Trauerbewältigung - neue Kraft

Wenn ein geliebter, vertrauter Mensch stirbt, ist das erst einmal ein riesiger Schock. Man kann es nicht glauben: So viele Jahre war man verbunden und jetzt soll alles vorbei sein? Der Verlust ist deshalb so groß, weil man den anderen Menschen nicht nur geliebt oder gemocht hat, sondern weil er auch Teil des eigenen Lebens war. Das ist schwer zu verstehen, und die neue Situation kostet viel Kraft.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch Trauer auf seine eigene Art erlebt und durchlebt. Sätze wie „Jetzt ist es aber gut! Reiß dich doch zusammen“, sind sicher nicht der richtige Weg, einen trauernden Menschen zu unterstützen. Die Psychologie spricht von verschiedenen Phasen, die ein Trauernder durchlaufen kann - aber natürlich nicht zwingend durchlaufen muss. Denn auch der Trauerprozess ist ein individueller Prozess.

Mögliche Phasen

Die erste Phase ist in der Regel dadurch geprägt, dass man alles erst einmal nicht wahrhaben will. Als Reaktionen werden Gefühllosigkeit, krampfhafte Haltung, stilles Weinen, lautes Schluchzen oder ein Zusammenbruch beschrieben. Und dieser Zustand kann unterschiedlich lange andauern.

Hier kann man eigentlich nur die Reaktionen akzeptieren, die der Körper und die Seele vorgeben. Die Empfindungslosigkeit ist möglicherweise ein Schutz vor dem zu starken Schmerz. Sie bedeutet nicht, dass man den Verstorbenen nicht geliebt hat. Hilfreich ist das Zusammensein mit nahestehenden Menschen und Angehörigen, mit denen man auch über den Verstorbenen sprechen kann. Wenn man es schafft, könnte z. B. die Unterstützung bei der Aufbahrung hilfreich sein, die Realität wahrzunehmen.

In der zweiten Phase brechen die Gefühle auf und man erlebt den Trauerschmerz. Angst, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, vielleicht auch Wut sind normale Emotionen, die aber auch plötzlich und unbegründet von Heiterkeitsanfällen durchzogen werden können, derer man sich hinterher schämt. Insgesamt ist diese Zeit auch durch Ruhe- und Rastlosigkeit, sowie durch Schlafstörungen geprägt. Viele verlieren an Gewicht und sind anfällig für Infektionen. Oft weisen Trauernde jeden freudigen Gedanken schon von sich, bevor er Besitz ergreift – aus Angst, den verlorenen Partner damit zu entwürdigen.

Hilfe geben vielleicht die Traditionen der Religionen: Im Christentum wird 40 Tage nach Ostern das Fest Christi Himmelfahrt begangen. Innerhalb dieser 40 Tage ist Jesus immer wieder einzelnen Menschen erschienen. Aber dann hat er sich von dieser Welt verabschiedet. Das mag für die Überlebenden ein helfender Gedanke sein. Buddhisten leben in der Überzeugung, dass der Geist oder das Bewusstsein eines Verstorbenen noch maximal 40 Tage auf der Erde weilt, bis er dann in einen anderen Daseinsbereich eintritt. In der Psychotherapie wird ähnlich eine Zeit des inneren Loslassens beschrieben. Natürlich kann noch viel Zeit vergehen, bis der Zurückgelassene den Verlust überwindet und wieder neuen Lebensmut findet.

Die dritte Phase steht für eine Zeit, in der sich die Betroffenen an die neue Situation zu gewöhnen versuchen. Man versucht sich an ein Umfeld zu gewöhnen, in der der verstorbene Mensch einen anderen Platz hat, sucht vielleicht neue Aufgaben und definiert neue Lebensziele. Aber es gibt oftmals noch einen Rückzug in die Erinnerungen: So führt man innere Zwiegespräche und sucht in Träumen oder auf der Straße Verbindungen, die mit der oder dem Verstorbenen zu tun hatten oder haben.

Wenn es sehr schwer fällt den Alltag zu leben, hilft es vielleicht, die Erinnerungen an den verstorbenen Menschen weiter zu ritualisieren. Hilfreich könnte sein: Immer wenn der Gedanke an den verlorenen Partner hochkommt, soll man ihn sich zwar merken, ihn aber erst zu einer festgelegten Uhrzeit zu Ende denken. Immer um beispielsweise 17.00 Uhr kann man sich in einen Raum zurückziehen, eine Kerze anzünden und das Bild des verstorbenen Menschen betrachten. Jetzt ist die Zeit da, schrankenlos traurig zu sein und Erinnerungen an schöne Stunden hervorzuholen. Man wird bald merken, dass man als Betroffener durch dieses Arrangement für den Rest des Tages lebensfähig bleibt, aber auch, dass irgendwann der „Stoff“ für die Trauer ausgeht. Eine zelebrierte Trauer, der man ernsthaft nachgeht, könnte eine Unterstützungsmöglichkeit sein, den Verlust zu bewältigen.

In der vierten Phase dann hat man es geschafft. Man findet zu sich selbst und neuen Kontakt zum Umfeld. Die starke gefühlsmäßige Bindung an den verstorbenen Menschen verändert sich. Neue Beziehungen sind möglich, ohne dass die/der Verstorbene vergessen sind.

Trauerbegleitung

Wenn Sie mit Ihrer Trauer nicht alleine bleiben wollen, wenn sie Unterstützung und Orientierung für die nächsten Schritte suchen, können Sie auch eine so genannte Trauerbegleitung annehmen. Sie finden hier Beratung und Begleitung in Verlust-, Krisen- und Umbruchsituationen. Die Begleitung kann in Gesprächsgruppen oder auch in Einzelkontakten bestehen. Sie wird beispielsweise in Rheinland-Pfalz über Hospizgruppen, Vereine zur Tauerbegleitung wie Trauerwege e.V., Trauer e.V. und andere Vereine, Kirchen, karitative Einrichtungen oder in Trauergesprächsgruppen der Volkshochschulen angeboten. In manchen Städten wurde ein sogenanntes „Trauercafe“ eröffnet, in dem man in ungezwungener Atmosphäre einen ersten Gesprächskontakt aufnehmen kann. Zudem hilft der Verein TRAUERNDE ELTERN RHEIN-MAIN e. V., Carl-Zeiss-Straße 32, 55129 Mainz, Tel. 06131 / 6172658 – Fax 06131 / 6172659, Email-Kontakt – www.trauernde-eltern.org.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0. 

 

16. bis 30. April 2007