Neurodermitis - wenn auch die Seele leidet

Wer wünscht sich nicht eine makellose, reine und glatte Haut, gehört sie doch zu den Schönheitsidealen schlechthin. Schlimm ist es deshalb, wenn Hautveränderungen auftreten; das wird schnell als Makel wahrgenommen. Die Neurodermitis zählt zu diesen Hautveränderungen. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „Neuron“ = Nerv und „Dermatitis“ = Hautentzündung.

Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert, als man dachte, die Ursache der Hauterkrankung sei eine Nervenentzündung. Später wurde diese Ansicht widerlegt, der Begriff ist jedoch geblieben. In der Fachsprache aber heißt die Neurodermitis meist atopische Dermatitis bzw. atopisches Ekzem.

Patienten mit Neurodermitis durchleben im Alltag die Hölle: Die Haut ist extrem trocken, gerötet, entzündet sich und beginnt beständig und unerträglich zu jucken. Die Betroffenen kratzen sich blutig im vergeblichen Versuch, den Juckreiz zu stillen. Ärzte stehen dem Hautnotstand immer noch recht hilflos gegenüber. Und das, obwohl die Neurodermitis eine der häufigsten Hauterkrankungen ist. Sie liegt eindeutig vor, wenn wenigstens drei der folgenden Anzeichen zutreffen:

  • Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma in der Familie
  • Starker Juckreiz
  • Krankheitsverlauf länger als 6 Monate
  • Typische Hautveränderungen an Ellenbogen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht.

Die Neurodermitis ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und hängt auch vom Alter des Betroffenen ab. Im Säuglings- und Kindesalter zeigt sie sich vor allem an den Wangen als eine kleinschuppige Rötung, die zu einem nässenden Ekzem werden kann. Im Kindesalter, etwa ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr, treten die Hautveränderungen meist als trockene, schuppende und juckende Herde in den Ellenbeugen und Kniekehlen sowie am Nacken und an den Handgelenken auf. Im Erwachsenenalter kommt es zu wechselnden Ekzemen am Hals und an den Streckseiten der Arme und Beine.

Viele Faktoren können die Krankheit verschlimmern. Dazu gehört an erster Stelle der psychische Stress. Die Haut eines Neurodermitis-Patienten ist dabei wie ein „Schaufenster der Seele“. Deshalb sollten Neurodermitispatienten unbedingt lernen, stets die Haut aufmerksam zu beobachten und sich dabei die Frage stellen „was erzählt mir die Haut?“. Auf diese Frage müssen Sie natürlich Antworten finden.

Weitere Trigger-Faktoren, die die Krankheit verschlimmern können, sind auch

  • Infektionen, vor allem mit Herpesviren und Staphylokokken,
  • ungewohnte klimatische Bedingungen, wie Wärmestau und hohe Luftfeuchtigkeit
  • Nahrungsmittel, trifft vor allem für Kinder zu
  • Reizstoffe, wie Seife, Haushaltsreinigungsmittel, Tierhaare, Wolle, Hausstaubmilben und Pollen

Heilen lässt sich die Neurodermitis bis heute nicht, man kann die Symptome der Krankheit aber deutlich lindern. Die Behandlung beruht auf mehreren Säulen.

An oberster Stelle steht das Meiden der schubauslösenden Stoffe. 
Dann folgt die regelmäßige Hautpflege. Sie sollten die Haut feucht halten, geeignet sind Feuchtigkeitslotionen, Vaseline und pflanzliche Öle. Tragen Sie die Lotionen am besten nach dem Duschen auf, wenn die Haut noch feucht ist.

Um die Entzündung zu behandeln, gibt es nun Medikamente zur äußerlichen und zur innerlichen Behandlung.

Äußerlich spielen meist Cortisonpräparate und Calcineurin-Hemmer eine therapeutische Rolle. Cortison (auch Kortison) unterdrückt an der aufgetragenen Stelle die Immunreaktion und wirkt damit entzündungshemmend, dies stabilisiert die Haut und lindert den Juckreiz. Cortisonsalben sollen jedoch weder großflächig noch dauerhaft eingesetzt werden. Sie können zu einer Verdünnung der Haut führen, neben anderen möglichen Nebenwirkungen. Aber die kurzzeitige Anwendung von schwachdosierten Cortisonsalben ist im Allgemeinen unbedenklich.

Calcineurin-Hemmer wirken dagegen speziell auf weiße Blutkörperchen, die ebenfalls beid er Entzüdnung beteiligt sind. Dadurch wird die Ausschüttung von Botenstoffen blockiert, die Entzündung kommt ebenfals zum Erliegen. Clacineurin-Hemmer sollten frühzeitig angewendet werden, weil sie auf diese Weise Krankheitsschübe abfedern.

Die innerliche Therapie wird meist im nächsten Schritt angewendet, wenn die äußerliche nicht oder nicht stark genug wirkt. Hier gibt es zum einen ebenfalls Cortison - aber zum Einnehmen. Zum anderen wird auch Ciclosporin (auch Zyklosporin) eingesetzt, dies ist ein immundämpfendes Mittel, das die Abwehrreaktionen des Körpers herabsetzt. Dieser Wirkstoff wird eingesetzt bei großflächigem Befall, häufig wiederauftretenden Schüben und bzw. oder einem ungenügendem Ansprechen auf eine Behandlung mit Cremes oder Salben.

Neben dieser klassischen Schultherapie haben gerade bei dieser Krankheit auch abseitsstehende Verfahren eine gute Wirkung. Positiv berichtet wird über das sogenannte Elektrolyseverfahren. Dabei wird ein Fußbad leicht mit Strom versetzt. Es findet ein Austausch von Elektronen statt, dies zieht eine Entsäuerung und Entgiftung mit sich.

Auch positives Denken bringt Linderung. Damit ist ein Behandlungsansatz gemeint, der auch als „paradoxe Intention“ bezeichnet wird. Dabei wird die Überbeobachtung der Symptome mit Humor entgegengewirkt. Betroffene lernen, humorvoll die Launen ihrer Haut hinzunehmen. Dadurch distanzieren sie sich von ihrer Erkrankung und begegnen ihnen mit zunehmendem Gleichmut. Besonders gut funktioniert das bei Kindern. Ihnen kann man z. B. etwas von Juckgespenstern erzählen, die sie quälen. Den Juckgespenstern begegnet man in der paradoxen Intention jetzt nicht etwa mit Kratzen, denn das regt sie erst richtig auf, sondern man muss ihnen sanft begegnen, z. B. durch Streicheln zart mit der Fingerkuppe. Oder man verweist sie einmal richtig energisch in ihre Grenzen, indem man sie wüst beschimpft.

 

01. bis 15. Oktober 2006 Aktualisiert am 6.4.2011 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl