Hilfe bei Nagel- und Nagelbettpilz

Heute geht es um ein Thema, das viele Menschen sehr beschämt, aber auch weit verbreitet ist: Schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung sind mit Fußpilz und etwa 15 Prozent mit Nagelpilz infiziert. Meist tun die Betroffenen alles, damit das Leiden nicht nach außen sichtbar wird. Hinter der Scham steht oftmals die Vorstellung, dass mangelnde Hygiene der Grund für eine Pilzerkrankung sei.

Dem ist jedoch nicht so, denn es ist vielmehr die Widerstandsfähigkeit der Pilzsporen, die die Verbreitung der Infektion begünstigt. Pilzsporen bleiben wochenlang ansteckend, wenn sie etwa im Hotel oder im Schwimmbad mit Hautpartikelchen auf den Boden gelangen. Menschen, die zuckerkrank sind oder unter Durchblutungsstörungen leiden, sind besonders für eine Ansteckung gefährdet, ebenso Personen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer langen Antibiotikatherapie.

Ist ein Nagel befallen, wird dem nicht immer gleich Beachtung geschenkt. Im Anfangsstadium sind lediglich einige weiße Stellen zu sehen, fast so, als ob ein Kalziummangel vorliegen würde. Doch mit der Zeit verändert sich der Nagel, er verdickt sich, verfärbt sich unschön ins Gelbliche oder Bräunliche und wird brüchig und bröselig. Der Befall bleibt meist nicht auf eine Stelle beschränkt, sondern kann sich auf weitere Nägel ausdehnen. Eine Pilzinfektion kann auch von der Haut ausgehen – meist von den Zehenzwischenräumen, von der Nagelfalz oder dem Nagelbett. Dies wird dann Hautpilz genannt und macht sich über Rötungen bemerkbar, die jucken und schmerzen. Oft gehen Nagel- und Hautpilz ineinander über.

Da die Infektion von verschiedenen Arten von Pilzsporen verursacht werden kann, sollten Sie nicht einfach in der Apotheke nach einem Antipilzmittel fragen, sondern sich in ärztliche Behandlung begeben. Der Arzt oder die Ärztin entnimmt eine Probe, die mikroskopisch untersucht wird, und verschreibt dann das richtige Medikament dafür. Bei einem Nagelpilz wird zunächst der Nagel geschliffen. Das können Sie selbst mit einer Feile machen oder von einer qualifizierten Fußpflegepraxis, die mit sterilen Instrumenten arbeitet, vornehmen lassen. Nun wird eine Harnstoffsalbe aufgestrichen, die den Nagel aufweicht. Anschließend wird ein pilzabtötender Nagellack aufgetragen. Die völlige Ausheilung kann vier Monate und mehr in Anspruch nehmen.

Ist der Nagel zu über 50 Prozent befallen oder schon das Nagelbett betroffen, erhalten Sie wahrscheinlich auch noch ein Antipilzmittel zum Einnehmen, das von innen heraus wirksam ist. Diese Therapie kann bis zu einem Jahr dauern. Ein Hautpilz hat eine ähnlich lange Heilungszeit. Je nach Schweregrad werden auch hier innerlich  und äußerlich wirksame Medikamente kombiniert.

Auch Sie selbst können etwas zur Behandlung und Vorbeugung beitragen. Vermeiden Sie enge Schuhe, in denen die Füße keine Luft bekommen. Pilze gedeihen nämlich gerne dort, wo es feucht und dunkel ist. Weil das in Turnschuhen häufig der Fall ist, wird im Englischen der Fußpilz sogar als „Athlete’s foot“ bezeichnet, als „Athletenfuß“. Mit Socken und Sportschuhen aus modernen, atmungsaktiven Materialien können Sie bedenkenlos Sport treiben, denn sie schränken die Fußbelüftung nicht wesentlich ein.

Aufpassen sollten Sie beim Schuhkauf. Auch wenn das Anprobieren ohne Strümpfe nicht erlaubt ist, halten sich nicht alle Menschen daran. So kann es sein, dass Sie mit Ihren Schuhen auch Pilzsporen mit nach Hause bringen. Am besten desinfizieren Sie die Schuhe, bevor Sie sie das erste Mal tragen. Sind Sie selbst infiziert, sollten Sie weder im Geschäft barfuß Schuhe probieren, noch Sauna und Schwimmbad besuchen. Wenn Sie wieder gesund sind, ist es sinnvoll, dort Badeschuhe zu tragen, um sich nicht erneut zu infizieren. Durch Wasser aufgeweichte Haut ist nämlich besonders empfänglich für Pilzsporen. Das sorgfältige Abtrocknen in den Zehenzwischenräumen dürfen Sie nicht vergessen.

Um bei Pilzinfektionen der Füße daheim keine Übertragungswege zu schaffen, sollten Sie Hausschuhe tragen, die nur Ihnen gehören. Waschen Sie Ihre Socken mit einem pilzabtötenden Waschmittel in der Handwäsche vor. Danach können Sie sie in die normale Wäsche geben. Abschließend noch ein paar vorbeugende Tipps: Waschen Sie Ihre Füße mit einer haut-ph-neutralen Seife, die den körpereigenen Säureschutzmantel nicht zerstört. Cremen Sie Ihre Füße regelmäßig ein, da sich Pilze gerne in rissiger Haut einnisten. Nehmen Sie die Fußpflege ernst, auch um frühzeitig erste Merkmale dieser Krankheit zu erkennen. So bleiben Sie „gut zu Fuß“.

 

16. bis 31. Juli 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker