Naturkundliche Medizin im Trend

„Gibt es nicht auch etwas Natürliches?“ Viele von uns haben dies schon ihren Arzt gefragt. Denn die Naturheilkunde gilt vielen Menschen als sanfter und verträglicher als synthetische Medikamente. Damit soll jetzt nicht gesagt werden, dass die Schulmedizin schlecht sei. Nein! Es gibt sehr viele Anwendungsgebiete, in denen nur die westliche Schulmedizin helfen kann. Vor allem bei vielen akuten und schweren Krankheiten.

Die Naturheilkunde hat definitiv ihre Stärken. Untersuchungen zeigen, dass sie bei den chronischen und den leichteren Krankheiten im Vorteil ist. Sie kann auch sehr gut Krankheiten im Vorfeld erkennen und auf eine natürliche, für den Menschen gemachte Art dagegen angehen. Woran liegt das?

Die Antwort ist einfach: Die Naturheilkunde entspricht der Natur des Menschen. Das komplexe System Mensch hat sich in den letzten 100.000 Jahren entwickelt. Somit hat es lange Zeit gehabt, sich auf die komplexen Mehrstoffverbindungen einzustellen, welche in Heilpflanzen zu finden sind. Deren Wirkstoffe setzen in niedriger Dosierung an unterschiedlichen Zellen im Körper an. Dies hat folgenden Effekt: Jeder einzelne Wirkstoff kann durch seine geringe Dosierung auch nur eine jeweils geringe Nebenwirkung hervorrufen. Während sich aber die Nebenwirkungen zerstreuen, addieren sich die Wirkungen.

Etwas anderes ist der Fall, wenn bei einem synthetischen Medikament ein einzelner Wirkstoff im Vordergrund steht. Dieser muss als „Einzelkämpfer“ zwangsläufig eine höhere Dosis als ein Naturheilmittel haben, um einen Effekt hervorzurufen. Somit steigt die Gefahr, dass es gefährliche Nebenwirkungen gibt. Insofern hat der Volksmund sicher Recht, wenn er die pflanzlichen Präparate als gut verträglich bezeichnet.

Eine große Gefahr allerdings besteht bei der Pflanzenheilkunde: Nicht jede Pflanze enthält die gleichen Inhaltsstoffe. Für einen Weinkenner ist es einleuchtend: Ob Riesling, Müller-Thurgau oder Muskateller – die Geschmacksunterschiede zwischen den einzelnen Traubensorten sind groß. Und selbst wenn sich in zwei Flaschen ein und dieselbe Weinsorte befindet, bestimmt die Beschaffenheit des Bodens die Inhaltsstoffe der Traube. So entstehen die charakteristischen Weine, die eine Region hervorbringt. 
In der Pflanzenheilkunde herrscht aber landläufig die Meinung, Baldrian sei gleich Baldrian. So als ob alle Pflanzen die gleichen Inhaltsstoffe hätten, egal auf welchem Boden und in welchem Klima sie gewachsen sind. Dem ist nicht so, denn einige Firmen legen großen Wert auf die Qualität ihrer Rohstoffe und sind dann natürlich teurer. Viele andere wollen vor allem billig sein. Hier gibt es leider noch kein einheitliches Qualitätssiegel. Erste Anhaltspunkte geben die Zusätze „standardisiert und normiert“ auf der Packung. Das heißt, wichtige Inhaltsstoffe werden garantiert.

Einfache aber moderne Methoden

Naturheilkunde besteht natürlich nicht nur aus der Pflanzenmedizin bzw. Phytotherapie. Auch der große Bereich der Ernährungsmedizin gehört dazu. In fernöstlichen Kulturen ist dieses Wissen sehr stark verankert. In der traditionellen chinesischen Medizin beispielsweise wurde bis zum siebten Jahrhundert nicht zwischen Rezepturen aus Heilkräutern und Kochrezepten unterschieden. In unserer Kultur besinnt man sich ebenfalls wieder auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit. Denn hier bei uns, mitten in unserer Zivilisationsgesellschaft, leiden viele an Mangelerscheinungen. Fast food, industriell vorgefertigte Nahrungsmittel, mangelnde Zeit um regelmäßig ausgewogen zu kochen und ein Aussterben der schönen genussvollen Esskultur sind Gründe dafür.

Allgemeiner Kräfteschwund, Krankheitsanfälligkeit bis hin zur Zunahme von Krankheiten wie Dickleibigkeit, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen sind der Preis, den wir für unser Überangebot an Nahrungsmitteln bei gleichzeitig fehlendem Bewusstsein für gesunde Inhaltsstoffe und ausgewogene Ernährung zahlen. Viel zu wenig ist zudem bekannt, wie wichtig auch das regelmäßige ausreichende Trinken ist.

Hier hat sicherlich die Naturheilkunde einen Vorteil gegenüber der Schulmedizin. Denn in der Naturheilkunde spielen traditionsgemäß diese scheinbar so einfachen Methoden eine große Rolle. Und so könnte auch die Schulmedizin von der Naturheilkunde lernen, indem wir uns wieder auf die einfachen Methoden besinnen, um uns gesund zu halten.

Selbstheilungskräfte fördern

Eine weitere Schlüsselrolle spielt in der Naturheilkunde die Physiotherapie. Hierunter versteht man eine Kranken- und Heilbehandlung mit physikalischen, naturgegebenen Mitteln. Dazu zählen die klassischen Anwendungen mit Wasser, Wärme und Kälte, Licht, Elektrizität und Magnetfeldern. Es gehört auch das Anwenden von statischen und dynamischen Kräften in Massage, Krankengymnastik, Chirotherapie oder Osteopathie zu. Weiterhin gibt es die Entspannungsmethoden, sowie die ganzheitlichen Therapiesysteme wie die Kneipptherapie, die Homöopathie, die traditionelle chinesische oder die ayurvedische oder die antroposophische Medizin.

Diese Methoden sind sehr unterschiedlich in ihrem Ansatz und in ihren Auswirkungen. Und doch haben sie alle eines zum Ziel: Sie bauen darauf, dass der Mensch Selbstheilungskräfte besitzt und versuchen, diese gezielt zu fördern oder anzuregen.

 

1. bis 15. Mai 2005 Aktualisiert am 2.6.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl