Hormontherapie in den Wechseljahren

Im Laufe des Lebens muss sich der weibliche Körper immer wieder umstellen. So z. B. in der Pubertät oder in den Wechseljahren. Solche Übergänge sind immer mit Hormonumstellungen verbunden, und dies kann Beschwerden verursachen. In den Wechseljahren können es u. a. Hitzewallungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen oder sexuelle Störungen sein. Die geschieht durchschnittlich im 50. bis 52. Lebensjahr.

Vor und in dieser Zeit fängt der Körper damit an, weniger Östrogen und Gestagen zu produzieren. Ungefähr mit 60 Jahren ist die Hormonumstellung beendet.

Vor etwa 40 Jahren hatte sich der Gedanke durchgesetzt, dass die künstliche Gabe von Sexualhormonen diese Beschwerden lindern oder gar Krankheiten verhindern würde, die ab den Wechseljahren verstärkt auftreten. Das ist die so genannte Hormonersatztherapie. Im Jahr 2002 aber hat eine große Studie – die WHI-Studie (Women’s Health Initiative = Frauengesundheitsinitiative) mit mehr als 16.000 Frauen gezeigt, dass die pauschale Einnahme von Hormonen in den Wechseljahren die Krankheiten sogar provoziert, vor denen sie eigentlich schützen soll, nämlich Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßverschlüsse (Thrombosen). Mittlerweile hat auch bei praktizierenden Ärzten ein Umdenken eingesetzt. Noch im Jahr 2006 waren fast 80 Prozent der Gynäkologen der Meinung, dass die Risiken einer Hormonbehandlung in den Wechseljahren überwertet werden, wie eine Befragung durch das Wissenschaftliche Institut der AOK gezeigt hatte. Im Jahr 2009 jedoch ist erstmals eine sogenannte S3-Leitlinie herausgekommen, die auch die Risiken thematisierte. Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und unter Mitarbeit von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften wurde nun die folgende verbindliche Empfehlung formuliert: Eine Hormonersatztherapie wird nicht mehr generell als unschädlich angesehen, sondern es wird anerkannt, dass sie gesundheitliche Risiken bergen kann. Ärzte sollen deshalb ihre Patientinnen gründlich untersuchen und individuell abwägen, ob bei einer Einnahme von Hormonen der Nutzen oder die Risiken überwiegen.

Was heißt das nun konkret? Bevor diese Frage beantwortet wird, erst einmal ein paar Überlegungen.

Wechseljahre sind natürlich

Ebenso wenig wie es die Pubertät oder die Schwangerschaft war, sind auch die Wechseljahre keine Krankheit. Vielmehr stellen sie einen natürlichen Prozess dar, den man nicht umgehen kann und daher auch nicht umgehen muss. Während dieses Prozesses passiert folgendes:

Die Eierstöcke stellen ihre Funktion langsam ein. Die Bildung von Geschlechtshormonen wird allmählich reduziert. Die monatliche Periode tritt nicht mehr so regelmäßig ein. Mit der letzten Regelblutung haben die Eierstöcke ihre Tätigkeit endgültig eingestellt.

Dies alles geschieht nicht von heute auf morgen. Das Klimakterium kann sich durchaus über einen Zeitraum von 10 Jahren hinweg erstrecken. In dieser Zeit und danach leiden viele Frauen unter körperlichen und/oder seelischen Beschwerden.

Eine sinnvoller erster Schritt sieht deshalb so aus: Bei kleineren und akzeptablen Beschwerden sollten Sie versuchen, natürliche Methoden anzuwenden. Denn unbeschwert wie früher die Hormonersatztherapie weiter anzuwenden, ist auf jeden Fall falsch.

Natürliche Behandlungsmöglichkeiten

Pflanzliche Hormone, so genannte „Phytohormone“, scheinen eine Alternative auf natürlicher Basis darzustellen. Vor allem Sojapräparate sind in dieser Hinsicht ein großer Hoffnungsträger: Auf ihre positive Wirkung wurde man zunächst dadurch aufmerksam, dass asiatische Frauen kaum mit Wechseljahrsbeschwerden zu kämpfen haben. Nachdem man die Lebensgewohnheiten der Asiatinnen untersucht hatte, kam man zu dem Schluss, dass die Erklärung in der Ernährung zu finden sei: So nehmen asiatische Frauen unter anderem große Mengen Soja zu sich. Soja ist sehr reich an so genannten „Isoflavonen“, so genannte pflanzliche Hormone. Sie haben auf den Hormonstoffwechsel eine regulierende Wirkung, aber wirken nicht auf die Rezeptoren, welche die Herzkreislauferkrankungen und Brustkrebs hervorrufen. Mittlerweile hat man weitere Pflanzen mit ähnlichen Wirkstoffen gefunden, wie Rotklee, Yamswurzel, Traubensilberkerze und Hopfen. Dennoch gilt: Bevor Sie eigenmächtig zu solchen Produkten greifen, sollten Sie Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten.

Auch die Osteoporose lässt sich durch eine bewusste Lebensführung positiv beeinflussen. Die Ernährung sollte nicht zu einseitig sein und ausreichend Kalzium, Magnesium und Vitamin D enthalten. Das Körpergewicht sollte sich einigermaßen im Normalbereich bewegen, damit das Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu erleiden, möglichst gering ist. Eine regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig, vor allem solche Sportarten, die den Knochenbau belasten, wie wandern, joggen, Trampolin springen. Durch sie regulieren Sie Ihr Körpergewicht und bauen Stress ab, weiterhin regen sie die knochenbildenden Zellen an und wirken auf diese Weise zusätzlich der Entstehung von Osteoporose entgegen.

Wann doch Hormonersatztherapie?

Aber nicht immer reichen die natürlichen Behandlungsmethoden aus, um vor Wechseljahrsbeschwerden zu schützen. Dann darf der Gynäkologe allerdings nicht pauschal eine Hormonersatztherapie verschreiben, sondern muss sich nach der Krankenvorgeschichte der Patientin richten.

Reine Östrogenpräparate verbessern erfahrungsgemäß den Fettstoffwechsel und mindern statistisch gesehen das Vorkommen von Herzinfarkten. Dieser positive Effekt wird aber wiederum von der Tatsache überschattet, dass reine Östrogenpräparate das Risiko erhöhen, an Gebärmutterkrebs zu erkranken. Dieses erhöhte Krebsrisiko scheint aber nicht für die Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate zu gelten, andererseits konnte aber auch durch ihre Einnahme keine tief greifende Verbesserung des Fettstoffwechsels festgestellt werden.

Das Überprüfen von Krankheitsfällen in der Familiengeschichte spielt eine wichtige Rolle in der Hormonersatztherapie. So muss der Arzt wissen, ob es etwa Gebärmutterkrebs oder Osteoporose in der Familie gab. Auch ein familiärer Hang zu Depressionen innerhalb der Familie müssen dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden. Durch das regelmäßige Wahrnehmen der Kontrolluntersuchungen und das Überprüfen der Dosierungen können die Patientinnen aber ihr individuelles Risiko auf ein Minimum reduzieren.

 

16. bis 30. April 2006 Aktualisiert am 9.3.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl