über-funktion und Blutverdünnungsmittel den Haarausfall begünstigen.

Als weitere Form gibt es den kreisrunden Haarausfall, die Alopecia areata. Hier können sich an jeder beliebigen Stelle auf der Kopfhaut münzgroße kahle Stellen bilden und sich von dort ausbreiten. Ursache ist ein entzündlicher Vorgang im Sinne einer Autoimmunerkrankung: Eine ursächliche Therapie gibt es hier nicht, doch in mehr als 50 Prozent der Fälle kommt es zur Spontanheilung innerhalb von zwei Jahren.

Auch eine Möglichkeit bei weit fortgeschrittenem Haarausfall ist, sich einer Haartransplantation zu unterziehen – so wie einige Prominente, etwa Fußballtrainer Jürgen Klopp. Da die Haare durch die Verpflanzung allerdings nur umverteilt und nicht vermehrt werden, ist es ratsam, sich vorher seriös und umfassend beraten zu lassen. Denn auch bei weiter fortschreitendem Haarausfall sollte das Ergebnis der Haartransplantation noch vernünftig aussehen.

Haarausfall wird oft auch in Verbindung mit Krebs gebracht, als eine besonders belastende Nebenwirkung der Chemotherapie. Das Risiko des Haarausfalls hängt u. a. ab von der verabreichten Dosis und dem verabreichten Chemotherapeutikum. Auch die Strahlentherapie schädigt Haarwurzelzellen, allerdings nur dann, wenn die Strahlendosis direkt auf die Kopfhaut trifft. Eine Strahlentherapie an anderen Regionen, z. B. Brust oder Prostata, bewirkt keinen Haarausfall am Kopf. In Kombination mit Krebs ist der Haarausfall für die Patienten deswegen so belastend, weil er wie ein Stigma wirkt. Der betroffene Mensch ist nicht nur krank, sondern für sein Umfeld sofort erkennbar krank. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen: Entweder Ihnen ist die Meinung der anderen egal und Sie konzentrieren sich auf das Wichtigste, nämlich wieder gesund zu werden. Oder Sie wollen bestimmen, wer von Ihrer Krankheit erfährt und tragen ein Tuch oder eine Perücke. Denken Sie daran, dass Ihr Haar wieder nachwachsen wird – meist kräftiger und fülliger als zuvor. Hilfreich kann es übrigens sein, wenn Sie sich schon vor einer Chemotherapie eine Perücke besorgen. Dies ist auf Rezept gegen Krankenkassenübernahme von etwa 200 Euro möglich. Haben Sie eine private Krankenzusatzversicherung, kann diese die Restkosten erstatten. Achten Sie auf eine gut sitzende und gut aussehende Perücke, am besten eine mit Echthaar. Solche gibt es heute für jeden Typ und jeden Geschmack. Und sie kann in allen Lebenslagen getragen werden, im normalen Alltag, beim Sport, beim Schwimmen, beim Feiern oder in der Sauna.

 

16. bis 31. Juli 2013 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker