Krebs: Früherkennung, Vorbeugung und Behandlung

Krebs ist die Bezeichnung für viele verschiedene Erkrankungen, die alle auf eine ungebremste und unkontrollierte Neubildung von Zellen zurückgehen. Ein beständiges Zellwachstum im Körper ist normal, denn es müssen immerzu alte verbrauchte Zellen durch neue nachwachsende ersetzt werden. Diese normale Zellneubildung wird durch eine Wachstumskontrolle in Grenzen gehalten.

Krebszellen hingegen wachsen unkontrolliert in andere Gewebe hinein und verdrängen dort gesunde und funktionsfähige Körperzellen. Gefürchtet ist zudem, wenn sie sich vom Ausgangstumor ablösen. Über den Blut- und Lymphweg können sie dann schnell durch den Körper wandern und sich an anderen Orten festsetzen, um dort wiederum zerstörend zu wachsen. 

Krebs kann an jeder Stelle des Körpers entstehen. Teilweise sind die Ursachen bekannt. So verursacht das Rauchen zwischen einem Viertel und einem Drittel aller Krebstodesfälle. Ein weniger genau abschätzbarer, aber vielleicht noch etwas höherer Anteil aller Krebstodesfälle dürfte auf falsche Ernährung zurückgehen. Hier stehen an erster Stelle die allgemeine Überernährung, ein zu hoher Anteil an tierischen Fetten und ein zu geringer Anteil an Obst und Gemüse. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung bestimmter Krebskrankheiten sind chronische Infektionen, zu viel Alkohol, eine Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz und Einflüsse aus der Umwelt. Hierzu zählen die UV-Strahlen des Sonnenlichts, die als Risiko für Hautkrebs gelten. Auch der Feinstaub in der Luft ist u. U. gefährlich, vor allem für die Lungen. Dasselbe gilt für das Passivrauchen, sowie für die so genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die aus Auto- und Industrieabgasen entströmen. Eine weitere Gefahr ist Radon. Dieser radioaktive Stoff kommt zwar in natürlicher Weise in der Erdatmosphäre vor. Doch er kann sich in Innenräumen ansammeln und dann zu einer Gefahr für die Gesundheit werden. Regelmäßiges Lüften ist deswegen wichtig. 

Das Typische an all diesen Faktoren: Bei einmaliger Belastung werden sie wahrscheinlich keinen Schaden verursachen. Doch sie summieren sich im Laufe des Lebens und wirken zudem auf vielfältige Weise zusammen. Deswegen ist es schwer, bei einem erkrankten Menschen eine einzelne Ursache herauszufinden. Oft legen die Schadstoffe auch nur den Grundstein für eine spätere Krebserkrankung, die dann erst ausbricht bei physischem und psychischem Stress, einem geschwächten Immunsystem oder bei erblicher Veranlagung. 

Mit Präventionsmaßnahmen versuchen die Ärzte, eine Krebserkrankung zu vermeiden.  Dies ist allerdings erst bei einem Teil der häufigeren Tumorarten möglich. Aktuell wurde im Jahr 2007 eine Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für 12- bis 17-jährige Mädchen zugelassen, von der man sich auf lange Sicht ein Zurückdrängen des Gebärmutterhalskrebses verspricht. Mit der Früherkennungsuntersuchung soll Krebs so früh festgestellt werden, dass eine Behandlung noch gute Chancen hat. Die Mediziner erhoffen sich auch viel von noch etwas neueren Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, dem sogenannten Mammografie-Screening und dem regelmäßigen Hautcheck. Nehmen Sie diese Angebote, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, wahr. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über zusätzliche Möglichkeiten der Früherkennung aufklären. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Krebserkrankung zu therapieren. In jedem Fall wird individuell entschieden, welche Therapie die richtige ist. Die operative Entfernung einer Krebsgeschwulst ist der Hauptpfeiler einer Krebsbehandlung. Dabei werden die Krebsgeschwulst und die anliegenden Bereiche mit dem Skalpell entfernt. Eine andere, meist zusätzliche Therapie, ist die Bestrahlung. Strahlen geben Energie an die Zellen ab, was schließlich zu ihrem Absterben führt. Das gesunde Gewebe in der Umgebung muss zwar mitbestrahlt werden, aber es reagiert bei dosierten Strahlungen nicht ganz so empfindlich wie das Tumorgewebe und kann sich rascher erholen.

Schließlich gibt es auch noch die Chemotherapie. Hierbei werden Wirkstoffe eingesetzt, die auf verschiedene Weise in die Funktionsabläufe von Tumorzellen eingreifen. Waren die ersten Krebsmedikamente noch rein chemisch synthetisierte Stoffe, wie sie in der Natur nicht vorkamen, so fanden sich bald auch hochwirksame Wirkstoffe in Pilzen, biologischen Fermenten und auch in Pflanzen, beispielsweise den Immergrünarten, Berberitzen und bestimmten Eibenarten. Die Chemotherapie ist eine der wichtigsten und erfolgversprechendsten Methoden der Krebsbehandlung. Allerdings töten die Substanzen nicht nur die Krebszellen, sondern auch gesunde Körperzellen und können zu unangenehmen und gefährlichen Nebenwirkungen führen. Haarausfall, Schädigung von Herz, Niere, Leber und Knochenmark sind solch unerwünschte Effekte.

Eine völlig neue Generation von Krebsmedikamenten, die den Tumoren gezielt das weitere Wachstum unmöglich machen, hat 1998 mit der Einführung des Wirkstoffs Trastuzumab begonnen. Dies ist ein Antikörper, der bei Frauen mit bestimmten Brustkrebsformen eingesetzt werden darf – als Alternative zu Chemotherapie und Bestrahlung. Der Stoff wirkt an der Oberfläche von Tumorzellen. Dort blockiert er Rezeptormoleküle, damit sie die Signalstoffe für Zellwachstum nicht mehr in das Innere der Zelle weiterleiten können. Auf diese Weise wird das Tumorwachstum gehemmt.

Molekularbiologen suchen derzeit nach weiteren Möglichkeiten, in die fehlerhafte Signalübertragung bei Krebszellen einzugreifen und z. B. den Mechanismus zu blockieren, der das Wachstum und die Zellteilung fördert. Für die gesunden Zellen müssen diese Moleküle natürlich tolerierbar sein. Diese „smart drugs“, die intelligenten Pillen, sollen nur ihr Ziel – die Krebszelle – finden, ohne ihre Umgebung – die gesunden Zellen – zu zerstören.

Insgesamt stehen heutzutage weniger die krebserregenden Schadstoffe in der wissenschaftlichen Blickrichtung, sondern die genetischen Veranlagungen bzw. individuellen Therapien.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

 

16. bis 31. Januar 2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl