Sport trotz oder wegen Asthma

Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Eisschnellläuferinnen und das, obwohl sie chronisch krank ist: Die Rede ist von Anni Friesinger, 16-malige Weltmeisterin im Eisschnelllauf und asthmakrank. Die Spitzensportlerin ist das beste Beispiel dafür, dass sich Sport und Asthma keineswegs ausschließen. Im Gegenteil: Wie zahlreiche Studien belegen, ist Sport nicht nur trotz Asthma möglich, sondern gerade auch wegen der Erkrankung.

Das will heißen, dass Sport in der Behandlung von Asthma genauso wichtig ist wie das Einnehmen von Medikamenten. In den Ende 2009 aktualisierten nationalen Leitlinien für die Behandlung von Asthma wurde diese Erkenntnis ausdrücklich hervorgehoben. Aber immer noch werden asthmakranke Kinder vom Schulsport befreit. Und immer noch versuchen erwachsene Asthmapatienten, sich so viel wie möglich zu schonen.

Die körperlichen Vorgänge

Wenn man sich vergegenwärtigt, was bei einem Asthmaanfall geschieht, ist diese Vorsicht auch erst einmal naheliegend. Denn ein Bronchialasthma ist eine anhaltende Entzündung der Atemwege. Bei bestimmten Auslösern kann es zu einem Asthmaanfall kommen. Dabei verengen sich die Atemwege, und der Atemfluss wird stark beeinträchtigt. Es stellt sich ein unter Umständen lebensbedrohliches Gefühl von Luftnot ein.

Auslöser für Asthma sind meist Allergene wie Blütenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel, Latex, Schimmelpilze oder Insektengift. Ist es erst einmal zu einer asthmatischen Entzündung der Atemwege gekommen, kann der weitere Kontakt mit den Allergenen und mit anderen Reizstoffen jederzeit einen Asthmaanfall auslösen. Also nicht nur die eigentlichen Allergene, sondern oft auch Schmerzmittel, Luftreizstoffe, psychische Anspannungen und eben auch körperliche Anstrengung können zu auslösenden Faktoren werden. Und jetzt soll ausgerechnet ein solcher auslösender Faktor zur Therapie eingesetzt werden?

Was Sport bewirken kann

Neue Erkenntnisse zeigen, dass Sport die Symptome des Asthmas drosselt. Es beginnt damit, dass durch die körperliche Anstrengung die Muskulatur gekräftigt wird. Das gilt für die Atemmuskeln genauso wie für den restlichen Körper. Damit führt das Körpertraining zu mehr Ökonomie in der Atemarbeit und verschiebt die Schwelle, an der die körperliche Anstrengung einen Asthmaanfall auslöst, nach oben. Weiterhin hilft ein guter Trainingszustand dem Körper, insgesamt robuster zu werden und auch andere Infekte der Atemwege schneller zu bewältigen. Dies wirkt sich schonend auf die Lunge aus. Nicht zuletzt werden Asthmapatienten durch Sport auch psychisch gestärkt. Sie entwickeln ein besseres Körpergefühl und trauen sich insgesamt mehr zu. Erwachsene Asthmatiker profitieren dabei ebenso wie Kinder.

Bevor Sie sportlich durchstarten

Wenn Sie sich für Sport entschieden haben, sollten Sie sich zuvor von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Er wird wahrscheinlich einen Belastungstest auf dem Fahrrad- oder Laufbandergometer durchführen. Auf diese Weise lernen Sie Ihre körperliche Belastungsgrenze kennen. Im Laufe des Trainings wird sich diese Grenze jedoch wahrscheinlich nach oben verschieben, weswegen es sinnvoll ist, den Test gelegentlich zu wiederholen. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe eine Lungensportgruppe, der Sie sich anschließen können. Dies ist gerade für Sportanfänger sinnvoll, die noch Anleitung brauchen und in der Gruppe besser motiviert werden.

Bevor Sie mit dem Sport beginnen, sollten Sie sich etwa 10 Minuten aufwärmen. Machen Sie in dieser Zeit leichte Belastungsübungen, wie strammes Gehen, leichtes Laufen oder Hüpfen auf der Stelle. Dies ist ein guter Weg, um einen Asthmaanfall während des Sports zu vermeiden. Denn wenn Sie zu plötzlich mit der Anstrengung beginnen, kommt das Atemwegssystem möglicherweise damit nicht klar und reagiert mit einem Anfall.

Nach diesen Vorbereitungen ist grundsätzlich jeder Sport geeignet, der Ihnen Spaß macht. Besonders bieten sich Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Joggen an. Weniger gut geeignet sind in der Regel Sportarten, die mit einer kurzfristigen Höchstbelastung verbunden sind, wie Kurzstreckenlauf oder Squash. Darüber hinaus kann Ihnen Ihr Arzt sicher noch gute individuelle Tipps geben.

Beachten Sie bitte auch folgende Hinweise:

  • Bei einer neuen Sportart haben Sie am Anfang wahrscheinlich mit Konditions- und Koordinationsschwierigkeiten zu kämpfen. Lassen Sie Ihrem Körper Zeit, sich auf die ungewohnte Anstrengung einzustellen.
  • Suchen Sie nach Möglichkeit eine Sportart aus, bei der Sie den Kontakt mit Allergenen weitgehend vermeiden können. So ist  z. B. Reiten als Sport nicht zu empfehlen, weil Tierhaare zu den möglichen Auslösern gehören.
  • Führen Sie immer die vom Arzt verschriebenen Medikamente mit sich. Eventuell ist es sinnvoll, das Asthmaspray bereits vor dem Sport einzunehmen.

Es ist wichtig, dass Sie beim Sport sensibel auf Ihren Körper hören und seine Signale ernst nehmen. Packen Sie Ihren Körper nicht in Watte, aber verlangen Sie auch nichts Unmögliches von ihm. So werden Sie trotz Asthma viel Spaß an der Bewegung finden.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131  20 69 0.

 

01. bis 15. Mai 2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl