Mitten im Leben trotz Morbus Crohn

Wenn die Ärztin oder der Arzt die Diagnose "Morbus Crohn" oder "Colitis ulcerosa" bei einer Patientin oder einem Patienten feststellt, löst dies zunächst Unsicherheit und Angst aus. Da es sich um seltene Erkrankungen handelt, sind die Krankheitsbilder den meisten Menschen unbekannt. Deshalb hier zunächst eine kurze Beschreibung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

 Beim Morbus Crohn handelt es sich um eine chronisch vernarbende Entzündung. Der Name kommt von dem amerikanischen Arzt Dr. Crohn, der vor 70 Jahren die Krankheit erstmals beschrieben hat. Sie kann den gesamten Verdauungstrakt, also vom Mund bis zum Darmausgang, befallen. Charakteristisch ist, dass jeweils nur einzelne Abschnitte verändert sind und gesunde Segmente dazwischen liegen. Sehr häufig ist der letzte Abschnitt der letzten Dünndarmschlinge betroffen. Die Diagnose des Morbus Crohn ist manchmal schwierig, insbesondere die Abgrenzung gegenüber einer Blinddarmentzündung. Erschwerend hierfür sind auch die uncharakteristischen Bauchbeschwerden - wie immer wieder auftretende Bauchschmerzen, Durchfälle, Fieber, Gewichtsverlust und verminderter Appetit. Auch andere Organsysteme können befallen sein, so dass Bindehautentzündungen der Augen, Hautveränderungen oder Gelenkbeschwerden auftreten.

Colitis ulcerosa ist der Name einer Entzündung des Dickdarms, die mit Geschwürbildung einhergeht. Nicht selten ist die Erkrankung auf den Mastdarm beschränkt, sie kann jedoch von dort aus auf andere Teile des Dickdarms übergreifen. Im Vordergrund der Beschwerden stehen blutige und schleimige Durchfälle. Da die Colitis ulcerosa immer am Mastdarm beginnt, der leicht zu untersuchen ist, sind die Chancen für eine zügige Diagnosestellung günstig - vorausgesetzt, der Betroffene überwindet die Scheu, wegen seiner Darmprobleme zum Arzt zu gehen.
Die Ursachen dieser beiden Krankheiten sind bisher nicht sicher geklärt. Auch ist nicht bekannt, warum bei manchen Patientinnen oder Patienten nur geringe und milde Beschwerden auftreten, bei anderen dagegen ein schwerer Krankheitsverlauf beobachtet wird. Da die Medizin beim gegenwärtigen Stand zwar die Beschwerden lindern, aber nicht heilen kann, müssen sich die Betroffenen auf ein Leben mit dieser Krankheit einrichten. Das wird oft durch die vielen Unbekannten dieser Krankheiten und den sehr unterschiedlichen individuellen Verlauf beim Einzelnen erschwert.

Für gute Diagnostik und optimale Therapie und Betreuung brauchen die Betroffenen kompetente ärztliche Hilfe. Die häufig als unangenehm und belastend empfundenen Untersuchungen, besonders die Darmspiegelungen, können durch Medikamente erträglich bis schmerzfrei gestaltet werden. Zusammen mit Blutuntersuchungen, Ultraschall, Röntgendiagnostik und eventuell Funktionstests der Darmschleimhaut stellen sie eine wichtige Voraussetzung dar, um über die Art der Behandlung zu entscheiden.

Im akuten Krankheitsstadium steht die Behandlung mit Kortisonpräparaten an erster Stelle. Zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung kann die Komplementärmedizin helfen. Nach einer Studie an der Universität Nürnberg-Erlangen sind Akupunktur und chinesische Kräutermedizin eine wichtige Unterstützung in der Behandlung. Eine neue Therapieform stellt auch die Anwendung von Weihrauch dar. Auch eine Gesprächstherapie ist sinnvoll, denn ein Entzündungsschub scheint mit psychischen Vorgängen einherzugehen. Da beide Krankheiten immer wieder zu Entzündungsschüben und - je nach Verlauf - auch zu narbigen Engstellen, Fisteln und massiven Blutungen führen können, müssen sich viele Betroffene irgendwann operieren lassen.

Obwohl es nahe liegend erscheint, dass der Verlauf einer Darmkrankheit durch die Ernährung beeinflusst wird, gibt es keine spezielle Diät, die das Wiederauftreten von Entzündungsschüben oder anderen Komplikationen verhindert. Die Betroffenen müssen selbst herausfinden, was sie beschwerdefrei essen können. Viele sehen darin allerdings auch die Chance zu mehr Lebensqualität. In bestimmten Fällen ist die zusätzliche Gabe von Vitaminen, vor allem Vitamin B 12, oder Mineralstoffen nötig.

Die Diagnose "chronisch entzündliche Darmerkrankung" wird meistens zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr und häufig erst nach langen Irrwegen gestellt. Die Auseinandersetzung mit dieser Angst machenden Situation gelingt mit Gleichbetroffenen in einer Selbsthilfegruppe oft sehr viel leichter. Beim Leben mit der in Schüben verlaufenden Krankheit geben die Gruppenmitglieder einander Hilfe. Deshalb haben sich Betroffene – nunmehr über 15000 - in der Selbsthilfevereinigung Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. zusammengeschlossen. Zu den Aufgaben gehören vielfältige Informationen, Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung.

 

Unsere Adresse lautet: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V., Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!